24.02.13

Englische Legende

Fairplay trägt für immer den Namen Bobby Moore

Der Todestag Bobby Moores jährt sich zum 20. Mal. Der englische Weltmeistertrainer Alf Ramsey schwärmte noch lange von seinem damaligen Kapitän, der für Franz Beckenbauer ein Vorbild war.

Von Patrick Denner
Foto: picture-alliance / dpa

Ein Bild für die Fußball-Geschichtsbücher: Vor dem legendären WM-Finale 1966 in Wembley tauschen die Kapitäne Uwe Seeler (l.) und Bobby Moore (r.) bei den Seitenwahl die Wimpel
Ein Bild für die Fußball-Geschichtsbücher: Vor dem legendären WM-Finale 1966 in Wembley tauschen die Kapitäne Uwe Seeler (l.) und Bobby Moore (r.) bei den Seitenwahl die Wimpel

Auch in der Stunde seines größten sportlichen Triumphs erwies sich Bobby Moore als wahrer Sportsmann. Nach dem Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 1966 im Londoner Wembleystadion betrat der Kapitän der englischen Nationalmannschaft die deutsche Kabine, um in seiner typischen Art dem unterlegenen Gegner seinen Respekt zu zollen: "Natürlich sind wir glücklich, gewonnen zu haben, aber ihr wart großartig, stark genug, um auch Weltmeister zu werden." So kam es, dass der am 12. April 1941 in Barking/Essex geborene Robert Frederick Chelsea Moore, den alle Welt nur "Bobby" rief, bis zum heutigen Tag als Inbegriff des britischen Fairplay gilt.

Der Sohn eines Fabrikarbeiters kam 1956 zum Erstligisten West Ham United und gab bereits zwei Jahre später sein Debüt in der höchsten englischen Spielklasse. Schon sehr bald eilte Moore der Ruf voraus, der technisch versierteste Abwehrspieler Englands zu sein. Dank seines überragenden Stellungsspiels und Timings im Zweikampf kam er ohne Foulspiel aus – nur vom Hörensagen kannte er eine Grätsche. Brasiliens Fußballlegende Pelé nannte ihn den fairsten Verteidiger, gegen den er in seiner Karriere gespielt habe.

Da Moore zudem die seltene Gabe besaß, ein Spiel zu lesen und gegnerische Offensivaktionen zu antizipieren, geriet ihm seine mangelnde Antrittsschnelligkeit nur selten zum Nachteil. Der Erfolgstrainer von Celtic Glasgow, Jock Stein, sagte einmal: "Es sollte ein Gesetz gegen ihn geben. Er weiß schon 20 Minuten vor allen anderen, was passieren wird."

Im Mai 1962 bestritt Bobby Moore beim 4:0 gegen Peru sein erstes von insgesamt 108 Spielen (90 davon als Kapitän) für Englands Nationalmannschaft. Zwar schieden die "Three Lions" bei der kurz darauf in Chile stattfindenden WM im Viertelfinale gegen den späteren Weltmeister Brasilien aus, aber Moore wusste in sämtlichen Spielen zu überzeugen.

Das denkwürdige Jahr 1964

1964 sollte für den blonden Innenverteidiger ein denkwürdiges Jahr werden. Erst gewann er mit West Ham United in Wembley den FA Cup, dann musste er sich einer Behandlung gegen Hodenkrebs unterziehen, die glücklicherweise erfolgreich verlief. Anschließend wurde er zu Englands Fußballer des Jahres gewählt. Im Jahr darauf schlug Moore mit West Ham im Endspiel des Europapokals der Pokalsieger im Wembleystadion 1860 München mit 2:0.

Der Höhepunkt seiner Karriere stand Englands Kapitän erst noch bevor. Bei der WM 1966 im eigenen Land führte er im Finale sein Team zu einem 4:2 gegen Deutschland mit Uwe Seeler. Im Stile eines Gentleman wischte sich Moore erst seine schmutzigen Hände am Trikot ab, ehe er in der "Royal Box" aus den Händen der Königin den "Jules-Rimet-Pokal" in Empfang nahm. Er wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt.

Noch Jahre später schwärmte Alf Ramsey, der englische Weltmeistertrainer von 1966: "Moore war Herz und Seele des Teams. Er war der beste Profi, mit dem ich je zusammengearbeitet habe. Ohne ihn hätte England die WM niemals gewonnen." Und auch bei den bis heute andauernden Diskussionen über das sogenannte "Wembley-Tor" zum 3:2 für England wurde Moore seinem Ruf als großer Sportsmann gerecht: "Da wurde als Tor anerkannt, was nie ein Tor gewesen ist."

Doch selbst der "Idealprototyp eines englischen Gentlemanfußballers", wie ihn TV-Reporterlegende Heribert Faßbender bezeichnete, war nicht frei von Lastern. Moore durchzechte 1971 mit drei Mannschaftskameraden die Nacht vor der Drittrundenpartie im FA Cup gegen Blackpool. Prompt verlor West Ham die Begegnung mit 0:4, worauf Moore mit einer Geldstrafe in Höhe eines Wochengehalts belegt wurde.

Den Alkohol wieder rausschwitzen

Gelegentlich sah man das englische Fußballidol am eigentlich trainingsfreien Sonntagmorgen auf dem Trainingsplatz, um laufend und schwitzend den konsumierten Alkohol aus der Nacht abzubauen. Auch für das Rauchen besaß er eine Schwäche. Aber mit Stil: Beim Trainingslager von West Ham Mitte der 60er-Jahre in der Sportschule Hennef ließ er sogar Aschenbecher an den Trainingsplatz bringen.

1970 nahm Moore in Mexiko zum dritten Mal an einer WM teil. In einem dramatischen Spiel unterlag England im Viertelfinale Deutschland mit 2:3. Nachdem sich England für die WM 1974 in Deutschland nicht qualifizieren konnte, ging der Kapitän von Bord: Am 14. November 1973 beendete er nach seinem 108. Länderspiel (was damals Weltrekord bedeutete) seine Nationalmannschaftskarriere.

Für West Ham spielte er noch bis zum Beginn des Jahres 1974, im März wechselte er dann zu Fulham. Seine letzten Spiele bestritt er schließlich 1978 in den USA für die Seattle Sounders.

Die Zeit nach dem aktiven Sport erwies sich für Bobby Moore als äußerst schwierig. Seine Laufbahn als Trainer (Oxford City, Southend United) verlief ebenso erfolglos wie seine geschäftlichen Aktivitäten als Besitzer einer Sportartikelfirma und eines Pubs. Zu allem Überfluss stellten sich auch noch private Probleme ein, die in der Scheidung von seiner Ehefrau ihren Höhepunkt fanden.

Früh den Kampf gegen den Darmkrebs verloren

Ab 1990 arbeitete Moore als Fußballkommentator für einen Radiosender. Im Jahr darauf erkrankte er an Darmkrebs und musste sich einer Notoperation unterziehen. Zwei Jahre kämpfte er gegen die Krankheit, ehe er am 24. Februar 1993 im Alter von nur 51 Jahren in London starb.

Mit großer Betroffenheit reagierte die Fußballwelt auf Moores frühen Tod. Franz Beckenbauer sprach für viele, als er voller Bewunderung sagte: "Bobby war mein Fußballidol. Ich schaute zu ihm auf. Ich bin so stolz, gegen ihn gespielt zu haben." Und Pelé fügte ehrfurchtsvoll hinzu: "Die Welt hat einen ihrer größten Fußballspieler und einen großartigen Gentleman verloren."

Seit Mai 2007 erinnert vor dem Haupteingang des neuen Wembleystadions eine Bronzestatue an Bobby Moore. Auf der Insel bleibt er wohl für alle Zeiten "the greatest captain England ever had".

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