25.02.13

Felix Magath

"In Wolfsburg wurde mir Dreck hinterhergeworfen"

Seit vier Monaten ist Felix Magath ohne Job. Im "Welt"-Interview spricht er über seine Rolle als Hausmann, Pläne für einen neuen Job und den FC Bayern, den er "nie stärker gesehen hat als jetzt".

Von Lars Wallrodt

Er sieht entspannt aus: Felix Magath (59) kommt schwungvoll zum Termin in einem Münchner Hotel. In der Hand einen Terminkalender, auf der Nase die neueste Brillenmode, aktuell ein dunkelbraunes Modell. Seit seiner Entlassung beim VfL Wolfsburg am 25. Oktober ist er bei seiner Familie in München. Doch lange wird er nicht mehr der Vollzeit-Vater geben: Im Sommer will Magath wieder zurück ins Trainergeschäft.

Die Welt: Sie sind seit vier Monaten ohne Job. Wie muss man sich den Alltag im Hause Magath derzeit vorstellen? Ein Hauch von "Pappa ante portas"?

Felix Magath: (lacht) Anders als Loriot in diesem tollen Film sind wir zu Hause alle entspannt. Wir genießen es, endlich mal ein bisschen Zeit miteinander verbringen zu können. Zuvor waren wir oft getrennt. Mittlerweile sind die Kinder ja auch schon so groß, dass sie nicht mehr am Wochenende mit zu den Spielen meiner Mannschaft gekommen sind. Es ist für mich auch eine Freude endlich den eigenen Kindern beim Sport zuzuschauen.

Die Welt: Aber, Hand aufs Herz: Am Samstag, 15.30 Uhr, kribbelt es schon bei Ihnen, oder?

Magath: Natürlich verfolge ich aufmerksam die Bundesliga, arbeite ja regelmäßig als Experte bei "Liga total". Die Meisterschaft ist ja entschieden. Und nach unten, dort wo es noch spannend ist, habe ich noch nie so gern hingeguckt. (lacht) Ich schaue verstärkt ins Ausland, war vor kurzem in England. Auch nach Frankreich und Italien geht mein Blick. Jetzt, wo ich mehr Zeit habe, möchte ich mich einfach intensiver über diese Ligen informieren. Dafür hatte man im Tagesgeschäft kaum Gelegenheit.

Die Welt: Streben Sie ein Engagement im Ausland an?

Magath: Noch habe ich mich nicht entschieden, ob ich ins Ausland gehe oder wieder in die Bundesliga. Für mich ist die Aufgabe interessanter als die Liga. Ich möchte dort arbeiten, wo ich etwas bewegen kann, wo es am spannendsten für mich ist. Ob das in Deutschland, England oder Italien ist, ist dabei erst einmal zweitrangig. Ich habe keine Vorlieben im Fußball. Meine einzige Vorliebe war immer der Hamburger SV, dem ich natürlich aus alter Verbundenheit mehr Aufmerksamkeit zukommen lasse.

Die Welt: Ab wann wollen Sie denn wieder anfangen? In Fürth wird gerade ein Trainer gesucht.

Magath: Erst zur neuen Saison werde ich wieder eine Aufgabe übernehmen. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass es nicht sinnvoll ist, im Frühjahr irgendwo bei einem Abstiegskandidaten anzufangen.

Die Welt: In Wolfsburg haben Sie doch aber den Abstieg erfolgreich verhindert, als sie die Mannschaft im März 2011 übernahmen.

Magath: Richtig. Aber wenn ich so ein Amt übernehme, werden sofort Erwartungen geschürt. Die kann man nicht automatisch erfüllen. Ich muss mit dem leben, was vorhanden ist. Eigene Vorstellungen kann man daher kurzfristig nicht umsetzen. Auch in Wolfsburg musste ich zu viele Kompromisse eingehen.

Die Welt: Hätten Sie sich nach dem Klassenerhalt und mit Ihrer Wolfsburger Vorgeschichte mehr Dankbarkeit gewünscht?

Magath: Mir ging und geht es nicht um Dankbarkeit, sondern immer nur um den Erfolg für den Verein.

Die Welt: Ärgert es Sie, dass ausgerechnet dort, wo Sie mit dem Gewinn der Meisterschaft 2009 ein kleines Fußballwunder geschafft haben, nun Ihr Mythos demontiert wurde?

Magath: Ein kleines Wunder? (lacht) In diesem Geschäft ist es nun einmal so, dass der Trainer bei schlechten Saisonverläufen den Kopf hinhalten muss. Begriffe wie Mythos oder Demontage, damit kann ich nichts anfangen. Worüber ich mich allerdings wundern muss ist, wenn anschließend noch nachgetreten wird.

Die Welt: Wen meinen Sie?

Magath: Niemanden konkret. So eine Entscheidung wie meine Entlassung wird von Vereinsvertretern getroffen. Das ist auch in Ordnung. Dass allerdings meinen loyalen Geschäftsstellen-Mitarbeitern und mir anschließend noch Dreck hinterher geworfen wird, verstehe ich überhaupt nicht.

Die Welt: Aber Sie meinen niemanden konkret?

Magath: Nein.

Die Welt: Aha. Dann zitieren wir mal Klaus Allofs, Ihren Nachfolger auf der Managerposition: "Wenn das Feld bestellt gewesen wäre, wäre ich nicht hier. Denn dann wäre es so, dass geerntet werden kann."

Magath: Er wird wohl irgendwo gefragt worden sein.

Die Welt: Bereuen Sie es, dass Sie sich haben breitschlagen lassen, nach Ihrer Entlassung auf Schalke sofort wieder in Wolfsburg anzufangen?

Magath: Ich habe es mir abgewöhnt, Dinge zu bereuen. Nicht, weil ich nichts falsch mache, sondern weil gemachte Fehler ja durchaus sinnvoll sein können. Das Problem ist nur, dass in unserer medialen Öffentlichkeit niemand mehr Fehler machen kann, ohne dass diese auf die Goldwaage gelegt werden und derjenige dafür dann völlig überzogen und maßlos kritisiert wird.

Die Welt: Beziehen Sie das auf sich?

Magath: Nein, dass beziehe ich weder auf mich noch ausschließlich auf den Fußball. Aber gerade im Fußball ist es deutlich erkennbar, dass sich niemand mehr traut, Fehler zu machen. Ich habe mich vor schwierigen Aufgaben nie gescheut, mir war aber stets klar, diese Arbeit kann auch schiefgehen.

Die Welt: Glauben Sie, dass die Bundesliga nach Ihrem Abgang auf Schalke und der auch nicht geräuschlosen Demission in Wolfsburg von Ihnen verschreckt ist?

Magath: Die Frage kann ich Ihnen nicht beantworten. Schauen Sie auf das, was ich in den vergangenen Jahren geleistet habe. Meine Arbeit führt zu Titeln und Meisterschaften. Insofern bin ich ganz gelassen, was meinen Ruf in der Liga angeht.

Die Welt: Der FC Bayern bemüht sich um BVB-Stürmer Robert Lewandowski. Allerdings haben die Münchner mit Mario Mandzukic, Mario Gomez und Claudio Pizarro drei starke Stürmer. Wie passt das zusammen?

Magath: Die Vergangenheit hat doch gezeigt, dass es zur Strategie von Uli Hoeneß gehört, gerade bei Vereinen, die dem FC Bayern gefährlich werden, zu schauen, ob dort zufällig ein geeigneter Mann für den eigenen Klub dabei ist.

Die Welt: Mit ein bisschen emotionalem Abstand: Wie sehen sie die aktuelle Dominanz des FC Bayern?

Magath: Jupp Heynckes macht dort sehr gute Arbeit. Aber ohne seine Leistung schmälern zu wollen, glaube ich, dass die derzeitige Verfassung der Bayern, dieses extreme Positionsspiel, auf Louis van Gaal zurückgeht. Der Verein profitiert von seinen Vorleistungen. Heynckes hat die Strukturen angenommen und verfeinert, das ist genau so wichtig und wertvoll. Er versteht es, die Voraussetzungen, die er vorgefunden hat, zu nutzen und zu verbessern.

Die Welt: Hat der FC Bayern das stärkste Team Europas?

Magath: Nach der Niederlage vom FC Barcelona in Mailand muss man wohl davon ausgehen. Ich bin überzeugt, dass die Bayern ins Champions-League-Finale kommen. Sie spielen so gut wie noch nie, ich habe sie jedenfalls nie besser gesehen. Dieses Niveau konnten sie bisher über die gesamte Saison hinweg halten, und gelingt es ihnen weiter, ist die Möglichkeit groß, dass sie es bis zum Titel schaffen.

Die Welt: Dann kommt Pep Guardiola.

Magath: Damit hat sich der FC Bayern einen Topmann geholt. Aber die Erwartungshaltung wird riesig sein. Dass kann auch zum Problem werden, wenn an ihn Erwartungen gestellt werden, die er gar nicht erfüllen kann. Wenn ich sage, dass die Bayern derzeit so gut spielen wie noch nie: Wie soll Guardiola sie dann noch besser machen? Und stellen Sie sich vor, Jupp Heynckes holt drei Titel. Dann ist keiner mehr für Guardiola übrig. (lacht)

Die Welt: Jupp Heynckes wird mit Schalke 04 in Verbindung gebracht. Sie werden ihm abraten, oder?

Magath: Jupp Heynckes braucht von mir keine Tipps, er ist ja alt genug.

Bayern München und Borussia Dortmund in Zahlen

 

 

435 Millionen Euro ist der Kader des FC Bayern laut transfermarkt.de wert. Dortmund liegt mit 250 Millionen deutlich zurück

 

 

6,08 Millionen Facebook-Freunde hat der FC Bayern. Dortmund kommt auf 2,00 Millionen

 

 

6 Tore schossen die Fans der Borussia im Finale des Bundesliga-Fancups 2012. Gegner Nürnberg keines. Für die Bayern-Anhänger war im Viertelfinale Schluss

 

 

70 Prozent Verlust muss Uli Hoeneß mit seinen BVB-Aktien verzeichnen, die er zum Einstiegspreis von elf Euro erworben hatte. Derzeit sind sie gut drei Euro wert

 

 

13 Millionen Euro gab der FC Bayern bislang für die Transfers von Dortmund-Spielern aus. Dortmund kaufte für 4,2 Millionen bei den Bayern ein

 

 

49-mal trat die Borussia in Pflichtspielen beim FC Bayern an. Die Bilanz: acht Siege, elf Unentschieden, 30 Niederlagen

 

 

13,55 Millionen Zuschauer verfolgten im vergangenen Mai das Pokalfinale zwischen beiden Klubs, so viele wie seit 1984 nicht. Der Marktanteil lag bei 44 Prozent

 

 

17,50 Euro muss zahlen, wer den BVB-Rotwein Paolo Monti schlürfen will. Bayern-Fans kommen günstiger weg. Den Norico gibt es schon für 6,95

 

 

27 BVB-Fans gründeten 2010 den ersten offiziellen Dortmund-Fanklub mit Sitz in München: "Die Münchner Borussen"

 

 

1913 änderte der BVB seine Vereinsfarben in Schwarz-Gelb. Vorher spielten die Dortmunder blau-weiß gestreift. Schalke, ick hör dir trapsen...

1971 feierten die Bayern gegen Dortmund mit einem 11:1 ihren höchsten Bundesligasieg

 

 

2068 Einwohner leben in Dortmund auf einem Quadratkilometer. In München geht es deutlich beengter zu. Hier drängen sich 4355 Bürger, der höchste Wert Deutschlands

 

 

219 Euro beträgt der Sofortkaufpreis bei für einen ordentlichen Sitzplatz am Mittwoch in der Münchner Arena

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