05.03.13

Mesut Özil

"Wir können jeden schlagen. Auch Manchester"

Am Dienstag trifft Mesut Özil mit Real Madrid auf Manchester United. Ein Aus in der Champions League würde die Diskussion um Trainer Jose Mourinho wieder anheizen, die gerade am abflauen war.

Von Lars Wallrodt
Foto: AP

Im Hinspiel trennten sich Real Madrid und Manchester United 1:1. Mesut Özil (r., gegen Rafael) spielte 90 Minuten durch
Im Hinspiel trennten sich Real Madrid und Manchester United 1:1. Mesut Özil (r., gegen Rafael) spielte 90 Minuten durch

So entspannt wie am Samstag hat Mesut Özil selten auf der Ersatzbank gesessen. 90 Minuten Zuschauer – und das bei einem "Clasico"? Da hätte es dem deutschen Nationalspieler früher gewaltig die Laune verhagelt. Doch diesmal hielt sich sein Frust in sehr engen Grenzen.

Zum einen, weil er sah, dass seine Kollegen von Real Madrid auch ohne seine Hilfe die Demontage des FC Barcelona fortsetzten. Zum anderen, weil Trainer Jose Mourinho ihm sehr genau erklärt hatte, dass er ihn am Dienstag bei vollen Kräften braucht.

Die Liga läuft bei Real mittlerweile unter dem Motto "Begleitprogramm". Auch der 2:1-Sieg gegen den Erzrivalen änderte nichts an der Tatsache, dass Barca im Titelrennen weit enteilt ist. Trotz der Niederlage beträgt der Vorsprung der Katalanen immer noch 13 Zähler.

"Die Meisterschaft haben sie so gut wie sicher", sagte Mesut Özil im "Welt"-Interview, "aber es gibt ja nicht nur die Liga. Wir haben noch große Ziele." Am Dienstag zum Beispiel geht es für die Spanier zu Manchester United. Im Champions-League-Achtelfinale wird es nach dem 1:1 im Hinspiel durchaus spannend.

Das glaubt auch Özil: "Es wird ein schweres Spiel. Manchester ist eine starke Mannschaft. Aber wir haben im Hinspiel gezeigt, was wir können. Wir waren in der ersten Hälfte klar besser, hatten viele Chancen. Wir haben Respekt vor Manchester, aber unser Ziel ist es, unser Spiel zu machen. Und dann können wir jede Mannschaft schlagen."

"Wir können jede Mannschaft schlagen"

Ein Ziel ist schon erreicht: Durch den 3:1-Sieg im Halbfinal-Rückspiel des "Copa del Rey", dem Äquivalent zum DFB-Pokal, hat Real Madrid in der vergangenen Woche dem ärgsten Widersacher eine empfindliche Schmach zugefügt und diesen aus dem Wettbewerb katapultiert. Schon im August setzten sich die Hauptstädter im prestigeträchtigen Supercup gegen Barcelona durch.

Und im Liga-Hinspiel gab es beim 2:2 zumindest keine Niederlage. So mancher Kritiker wähnt, auch angesichts der 0:2-Niederlage Barcas in der Champions League beim AC Mailand, die Übermannschaft der vergangenen Jahre schon im Sinkflug. Özil schüttelt über solche Gedanken jedoch den Kopf: "Dass sie auf dem absteigenden Ast sind, sehe ich wahrlich nicht."

Lieber aber spricht er über seinen Klub. So langsam scheint sich die Wunde zu schließen, die noch vor wenigen Monaten diagnostiziert wurde. Als Real in der Liga abfiel und sich bei Niederlagen gegen Teams wie FC Getafe, Betis Sevilla und FC Granada tüchtig blamierte, war die "Ära Mourinho" bereits für beendet erklärt worden.

Scheidung in Sicht? Von wegen

"Scheidung in Sicht", titelte die "Marca". Auch Borussia Dortmund verstärkte die Krise der Königlichen, als der BVB in der Champions-League-Gruppenphase die Spanier mit einem Sieg (2:1) und einem Remis (2:2) in Schach halten konnte.

Die Mannschaft soll sich gegen Mourinho verschworen haben, zumindest eine mächtige Fraktion um Torwart Iker Cassilas und Sergio Ramos. Auch Özil, der mit Ramos gut befreundet ist, hätte sich gegen den Trainer gestellt, hieß es in spanischen Medien.

Als Beweis wurde angeführt, dass Ramos im Spiel gegen Deportivo La Coruna ein Özil-Trikot unter seinem eigenen getragen hatte. Das wurde als Geste gegen Mourinho gewertet, der Özil in diesem Spiel zur Pause ausgewechselt und ihm offenbar eine Standpauke gehalten hatte.

Ist Mourinho also angeschlagen, gar isoliert? "Quatsch", sagt Özil. Er komme mit dem Coach "sehr gut klar", er "ist für mich einer der besten Trainer, wenn nicht der beste Trainer der Welt". Und auch der Rest der Mannschaft stehe hinter Mourinho: "Wer sieht, wie erfolgreich wir spielen, kann doch nicht bezweifeln, dass es im Team stimmt. Wir sind wie eine kleine Familie."

Real, eine kleine Familie

Eine Familie, in der sich Özil mehr und mehr in den Mittelpunkt spielt. Nur Cristiano Ronaldo hat in dieser Saison mehr Ligaspiele absolviert als der deutsche Spielmacher. Ab und zu kommen die Kollegen und flachsen: "Mesut, du würdest auch gut in die spanische Nationalmannschaft passen." Özil lacht dann und entgegnet: "Warum? Mittlerweile spielen wir in Deutschland genauso guten Tiki-Taka-Fußball wie ihr."

Ja, es geht wieder aufwärts mit Real. Ein Ausscheiden in der Champions League könnte dem sanften Aufschwung natürlich schnell wieder den Garaus machen. Nur die Chance auf den Pokalsieg langt in Madrid nicht, um für Ruhe zu sorgen. Dafür waren die vergangenen Jahre nicht glanzvoll genug. Meister 2012, Pokalsieger 2011 – das wäre für fast jeden anderen Klub sehr akzeptabel.

Aber nicht für die Königlichen. Der Gewinn der Champions League ist der natürliche Anspruch der Madrider. Und da liegt der letzte Triumph bald elf Jahre zurück: 2002 setzte sich Real im Finale gegen Bayer Leverkusen durch.

Der Traum vom Finale gegen Bayern

Doch mit einem möglichen Ausscheiden in Manchester beschäftigt sich in Madrid niemand. Im Gegenteil: Die jüngsten Erfolge gegen Barca haben das Selbstbewusstsein wieder in höchste Sphären gehoben. "Es heißt doch immer, Barcelona sei das Nonplusultra. Und wir haben bewiesen, wie stark wir gegen diese Fußballmacht spielen können. Wir haben den Supercup gegen sie gewonnen und jetzt auch das Duell im Pokal. Darauf sind wir stolz", sagt Özil.

So ist denn auch ein bisschen Träumerei erlaubt. Drei deutsche Klubs sind noch in der Königsklasse vertreten, da könnte es bald zu interessanten Duellen kommen. Vielleicht mit Schalke 04, dem ersten Profiklub Özils. Oder mit Dortmund; jenem Verein, der die Spanier so geärgert hat.

Das wuchtigste Duell jedoch, weiß auch Özil, wäre das mit dem FC Bayern. Daheim in Madrid hat er sich deren Sieg im DFB-Pokal gegen den BVB angeguckt, erzählt Özil. Eines der "besten Teams in Europa" sei der deutsche Rekordmeister. Und: "Wir gegen die Bayern – das wäre schon ein cooles Finale."

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