Borussia Mönchengladbach
Vorbereitung auf ein Leben ohne Marco Reus
Erst Marco Reus, dann Roman Neustädter, beide Spieler verlassen Borussia Mönchengladbach. Von einem Ausverkauf will der Verein aber nichts wissen.
Es gibt gewisse Dinge in der Bundesliga, die funktionieren wie ein Pawlowscher Reflex. Ein Stichwort langt, und der Hund fängt an zu sabbern, jedenfalls im übertragenen Sinn. Sprechen Sie Bayern-Präsident Uli Hoeneß mal auf Christoph Daum an. Umgekehrt geht der ehemalige Hertha-Manager Dieter Hoeneß zuverlässig in die Luft, wenn man Vergleiche zu seinem ungleich erfolgreicheren Bruder zieht.
Bei Borussia Mönchengladbach gibt es derzeit auch ein Schlüsselwort, das den Verantwortlichen die Laune verhagelt. "Ausverkauf" heißt es, und lässt man es in der Nähe von Manager Max Eberl fallen oder bei Vizepräsident Rainer Bonhof, kriegen die eine steile Stirnfalte. "Ausverkauf? Wir werden keinen Ausverkauf erleben, da können Sie sicher sein", zischt beispielsweise Bonhof mit gerade noch beherrschter Stimme, "Borussia Mönchengladbach wird weiter bestehen." Das wird zwar auch nicht in Abrede gestellt, und doch ist es die wohl spannendste Frage einer ereignisarmen Winterpause, was denn nun wird aus dem Senkrechtstarter vom Niederrhein?
Wundersam hatten die Gladbacher die Spielzeit 2011/12 eröffnet, als der Beinahe-Absteiger der Vorsaison gleich am ersten Spieltag den FC Bayern besiegte. Keinesfalls zufällig, wie die nächsten 16 Spiele zeigten. Vor allem Marco Reus, ein junger Mann mit phänomenalem Ballgefühl, begeisterte die Zuschauer. Die Nachricht, dass der Offensivspieler eine Ausstiegsklausel in Höhe von 17,5 Millionen Euro im Vertrag hat, verbreitete sich wie ein Lauffeuer in den Vorstandsetagen der Profiklubs.
Der Rest ist bekannt: Die Borussia aus Reus' Heimatstadt Dortmund bekam den Zuschlag. Kaum war die Entscheidung bekannt, ließ auch Roman Neustädter (23) verlauten, dass er den Verein verlassen werde - und das ablösefrei, denn sein Vertrag läuft aus. Auch der zukünftige Schalker spielte in der Hinrunde stark und stand in allen 17 Spielen in der Startelf.
Lücken sind schwer zu schließen
Bonhof sieht die Transfers der beiden Leistungsträger als "normalen Vorgang" an: "Unruhe kam nur von außen", sagte er der Berliner Morgenpost. Sportdirektor Eberl weist zudem darauf hin, dass Mönchengladbach "selbst in glorreichen Zeiten Spieler wie Netzer, Simonsen oder Matthäus ziehen lassen musste." Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Der Klub verfügt dank Reus demnächst über ein stattlich gefülltes Konto. Doch damit ist die Lücke noch lange nicht geschlossen. Zwar kündigte Eberl an, den Nationalspieler "mit viel Geld zu ersetzen und den Kader damit zu unterfüttern". Doch Topspieler zieht es im Regelfall auch zu Topvereinen. Und so einer ist Borussia Mönchengladbach noch lange nicht.
Die Gefahr weiterer Abgänge ist zudem groß - da können die Chefs abwiegeln, wie sie wollen. Abwehrchef Dante (28) etwa lässt nach Informationen von Morgenpost Online den Markt sondieren. Er soll eine Ausstiegsklausel haben, die dem Vernehmen nach bei vier Millionen Euro liegt. Auch Torwart Marc-Andre ter Stegen (19) wird trotz seines Vertrags bis 2015 Begehrlichkeiten wecken. Ähnliches gilt für Verteidiger Tony Jantschke (21) und Mittelfeldmann Patrick Hermann (20). Die Gladbacher Reaktion auf derartige Avancen? Gelassenheit. "Was sollen wir uns verrückt machen wegen angeblicher Angebote, die uns nicht einmal vorliegen?", fragt Bonhof, "wir sind vorbereitet und werden mit Sinn und Verstand handeln."
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