Fussball-Krach
Bundesliga fürchtet den Einzug der Vuvuzela-Tröte
Bei der WM nervte der Vuvuzela-Lärm die Fußballfans. Zum Bundesligastart hat die Tröte in einigen Stadien bereits Hausverbot.
Von Johannes Neukamm
Sie ist zum Symbol für das größte Sportereignis des Jahres geworden und wird seitdem vielerorts dennoch sehr ungern gesehen. Die Vuvuzela, als südafrikanisches Kulturgut gepriesen, entwickelte sich im Laufe der Fußball-Weltmeisterschaft zum Hassobjekt. So viel Spaß das monotone Tröten offensichtlich dem Anhänger im Stadion bereitet, so nervig empfindet es der Fan zu Hause. Vor dem Saisonstart sind deutsche Klubs deshalb alarmiert: Droht uns die Vuvuzela auch in der Bundesliga?
Um die akustische Qualität der Live-Übertragungen zu gewährleisten, mussten TV-Sender während der WM einen erheblichen technischen Aufwand betreiben. "Wir haben alles tontechnisch Mögliche gemacht, es klappte aber nicht, diesen Ton komplett herauszufiltern", sagt der stellvertretende Leiter der ZDF-Sportredaktion Thomas Fuhrmann. So wurde schon im Laufe der WM über ein Verbot diskutiert, jetzt tut das die Liga.
Wenn am Freitag mit der Partie des FC Bayern gegen Wolfsburg die Saison beginnt, könnte die südafrikanische Tradition auch in deutschen Stadien Einzug halten. Die Münchner haben bislang kein Verbot ausgesprochen. Man setze auf die Vernunft der Leute, heißt es aus der Säbener Straße. Soll heißen: Man möge doch bitte erst gar nicht eine Vuvuzela mitbringen. Im Bayern-Shop gibt es sie jedenfalls nicht.
Während in der Türkei der Verband seiner Liga offiziell die Vuvuzela untersagte, hält sich die Deutsche Fußball Liga (DFL) taktvoll aus der musikalischen Diskussion heraus und verweist darauf, dass für solche Regelungen Vereine und Stadionbetreiber zuständig seien. Und die haben sich entschieden. Noch während der WM sagte HSV-Chef Bernd Hoffmann, er vertraue darauf, "dass sich das nervige Getröte in deutschen Stadien nicht durchsetzt".
Verbieten ließ er die Vuvuzela bislang jedoch nicht. Anders etwa als Nürnberg, Dortmund, Mönchengladbach und Bremen. Bei Schalke, Freiburg und Frankfurt denkt man ebenfalls über ein Verbot nach. Einige wollten auch das Pokalwochenende abwarten oder den Start der englischen Premier League beobachten. Dort haben acht Klubs ein Vuvuzela-Verbot ausgesprochen, unter anderem Arsenal London.
Gerd Kehrberg brachte mit seinem Freund Frank Urbas die Vuvuzela nach Deutschland und vertreibt sie mittlerweile in 27 europäischen Ländern. Er sagt: "Wenn die Bundesligisten Verbote aussprechen wollen, ist das ihr gutes Hausrecht. Ich würde mir aber wünschen, dass sich die Leute mehr um das Thema kümmern und ihre Meinung nicht auf Basis von Falschinformationen begründen."
Für ihn sei die Vuvuzela weder zu laut, noch könne sie als Schlagwerkzeug verwendet werden. Die "deutsche Vuvuzela" nämlich habe einen eingebauten Schalldämpfer, sie besteht aus drei zusammengesteckten Teilen, die schon bei dem Versuch, mit ihr zu schlagen, auseinanderfallen würden. Kehrberg beobachtete während der WM in Deutschland: "Bei Public-Viewing-Veranstaltungen kommentierten einige mit der Vuvuzela die Highlights. Bei Toren wird kurz Lärm gemacht, danach wird wieder zehn bis 15 Minuten Fußball gekuckt, bis zum nächsten Tor." Kein Dauergetröte also.
Die Stadt Stuttgart glaubt das nicht. Sie geht rigoros gegen die Vuvuzela vor und gab in einem Brief an die ortsansässigen Vereine bekannt, dass in den Stadien der baden-württembergischen Landeshauptstadt keine Vuvuzelas mitgeführt werden dürfen. In der Begründung heißt es: "Mit der Vuvuzela können in einem Abstand von einem Meter Laute bis 120 dB, im Trichter sogar 131 dB erzeugt werden und die Zuschauer dadurch Hörschäden erleiden."
Da verwundert es wenig, dass Hallensportarten längst mit Verboten reagiert haben. Die internationale Basketballvereinigung Fiba lässt das Tröten bei der anstehenden Basketball-WM in der Türkei (28. August bis 12. September) nicht zu. Die deutsche Liga hat bereits während der Finalspiele in Bamberg ein Verbot ausgesprochen. Ebenso die Handball-Bundesliga.
Die Vuvuzela scheint ein One-Hit-Wonder der Fußball-WM in Südafrika zu bleiben. Wobei festzuhalten ist, dass selbst die Südafrikanischen Rugby Union erstmals ein für kommenden Samstag in Soweto angesetztes Match vuvuzelafrei veranstalten wird. Zwischen den südafrikanischen "Springboks" und den "All Blacks" aus Neuseeland würden "die Vuvuzelas störend auf den Rugby einwirken", heißt es. Deshalb wird sie aus Soccer City verbannt. Ein Politikum. Rugbymatches gelten in Südafrika noch immer als Spiele der weißen Bevölkerung.
Das Finale der Super 14, wie die Königsklasse des Rugbys der südlichen Hemisphäre genannt wird, verzögerte sich auf Grund des Lärms. Spieler und Schiedsrichter sprachen sich hernach für ein Verbot aus. Das wurde nun umgesetzt. "Ich weiß, dass immer noch viele Gefühle in der Luft schweben. Es ist keine persönliche Sache, aber so steht der Beschluss derzeit fest", sagt Golden-Lions-Präsident Kevin de Klerk. Es hat sich ausgetrötet, sogar in Südafrika.
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