25.02.13

DFB-Boss Niersbach

So kommt das EM-Finale 2020 nach Deutschland

2020 wird die EM erstmals in 13 Ländern ausgetragen. DFB-Präsident Niersbach erklärt, wie Deutschland Spiele abbekommt, vielleicht sogar das Finale. Abhängig ist das vor allem von der Türkei.

Von Lars Wallrodt
Foto: pa/DeFodi
Stadion in Dortmund
Das Stadion in Dortmund hat mehr als 70.000 Plätze und wäre somit für das Finale der Europameisterschaft geeignet

Es ist das wohl größte Experiment der Fußball-Geschichte: 2020 soll erstmals eine Europameisterschaft auf dem ganzen Kontinent stattfinden. Darauf hat sich der europäische Verband Uefa mit seinen Mitgliedsländern schon seit längerem verständigt.

Offiziell wird das gemacht, weil die Uefa in diesem Jahr ihr 60-jähriges Jubiläum feiert. Inoffiziell, weil ab 2016, wenn die EM in Frankreich stattfindet, das Teilnehmerfeld von 16 auf 24 Mannschaften vergrößert wird. Der nun auf sechs Vierergruppen aufgeblähte Turniermodus ist nur noch für wenige Länder in Europa stemmbar. Darum ist eine auf dem ganzen Kontinent ausgetragene EM durchaus sinnvoll – jedenfalls aus wirtschaftlicher Sicht.

Europameisterschaft in 13 Ländern

Nun hat Wolfgang Niersbach, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), sich erstmals konkret zur Vergabe der Spiele geäußert. Bei einem Journalistengespräch in Frankfurt sagte er am Montagabend, dass das Turnier in 13 Ländern stattfinden werde, wobei er von rund 25 Bewerbungen ausgeht.

Dass sich auch der DFB für Spiele der EM 2020 bewerben wird, stand schon vorher fest. Dass Deutschland diese Spiele auch bekommen wird, daran hat Niersbach keinen Zweifel: "Meine Prognose: Wir werden dabei sein – als Gastgeber und als Teilnehmer."

Es ist keine Pflicht, dass die Mannschaft des Landes, das einen Zuschlag erhält, auch beim Turnier dabei sein muss. Diejenige Nationalmannschaft, dessen Land ausgewählt wurde, ist also nicht automatisch für die EM qualifiziert.

Für eins von zwei Paketen bewerben

Bewerben kann sich jeder Nationalverband auf eines von zwei Paketen. Entweder für drei Vorrundenspiele und ein Spiel der K.o.-Phase – in diesem Fall ergeben sich automatisch zwei Heimspiele. Oder für das Premiumpaket: die beiden Halbfinals und das Endspiel.

Für welche der beiden Pakete sich der DFB bewerben will, ist noch offen. Laut Niersbach hängt das vor allem davon ab, ob das Internationale Olympische Komitee am 7. September die Olympischen Spiele 2020 an die Türkei vergibt. Ist dem nicht so, werden aller Voraussicht nach die beiden Semifinals und das Finale in Istanbul stattfinden, weil die Türkei sich schon mehrfach vergeblich um die Austragung einer EM beworben hat. Bekommt die Türkei allerdings die Sommerspiele, ist "das Finale unser Favorit, sagte Niersbach.

EM-Finale in Dortmund oder Berlin?

In diesem Fall würde sich auch die Zahl der Bewerber auf zwei verringern. Für das Vorrundenpaket schreibt die Uefa eine Stadionkapazität von mindestens 60.000 Sitzplätze vor. Das würde auf München, Berlin und Dortmund zutreffen. Für das Finalpaket sind mindestens 70.000 Sitzplätze festgeschrieben. Dann wäre nur noch das Berliner Olympiastadion und die Dortmunder Arena im Rennen. Man kann sich auch auf beide Varianten bewerben, allerdings natürlich nur eine der beiden bekommen.

Im April will der DFB nach den Maßgaben der Uefa das Bewerbungsverfahren starten. Neben der Stadionkapazität werden auch Hotelkapazitäten, gute Flughafenanbindung und die Möglichkeit, eine Public-Viewing-Area einzurichten, herangezogen. Bis zum 11. September wird die Uefa-Ausschreibung dauern. Dann ist auch sicher, ob die Türkei den Zuschlag für Olympia bekommt.

Pan-europäische EM mit Flugstunden-Regelung

Einen automatischen Vorteil für die Hauptstadt Berlin gebe es nicht, sagte Niersbach.: "Es ist keine Pflicht, die Spiele in der Landeshauptstadt durchzuführen." Auch könne man sich mit zwei Städten bewerben, von denen dann aber nur (maximal) eine den Zuschlag erhalten kann. Die Spiele des jeweiligen Landes werden also definitiv alle in einem Stadion ausgetragen. Auch in Städten wie Istanbul, die über zwei ausreichend ausgestattete Stadien verfügen.

Dem Vorwurf, dass die pan-europäische EM für die Fans eine Zumutung wäre, will die Uefa mit einer Regelung begegnen: So darf der Spielort einer Nationalmannschaft maximal drei Flugstunden entfernt sein. Die größtmögliche Distanz bei der EM 2020 wäre voraussichtlich zwischen Lissabon und Moskau – sechs Flugstunden.

Foto: picture alliance / dpa

Gewinner: Als Hauptstadt war Berlin mit dem Olympiastadion, Austragungsort des WM-Finals 2006, im deutschen Bewerbungsverfahren gesetzt.

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