11.02.13

Stephen Keshi

Afrika-Cup-Sieger Nigeria feiert seinen Beckenbauer

Stephen Keshi stand bereits vor der Entlassung. Nach dem Triumph beim Afrika-Cup wird der Trainer reich entlohnt, beklagt aber den Umgang mit seinem Berufsstand und verkündet seinen Rücktritt.

Foto: AFP

Stephen Keshi (o.) ließ sich nach dem Sieg beim Afrika-Cup feiern
Stephen Keshi (o.) ließ sich nach dem Sieg beim Afrika-Cup feiern

Über seine finanzielle Zukunft muss sich Stephen Keshi wohl keine Sorgen mehr machen. Noch in der Nacht zu Sonntag, wenige Stunden nachdem Nigerias Trainer sein Team zum Gewinn des Afrika-Cups geführt hatte, gab Mobilfunk-Milliardär Mike Adenuga junior bekannt, die Dienste des Fußballfachmanns mit 200.000 Dollar Prämie zu honorieren, und er wolle fortan auch sein Gehalt bezahlen. An die Mannschaft werde er insgesamt 740.000 Euro geben, womit er Aliko Dangote, Afrikas reichsten Bürger, geradezu knauserig erscheinen ließ, der 610.000 Euro spendierte.

Keshi (51) hat Erfahrung, wie überschwänglich in Nigeria bisweilen mit Gewinnern umgegangen wird. 1994 war er Kapitän der nigerianischen Nationalmannschaft, als die "Super Eagles" (Super-Adler) mit dem Afrika-Cup ihren bis Sonntag letzten internationalen Titel gewannen. Keshi bekam damals wie jeder Stammspieler ein Haus geschenkt. Nun, da ihm die Wiederholung des Titelgewinns als Trainer gelungen ist, dürfte ihm eher eine Entlohnung von der Dimension eines Schlosses winken. Denn dieses Kunststück war bislang nur dem Ägypter Mahmoud El Gohary gelungen. Eine Nummer kleiner als der doppelte WM-Triumph von Franz Beckenbauer, Keshis Status in Nigeria aber stößt in ähnliche Regionen.

"Kings of Africa" (Könige Afrikas), titelte die nigerianische Zeitung "The Punch", was ein eher alltägliches Selbstverständnis der Nation ist, die sich anschickt, Südafrika als größte Volkswirtschaft des Kontinents abzulösen. Nach dem 1:0-Finalsieg über Burkina Faso im ausverkauften FNB-Stadion von Johannesburg/Südafrika und dem dritten Gewinn des Afrika-Cups spiegelte die Zeile die Gemütslage aber besonders treffend wieder.

Moses rettet seinen Trainer

Es wurde also nach dem verdienten Erfolg ein gelöster Trainer Keshi erwartet. Der kräftige Hüne aber trat mit ernster Miene vor die Presse. Er weiß, wie nah Triumph und Desaster im Fußball beieinander liegen, im letzten Vorrundenspiel gegen Äthiopien stand es bis zur 80. Minute 0:0. Hätte Stürmer Victor Moses nicht kurz vor Schluss noch zwei Elfmeter zu Toren genutzt, wäre das Team ausgeschieden und Keshi wohl noch im Stadion entlassen worden. Die Mechanismen der Branche gelten in Afrika mit besonderer Brutalität.

Keshi nutzte den Moment der Unkündbarkeit, um für seinen Berufsstand in der Heimat zu werben. "Ich widme diesen Erfolg allen nigerianischen Trainern", sagte er, "in Afrika geben sie dir heute einen Job und erwarten am nächsten Tag den WM-Titel. Das kann nicht funktionieren." Einheimische Trainer bräuchten Zeit für Erfolg, sie müsse ihnen nur gegeben werden.

Und überhaupt eine Chance. Von den 16 Nationen, die bei dem Turnier antraten, wurden nur sieben von Afrikanern trainiert. Bei der WM 2010 vertraute nur eine der sechs Nationen auf einen afrikanischen Übungsleiter. Keshi hat dieses Misstrauen am eigenen Leib gespürt. 2006 schaffte er als Trainer mit Togo die Qualifikation für die WM, wurde aber dann durch den Deutschen Otto Pfister ersetzt.

Wechselt Keshi in die Politik?

Er sei nicht generell gegen weiße Trainer, sagte Keshi vor einigen Tagen. "Aber keiner soll einen durchschnittlichen Trainer aus Europa holen und mir erzählen, er sei besser als ich." In Afrika gebe es viele ehemalige Spieler von hoher Qualität, sagte er, die Verbände aber würden ihnen keine Möglichkeiten geben. "Das gefällt mir nicht." Finalgegner Burkina Faso war von dem Belgier Pual Put betreut worden, im Vorjahr hatte der Franzose Herve Renard Sambia zum Titel geführt.

Schon vor dem Turnier hatte sich Keshi mit einflussreichen Zeitungen und Teilen des Verbands angelegt, als er anstelle einiger Altstars in Europa sechs Spieler der nigerianischen Liga nominierte. Einer von ihnen war Sunday Mba von Enugu Rangers, der am Sonntag das Siegtor erzielte (40. Minute). "Ein Traum wird wahr für mich", sagte der Torschütze, "ich stehe völlig unter Schock."

Das ließ sich über Keshi nicht behaupten, so kontrolliert erschien er an diesem Abend. "Ich habe dem nationalen Fußballverband gleich nach dem Finale mein Rücktrittsschreiben überreicht", sagte Keshi dem südafrikanischen Radiosender SABC. Eine Antwort habe der 51-Jährige, der Nigeria 1994 als Mannschaftskapitän zum Sieg beim Afrika-Cup geführt hatte, aber noch nicht erhalten.

Dabei hatte Keshi für sein Team gute Chancen für den Konföderationen-Pokal und die WM 2014 in Brasilien gesehen. Nun geht er vielleicht in die Politik. "Keshi muss überzeugt werden, sich von uns für ein öffentliches Amt aufstellen zu lassen", twitterte Mallam Nasir El-Rufai von der Oppositionspartei All Progressive Congress (APC), "ich würde ihn wählen."

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