17.02.13

Tabellenletzer

Sogar Fürths Chef findet sich mit dem Abstieg ab

Nach der Niederlage in Düsseldorf schwindet bei Aufsteiger Greuther Fürth der Glaube an das Wunder Klassenerhalt. Präsident Helmut Hack griff seine Profis nach dem Schlusspfiff öffentlich an.

Von Julien Wolff
Foto: Bongarts/Getty Images

Fürths Profis nach der 0:1-Niederlage bei Mitaufsteiger Düsseldorf
Fürths Profis sind nach der 0:1-Niederlage bei Mitaufsteiger Düsseldorf enttäuscht

Es gibt derzeit attraktive Angebote für Pauschalreisen Ende Mai. Zwei Wochen Mallorca sind für 500 Euro zu haben, Urlaub an der Algarve kostet 800 Euro, und für 14 Tage auf den Seychellen werden 2000 Euro verlangt. Abflug vom Flughafen Nürnberg – für die Profis der Spielvereinigung Greuther Fürth geografisch perfekt.

Doch Wolfgang Hesl verweigert Gedanken an Sonnenschein, Palmen, Klubtanz und Frühstück mit Blick auf den Pool. "Wir sollten noch keinen Urlaub buchen", sagt der Torhüter des Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga. "Ich glaube nach wie vor daran." Ja, er meint tatsächlich den Klassenverbleib.

Am Samstagnachmittag verlor seine Mannschaft 0:1 (0:1) bei Mitaufsteiger Fortuna Düsseldorf. Es war kein Finale, und doch war im Vorfeld in Fürth von einem "Endspiel" um eine weitere Saison in der höchsten Spielklasse die Rede gewesen. Sie hatten viel Hoffnung in die 90 Minuten gelegt. Umso enttäuschender war der Auftritt der Franken, vor allem in der ersten Hälfte.

Verteidiger Matthias Zimmermann verschuldete mit einem misslungenen Rückpass den Siegtreffer von Axel Bellinghausen (18. Minute). Nur Torwart Hesl war in Form und verhinderte mit mehreren Paraden und dem Abwehren eines Elfmeters von Dani Schahin (3. Minute) eine höhere Niederlage. "In der ersten Hälfte haben wir uns vorführen lassen", schimpfte Schlussmann Hesl über seine Vorderleute.

Am 18. Mai steht der letzte Spieltag der laufenden Bundesligasaison an, fünf Tage später das Hinspiel der Relegation. Dass Fürth daran teilnimmt, ist derzeit so wahrscheinlich wie die Auszeichnung von Tiefkühllasagne als Produkt des Jahres. Das sieht auch Klubpräsident Helmut Hack so – und zählt die Mannschaft öffentlich an.

Er sagte nach dem Abpfiff: "Das war enttäuschend, zu wenig. Und möglicherweise die letzte große Chance. Wenn du drin bleiben willst, darfst du hier nicht verlieren. Das hatte nichts mit Bundesliga zu tun. Wir haben nicht die Mindestqualität, die du für diese Liga benötigst." Der Chef resigniert.

Eine Nummer zu groß

Die Bundesliga ist tatsächlich eine Nummer zu groß für Fürth. Einen anderen Schluss lässt dieser sympathische Klub nicht zu, der auf einen Kader mit einem geschätzten Marktwert von 30 Millionen Euro setzt – so viel ist in Dortmund allein Stürmer Robert Lewandowski wert. 14 Niederlagen aus 22 Spielen, nur 13 Tore, 36 Gegentreffer, kein Heimsieg.

Was nützt es da, dass die Fürther oft leidenschaftlich spielen, viel Aufwand betreiben und gegen Düsseldorf beste Torchancen hatten? Die Statistik der Franken erinnert manche Fans schon an Tasmania Berlin: Der Klub erzielte 1965/1966 nur 15 Tore und gilt als erfolgslosester Verein der Bundesligageschichte.

Mike Büskens, Fürths Trainer, ist in Düsseldorf geboren, hat dort in der Kantine einer Bank den Beruf des Kochs erlernt, sein Meister war der Vater des ehemaligen Profis und heutigen Hertha-Managers Michael Preetz. Büskens spielte fünf Jahre für die Fortuna. Trotz seiner Enttäuschung stellte er sich am Wochenende wieder mal schützend vor seine Mannschaft. "Mein Gott, das sind alles junge Burschen! Bei der Fortuna spielen reihenweise abgewichste Jungs, die auch mal auf Kalteisen hauen", so der 44-Jährige.

Er stellte damit fest, was alle sehen: Die SpVgg ist im Gegensatz zur Konkurrenz zu grün, zu naiv, zu zaghaft. Am Sonntagnachmittag empfängt Greuther Fürth den Tabellendritten Bayer Leverkusen, Büskens werden in der Partie die gesperrten Bernd Nehrig (fünfte Gelbe Karte) und Jozsef Varga (Gelb-Rot gegen Düsseldorf) fehlen. Angst um seinen Arbeitsplatz müsse der Trainer aber auch nach der Niederlage in Düsseldorf nicht haben, sagte Vereinspräsident Hack.

Was bleibt Mike Büskens anderes, als die ziemlich hoffnungslose Situation aus Herausforderung zu verkaufen. "Du musst wieder aufstehen, wenn du fällst. Und das werde ich bis zu meinem letzten Tag so machen. Wenn ich nur Sonnenschein haben möchte, dann werde ich Kommentator", so der Trainer in einem Fernsehinterview.

Dabei wäre das mit den Flügen von Nürnberg aus doch viel einfacher.

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