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17.02.12

Berliner Badboy

Wie Kevin Boateng in Mailand zum Idol wird

Milan-Besitzer Silvio Berlusconi nennt Boateng Weltklasse. Und die Fans teilen diese Meinung: Ex-Herthaner Kevin Boateng wird nach der Gala gegen Arsenal mit Ovationen gefeiert.

dpa/DPA

AC Mailand - FC Arsenal 4:0 (2:0) Das Treffen in San Siro war auch das Stürmerduell zwischen Milans Ibrahimovic (l.) und ...

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Alessandro Nesta hat fast alles gewonnen und gesehen im Fußball. Verbeugt hat sich der Weltmeister vom AC Mailand nur selten. Mittwochabend konnte er aber nicht anders, als seinem Kollegen Kevin Boateng so zu dessen Leistung beim 4:0 (2:0) gegen den FC Arsenal zu gratulieren. Als Trainer Massimiliano Allegri seinen Spielmacher in der 70.Minute auswechselte, erhoben sich die 68 257 Zuschauer im Giuseppe-Meazza-Stadion von den Plätzen, und Nesta verneigte sich. Mit seinem 1:0 (15.) hatte Boateng den Grundstein für den Kantersieg im Achtelfinalhinspiel der Champions League gelegt. Auch Robinho (38./49.) und Zlatan Ibrahimovic (79.) trafen, doch der überragende Mann dieses Abends war Boateng.

Sein Tor aus 14 Metern war ein Schuss voller Frechheit, Mut und diesem Stück Wahnsinn, das Kevin Boateng schon immer hatte. Der Schuss steht sinnbildlich für Boatengs Entwicklung seit der Weltmeisterschaft 2010, er ist in eine neue Dimension seiner Karriere vorgestoßen. Milan-Besitzer Silvio Berlusconi nennt Boateng Weltklasse. Die Fans teilen die Meinung: Kein Trikot verkauft sich besser als das mit Boatengs zweitem Namen: Prince. Am Mittwochabend hat der Berliner seine letzten Kritiker in Deutschland verstummen lassen.

Wer hätte das vor ein paar Jahren gedacht. Boateng galt als Bushido des deutschen Fußballs. Tätowiert, provozierend, verständnislos gegenüber den Forderungen, sich anzupassen. Ausgebildet bei Hertha BSC, wusste er früh, was er kann. Aber selten, welche Regeln er dennoch zu beachten hat. Seinen ehemaligen Trainer Falko Götz wollte er auf Herthas Trainingsplatz verprügeln. Mit seinem ehemaligen Mitspieler Patrick Ebert soll er Autospiegel abgetreten haben. Seine Karriere als deutscher Nationalspieler war beendet, bevor sie richtig begonnen hatte - Trainer Horst Hrubesch strich ihn aus der U21. Kurz spielte Boateng für Borussia Dortmund - ohne Erfolg. Also machte er sich auf ins Ausland. Doch dann kam da die Sache mit Michael Ballack.

Boateng spielte im Mai 2010 mit dem FC Portsmouth im englischen Pokalfinale gegen den FC Chelsea und foulte Ballack so hart, dass der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft für die WM in Südafrika ausfiel. Boateng verletzte damit aber nicht nur Ballack. Er verletzte Deutschland. Viele Fans unterstellten ihm Absicht: Boateng hatte sich wegen des Ärgers mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) entschieden, für den Gruppengegner Ghana, Heimat seines Vaters, zu spielen. Sogar das Verhältnis zu seinem Bruder Jerome litt. Inzwischen verstehen sie sich aber wieder gut.

Wie der Rapper Bushido hat sich Boateng entwickelt, ist professioneller geworden. Und hat es über Hertha, Tottenham Hotspur, Dortmund, Portsmouth und den CFC Genua ins Herz des Milan-Systems geschafft. Spielmacher beim AC - eine der begehrtesten und anspruchvollsten Positionen der Fußballwelt. Er spielt erst seit gut einem Jahr für Mailand und hat 2011 die Meisterschaft und den Supercup gewonnen, Kollegen der Serie A wählten Boateng in die Mannschaft des Jahres, bei der Meisterfeier tanzte er im vollen Stadion zur Musik von Michael Jackson dessen berühmten "Moonwalk". Seine Mitspieler applaudierten. Ein Entertainer ist er geblieben, ein Rüpel will er nicht mehr sein. "Wenn mich jemand kritisiert hat, habe ich ihn als meinen Feind gesehen. Ich musste erst mal lernen, dass es viel Arbeit braucht, um oben anzukommen", sagte Boateng dem "Stern". Der Fußball war seine Flucht aus dem harten Alltag des Viertels. Lange war er auf der Suche nach sich selbst, während seiner Zeit in England kaufte er in einer Woche einen Lamborghini, einen Jeep und einen Cadillac. In Mailand hat er schnell Italienisch gelernt. Eine Sache des Respekts sei das, sagt er. Für Ghana spielt er nicht mehr, er will sich auf den Verein konzentrieren.

Redselige Freundin

Den Hip-Hop-Glamour hat er trotzdem behalten. Er besucht Modenschauen, und nach der Trennung von seiner Frau Jenny hat er eine neue Freundin: das Model Melissa Satta. "Mit Kevin habe ich so sieben- bis zehnmal in der Woche Sex", sagt die 25-Jährige. So ganz ohne Bad-Boy-Charme wäre er halt kein kompletter Kevin Boateng. Wie sagen sie in seinem Berliner Viertel: Du kannst einen Jungen aus Wedding holen. Aber Wedding nicht aus dem Jungen.

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