07.12.11

Zwanziger-Nachfolger

Der DFB-Präsident Niersbach ist eine große Chance

Generalsekretär Wolfgang Niersbach ist eine gute Wahl für die Nachfolge Theo Zwanzigers als DFB-Präsident. Er steht für Gelassenheit statt Ungeduld.

Von Lars Wallrodt

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) war zuletzt stets für Überraschungen gut – im positiven wie negativen Sinne. Während sich die Nationalmannschaft mit nicht gekannter Grazie durch die Qualifikation zur Europameisterschaft dribbelte und nebenbei Mannschaften wie Brasilien und die Niederlande besiegte, torkelte der Verband auf anderen Spielfeldern von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen. Wett- und Schiedsrichter-Skandale dominierten die Schlagzeilen, dazu stritt sich DFB-Präsident Theo Zwanziger mit Bundestrainer Löw und Manager Oliver Bierhoff um deren Vertragsverlängerungen, lehnte ein Milliardenangebot des Sportartikelherstellers Nike zugunsten des Langzeitpartners Adidas ab und vergrätzte die Bundesliga, weil er laut über ein Bierverbot nachdachte.

Nun waren nicht alle Probleme hausgemacht, die Zwanziger aus der Welt schaffen musste. Doch die Kritik fokussierte sich so stark auf den 66-Jährigen, dass er in der vergangene Woche entnervt seinen vorzeitigen Rückzug bekannt gab. Im Oktober 2012 ist Schluss. Und seit Mittwoch ist auch bekannt, wer sein Nachfolger werden wird. In diesem Fall hielt sich die Überraschung arg in Grenzen. Wolfgang Niersbach (61) wird Zwanzigers Erbe antreten. Der frühere Sportjournalist ist seit über 20 Jahren im Verband, seit 2007 als Generalsekretär.

Das ist eine gute Wahl. Niersbach kennt wie kein Zweiter die Gesetze, nach denen der weltgrößte Sportverband funktioniert, ist glänzend vernetzt und verfügt über die nötige Kompetenz, um Zwanzigers Geschäfte weiterführen zu können. Er wird ohne Frage eine Menge lernen müssen. Als Generalsekretär war er der Mann für das operative Geschäft. Zwanziger hingegen verstand es glänzend, den Fußball in Gesellschaft und Politik zu vertreten und als wichtige Größe zu etablieren.

Sein Nachteil war seine brennende Ungeduld. Niersbach hingegen gilt als ruhiger Vertreter, der nicht zu Übersprungshandlungen neigt. Hier liegt eine große Chance für den DFB: Während Zwanziger mit seinem Übereifer zunehmend die Meinungshoheit entglitt , hat der Verband unter dem neuen Kapitän Wolfgang Niersbach die Chance, wieder zu jenem Frachter des deutschen Sports zu werden, an dem immer wieder Wellen abplätschern. Ein wenig mehr Gelassenheit an der Spitze wird dem DFB gut tun.

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