WM-Kolumne
Die Vuvuzela-Tröten sind gesundheitsschädlich
Sonntag, 20. November 2011 21:22 - Von Paul M. SchumacherDer Streit um die Vuvuzelas ist neu entflammt. Während einige das Lärminstrument schon als "Kulturgut" bezeichnen, ist es für andere eine "Waffe". Dazu kommt noch, dass Wissenschaftler in Pretoria nun herausgefunden haben, dass die WM-Tröten sogar gesundheitsschädlich sind.


Dabei ist auch in Südafrika, ganz zu schweigen von andauernden internationalen Diskussionen, die Tröte weiterhin umstritten. In der Öffentlichkeit ist zwar mittlerweile von einem „Kulturgut“ die Rede. Aber das ist übertrieben, denn Vuvuzelas sind erst in den vergangenen Jahren in Mode gekommen. Auch die Herkunft ist ungewiss. Derzeit streiten die Oberen von einer der vielen christlichen Freikirchen in Südafrika, die sich häufig am Sonntag unter einem Baum zu schönen Gesängen und eben Vuvuzela-Tönen treffen, mit Fußballspielern. Die Kicker sagen, die Tröte sei ihre Erfindung, und ein Schlauer versucht gar, sich das Lärminstrument patentieren zu lassen.
Das Ding kann locker bis zur Länge eines Armes groß sein und ist entweder aus Leichtmetall oder Plastik hergestellt. „Eine Waffe“, sei das, zum Schlagen, Stechen und Werfen, sagen die Skeptiker, und auch die Fußballfunktionäre haben bereits angekündigt, dass sie „bei Missbräuchen die bisherige Legalität von Vuvuzelas bei WM-Spielen überdenken“ müssten. Die Verzierungen der Trompeten sind bunt, und häufig fantasie-, vielfach sogar kunstvoll. Selbst Gegner vermögen an diesem Punkt nicht völlig feindselig zu argumentieren. Ist es nicht toll, dass vor allem dunkelhäutige Südafrikaner soviel Zeit darauf verwenden, ihrem Fußballenthusiasmus Ausdruck zu verleihen?
Und es kommt noch schlimmer: Schon bei einem Spiel mit 25.000 Zuschauern (bei der WM werden mindestens drei-, bei Spitzenspielen viermal so viele Fans erwartet) steigt der Lärmpegel auf bis zu 144 Dezibel, „somit können unbeteiligte Zuschauer innerhalb des Zweimeterradius einen permanenten Gehörschaden davontragen“, so die Forscher. Kein Wunder, dass die LOC-Oberen umgehend Sturm liefen. Die Studie sei „unwissenschaftlich“ und könne rein gar nichts beweisen, verkündeten sie. Sprecher Rich Mkhondo sagte: „Das hat mit uns nichts zu tun.“
Da allerdings könnte sich der Mann ziemlich täuschen. Nun haben sich nämlich Anwaltskanzleien, südafrikanische wie auch amerikanische, schon mal vorsorglich mit der Sache befasst. Das Spezialgebiet der Johannesburger Juristen sind Prozesse wegen ärztlicher Kunstfehler.
Paul M. Schumacher hat über 20 Jahre als Korrespondent aus Afrika für den „Spiegel“?berichtet. Er lebt heute auf seiner Weinfarm bei Kapstadt.
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Erschienen am 19.02.2010

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