05.02.13

Gegen Frankreich

Löw will Konkurrenzkampf weiter forcieren

Die vielen Absagen von Stammspielern sind für den Bundestrainer "ärgerlich, aber kein Rückschlag". Joachim Löw will am Mittwoch gegen Frankreich für den Ernstfall testen und einiges ausprobieren.

Quelle: SID
05.02.13 2:04 min.
Zahlreiche verletzte Spieler zwingen Löw vor dem ersten Länderspiel des Jahres gegen Frankreich zum Handeln. Seinem Stammtorhüter Manuel Neuer stärkte er demonstrativ den Rücken.

Blauer Schal, schwarze Armbanduhr, ein fröhliches Grinsen und dazu einen Espresso. Joachim Löw kommt am Dienstagvormittag mit bester Laune in Paris an. "Bonjour", sagt er zur Begrüßung. Der Bundestrainer der Fußball-Nationalmannschaft strahlt Vorfreude auf das Länderspiel gegen Frankreich am Mittwoch (21 Uhr, ARD und welt.de) aus. "Ich sehe die Partie als Härtetest. Die Franzosen haben in den vergangenen Monaten zu ihrer Stärke gefunden und gegen die großen Nationen gute Ergebnisse erzielt. Wir müssen eine absolute Topleistung abrufen, wenn wir ihnen auf Augenhöhe begegnen wollen", so Löw.

Was erwartet er sich von dem ersten Spiel in 2013? Und überhaupt von einem Jahr ohne Welt– und Europameisterschaft? Löw hofft auf "ein Jahr der Weiterentwicklung, einzelner Spieler und der Mannschaft." Und macht klar, dass sich kein Spieler zu sicher sein darf: "Der Konkurrenzkampf soll noch einmal forciert und gefördert werden." Das kann zu Reibereien führen, zu Debatten, zu Unruhe, doch dieses Risiko will Löw offensichtlich eingehen. Denn Konkurrenzkampf kann auch die letzten Prozent aus der Mannschaft kitzeln, die noch fehlen zu einem Titel.

Die Mannschaft habe in den vergangenen Jahren eine eigene Identität aufgebaut, er und sein Trainerteam hätten aber auch Fehler und Schwächen erkannt, erklärt Löw. "Wir wollen die richtige Balance zwischen einer kreativen Offensivabteilung und der Stabilität in der Defensive finden." Dass bei der USA-Reise im Mai viele Spieler fehlen würden, sofern der FC Bayern München und/oder Borussia Dortmund das Finale der Champions League erreichen sollten, sei für ihn kein Problem. "Das ist dann die Chance für andere, sich zu zeigen. Für den Reifeprozess der jungen Spieler ist es sehr wichtig, so lang es geht in der Champions League dabei zu sein." Jetzt gilt die Konzentration erst einmal Frankreich.

Für den Ernstfall testen

Am Montag waren nur zwölf Spieler auf dem Trainingsplatz, der Rest der Mannschaft trainierte regenerativ. Mats Hummels, Lukas Podolski, Sami Khedira und Lars Bender sind angeschlagen, können aber aller Voraussicht nach spielen.

Bastian Schweinsteiger, Marco Reus, Marcel Schmelzer, Mario Götze und Miroslav Klose haben verletzt oder krank abgesagt. Löw hat Sven Bender nachnominiert, mit allen telefoniert und Rücksprache mit den Ärzten gehalten. "Die Absagen sind ärgerlich, aber kein Rückschlag. Wir können jetzt beweisen, dass wir mehr als elf gute Spieler haben", sagt der Bundestrainer. Es sei wichtig, für den Ernstfall zu testen und zu experimentieren. Ziel sei es ja, einen Kader zusammenzustellen, "in dem jeden Position doppelt besetzt ist."

Auf der Torhüter-Position hat genau das zu einer Diskussion geführt. Löw wird Stammtorwart Manuel Neuer gegen Frankreich nicht spielen lassen. Der Profi des FC Bayern äußerte öffentlich seinen Unmut über die Entscheidung des Bundestrainers, Rene Adler vom Hamburger SV eine Chance zu geben. Fans und Medien fragen nun: Entwickelt sich vor der WM 2014 ein verbissener Kampf der Torhüter wie vor der WM 2006 zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann?

Lahm gegen Ribery

Löw gibt Entwarnung. "Wir sehen das völlig entspannt. Wir haben im Vorfeld mit Manuel gesprochen und gesagt, dass es auch unsere Aufgabe ist, Alternativen zu schaffen. Rene Adler hat hervorragende Leistungen gezeigt. Manuel stellt unangefochten die Nummer eins dar, und das bleibt so. Er wollte gern spielen, etwas andere hätte mich gewundert. Er hat das so zu akzeptieren." Kapitän Philipp Lahm hat den Eindruck, dass Neuer dies tut. "Er unterstützt diejenigen, die spielen", sagt der Verteidiger.

Lahm wird am Mittwoch im Stade des France auf seinen Klubkollegen Franck Ribery treffen. Ein Duell, das spielentscheidend sein könnte. "Unsere Bilanz gegen Frankreich ist nicht so positiv, wir wollen gewinnen. Franck ist ein sensationeller Fußballer. Es wird eine schwierige Aufgabe, auf die ich mich freue", so Lahm.

Löw nickt zustimmend. Auch die provokante Frage eines französischen Reporters bringt ihn nicht aus der Ruhe. Die französischen Nationalspieler seien in der Vergangenheit oft als "romantische Verlierer" bezeichnet worden, weil sie in weniger wichtigen Parten gut spielten, aber keinen Titel gewannen. Ob Löw eine Parallele zu seiner Mannschaft sehe. Der Bundestrainer schmunzelt und überlegt, lässt die Frage wiederholen, dann sagt er: "Wir haben bei der EM die jüngste Mannschaft gehabt. Sie hat unheimliche Fortschritte gemacht und die beste Zeit noch vor sich."

Am Mittwochabend in Paris und in den weiteren Partien in diesem Jahr gilt es, dies zu beweisen.

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