05.02.13

Länderspiel

Franck Ribery will es den Franzosen endlich zeigen

Bei den Bayern ist Franck Ribery ein Star, um sein Image im eigenen Land kämpft er noch immer. Ein Sieg gegen die Deutschen könnte das ändern

Von Julien Wolff
Quelle: SID
05.02.13 2:04 min.
Zahlreiche verletzte Spieler zwingen Löw vor dem ersten Länderspiel des Jahres gegen Frankreich zum Handeln. Seinem Stammtorhüter Manuel Neuer stärkte er demonstrativ den Rücken.

Der Problemfall lief schneller als jeder Fußballprofi und trug ein Halsband in Rosa. Oito hieß die Hündin, die ein obdachloser Franzose kürzlich am Trainingsgelände des FC Bayern München ausgesetzt hatte. Eine lilafarbene Jacke hatte er seinem Tier übergezogen, und darin einen Brief für seinen Landsmann Franck Ribery gesteckt.

"Lieber Franck, ich weiß nicht mehr, an wen ich mich wenden soll", schrieb der Mann und fragte, ob der Star des deutschen Fußball-Rekordmeisters die Hündin aufnehmen oder einem Tierfreund geben könne. Alle würden Oito für einen Kampfhund halten, weil sie zu der in Bayern als gefährlich eingestuften Rasse der Staffordshire-Terrier gehöre, dabei sei sie ganz lieb und verspielt. Und als wollte Oito dies beweisen, lief sie gleich auf den Rasen und sorgte für eine Trainingsunterbrechung.

Ribery soll es richten. Nicht nur in diesem Fall ist der Offensivprofi ein Hoffnungsträger. Gerade die, denen es schlecht geht, blicken zu ihm auf. Er hat es von den Straßen seiner Heimatstadt Boulogne-sur-Mer im Norden Frankreichs zu einem der besten Spieler Europas geschafft.

Zum wichtigsten Offensivspieler der Münchner. Manche sagen, zu einem der besten Welt. Ribery will mit Titeln beweisen, dass sie recht haben. Vor allem den Menschen in seiner Heimat. Er wird im April 30, ein gutes Alter für Fußballspieler. Einerseits. Andererseits ein Alter, in dem für die großen Erfolge nicht mehr viel Zeit bleibt.

Vorbild für die Jugend

Mittwochabend (21 Uhr, ARD) spielt Ribery mit Frankreich im Länderspiel in Paris gegen Deutschland, er trifft auf nahezu alle Leistungsträger seines Klubs: Philipp Lahm, Toni Kroos, Thomas Müller, Mario Gomez. Für Spaßvogel Ribery ist die Partie allerdings mehr als die Gelegenheit, seine Münchner Kollegen mit Beinschüssen oder Toren zu ärgern. Für ihn geht es wieder einmal um Anerkennung in Frankreich. Darum kämpft er seit Jahren, die vergangenen Runden hat Ribery für sich entschieden, doch der Kampf ist nicht beendet.

Für die Jugendlichen aus den Hochhaussiedlungen der Vorstädte ist er ein Vorbild. Vom Tellerwäscher zum Millionär, diesen Traum lebt Ribery. Er ist reich und berühmt und den Jugendlichen seiner Heimat trotzdem immer noch so nah: Er hört Hip-Hop, er trägt Kapuzenpullover und diese raue Kurzhaarfrisur, wie sie.

Medien und Experten in Frankreich hingegen fordern bei aller Wertschätzung den Beweis, dass der Ballkünstler für ihr Land konstant so gut spielen kann wie für den FC Bayern. Nationaltrainer Didier Deschamps hat für die Diskrepanz eine Erklärung: "Bei den Bayern hat er permanentes Vertrauen. Die haben ihn selbst in den schwierigsten persönlichen Situationen unterstützt. In Frankreich hat er die WM in Südafrika erleben müssen, diese Affäre mit dem Trainingsboykott."

"So gut wie nie"

Im Klub war Ribery zuletzt oft nahe an der Perfektion: bester Spieler der Hinrunde, sieben Vorlagen, vier Tore. Trainer Jupp Heynckes lobt, der Franzose spiele noch mannschaftsdienlicher als früher und tue viel für die Defensive. "Ich bin so gut wie nie", sagt Ribery. Sein Land kriegt derzeit kein Lob. Schuldenkrise, Steuerdiskussion, Wirtschaftsflaute – Frankreich hat viele Probleme. Ein Sieg über den Nachbarn ist auch in dem Freundschaftsspiel wichtig. "Es geht ums Prestige", so Deschamps.

Er setzt auf Ribery als Routinier in einer jungen Mannschaft, der Bayern-Star soll sie als Führungsspieler durch die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien führen. "Er reift. Ich möchte nicht auf ihn verzichten. Ich habe nicht viele Spieler, die die Champions League gewinnen können und gewinnen wollen", sagt Frankreichs Trainer.

Doch derzeit holt Ribery die Vergangenheit ein. Berichten aus Frankreich zufolge muss er sich im Juni in seiner Heimat wegen Sex mit einer Minderjährigen vor Gericht verantworten. Ribery hatte 2009 mit dem damals 17-jährigem Model Zahia Dehar geschlafen. Und in Deutschland kam kürzlich seit langem mal wieder der Rüpel in ihm durch.

Im Pokalachtelfinale gegen Augsburg (2:0) sah er nach einer Ohrfeige gegen Ja-Chaeol Koo die Rote Karte, er ist für das Viertelfinale gegen den großen Rivalen Dortmund am 27. Februar gesperrt. Ribery bereut die Aktion, sagt aber auch: "Emotionen gehören dazu, mit ihnen habe ich es nach oben geschafft."

Heynkes als väterlichen Freund

Lange war es sein Ziel, einmal die Wahl zu Europas Fußballer des Jahres zu gewinnen. Oder sogar die Wahl zum Weltfußballer. Inzwischen ist ihm das nicht mehr wichtig, sagt er. Er spricht oft mit Eric Abidal, seinem Auswahlkollegen vom FC Barcelona. Der schwärmt von Lionel Messi, aber Ribery schaut nicht mehr sehnsüchtig auf die Auszeichnung der Superstars.

Ribery ist Ribery, und das ist gut so. Kollegen aus der Bundesliga haben ihm erzählt, wie sehr ihre Trainer vor Spielen gegen die Bayern vor ihm warnen. Das macht Ribery stolz. Er habe in den vergangenen Jahren viele Erfahrungen gesammelt und könne seine Fähigkeiten noch besser einbringen, sagt er.

Und dann ist da Jupp Heynckes. Mit beinahe väterlicher Geduld und Nachsicht kümmert er sich um Ribery, fragt ihn oft, wie er sich fühlt und ob die Belastung im Training an diesem Tag die richtige für ihn ist. Louis van Gaal, Heynckes' Vorgänger, hatte Ribery am Ende höchstens gefragt, warum er nicht besser spiele.

Ribery bleibt dem FC Bayern treu

Es gibt wenige Spieler, die nach Jahren in der Bundesliga immer noch so faszinieren. Arjen Robben hat (auch wegen Verletzungen) an Glanz verloren, Stars wie Raul sind wieder weg. Ribery ist gekommen, um zu bleiben. In den vergangenen Jahren schlug er unter anderem Angebote von Real Madrid und dem FC Chelsea aus. "Ich denke immer öfter darüber nach, beim FC Bayern meine Karriere zu beenden", sagt er.

Er ist bodenständiger und ruhiger als zu seiner Anfangszeit in München, aber nicht langweilig. Wenn er im Training mit einem Pass oder einer Abseitsentscheidung nicht zufrieden ist, brüllt er schon mal. Mit seiner tiefen Stimme, der wilden Gestik und der Narbe im Gesicht erinnert er dann an einen Gangsterrapper. Nach den Einheiten bewirft er seine Kollegen aus Spaß mit nassen Stutzen. Für einen Bad Boy ist er viel zu albern.

Vielleicht fasziniert Ribery so, weil er manchmal wie ein Kindskopf wirkt und doch viel mehr ist. Im Klub kennen sie ihn inzwischen sehr gut. Und wissen, dass hinter der harten Fassade ein sehr sensibler und herzlicher Kern steckt. Wie bei der ausgesetzten Hündin.

Ribery hat sie wegen der Vorschriften nicht aufgenommen, Oito lebt jetzt erst mal im Tierheim. Einer der Pfleger ist Fußballfan und hat das Tier umgetauft. Der neue Name des Vierbeiners: Wahiba. So heißt Riberys Frau.

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