06.02.13

Thomas Müller

"Wir müssen schönes Spiel und Erfolg kombinieren"

Bayern-Star Thomas Müller spricht im Berliner Morgenpost-Interview über die herausragende Saison der Bayern, die Perspektiven der Nationalmannschaft – und über seinen neuen Trainer Pep Guardiola.

Foto: Oliver Lang/dapd

Thomas Müller mit seiner Ehefrau Frau Lisa beim Spaziergang
Thomas Müller mit seiner Ehefrau Frau Lisa beim Spaziergang

Bei den Müllers läuft's einfach. Thomas ist mit elf Toren und acht Vorlagen der gefährlichste Spieler der Fußball-Bundesliga und mit dem FC Bayern souveräner Tabellenführer, seine Frau Lisa im Pferdesport erfolgreich. Mittwoch (21 Uhr, ARD und welt.de) absolviert der 23-jährige Profi gegen Frankreich sein 37. Länderspiel.

Berliner Morgenpost: Herr Müller, Sie wirken auf dem Spielfeld derzeit sehr ausgeschlafen. Dabei steht Ihre Frau Lisa immer sehr früh auf, um zeitig bei Ihren Pferden im Stall zu sein. Mit Ausschlafen ist da nicht viel, oder?

Thomas Müller: Meist ist sie um 8 Uhr im Stall. Aber ich fahre ja nicht mit. Wenn bei uns um 7 Uhr der Wecker klingelt, schlafe ich um 7.05 schon wieder (lacht). Ich habe mir das ganz gut antrainiert.

Berliner Morgenpost: Helfen Sie nach Ihren Trainingseinheiten ab und zu im Stall?

Müller: Helfen kann man das nicht nennen. Ich schaue meiner Frau bei der Arbeit mit den Pferden zu und achte drauf, dass ich nicht im Weg rumstehe. Und ab und zu betreue ich die Tiere ein bisschen, ich füttere sie zum Beispiel mit Karotten und Äpfeln.

Berliner Morgenpost: Die Pferde fressen Ihnen aus der Hand?

Müller: Klar!

Berliner Morgenpost: Misten Sie auch aus?

Müller: Nein, zum Glück nicht. Da würde ich ja nur mehr kaputt machen als behilflich sein (lacht). Ich bleibe hauptberuflich lieber beim Fußball.

Berliner Morgenpost: Warum läuft es bei Ihnen und den Bayern derzeit so gut?

Müller: Die Mannschaft tritt in dieser Saison noch geschlossener auf. Wir haben den Willen, viel zu erreichen, und das macht sich bei jedem in seiner individuellen Leistung bemerkbar. Ich bin verbissen, zielgerichtet und kriege die Bälle gut aufgelegt.

Berliner Morgenpost: In der vergangenen Saison hatten Sie phasenweise mit sich gehadert, weil Sie weniger Tore schossen.

Müller: Da war ich in einigen Szenen mal einen Schritt zu spät, vielleicht, weil ich mir zu viele Gedanken gemacht habe. Aber das ist Vergangenheit.

Berliner Morgenpost: Wer kann den FC Bayern auf dem Weg zur Meisterschaft überhaupt stoppen?

Müller: Die Spannung in der Bundesliga ist raus. Und wenn es nach uns geht, bleibt sie auch draußen. Unsere Ausgangsituation ist komfortabel. Die Verfolger kommen nur ran, wenn wir uns eine Schwächephase erlauben. Das tun wird dieses Jahr aber nicht. Es gibt keinen Grund, nachzulassen. Wir sind nicht überheblich und werden es auch nicht.

Berliner Morgenpost: Theoretisch können Sie und Ihre Kollegen schon Ostern Meister sein.

Müller: Wann ist dieses Jahr Ostern?

Berliner Morgenpost: Am letzten März-Wochenende.

Müller: Das ist auf jeden Fall ein Ziel. Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Wenn wir dann Ostern nicht mehr von Platz eins zu verdrängen sind, wäre das super. Wir wollen das Jahr der zweiten Plätze vergessen machen.

Berliner Morgenpost: Das Gerede um den künftigen Bayerntrainer Pep Guardiola lenkt die Mannschaft bislang offenbar nicht ab.

Müller: Nein, das ist bei uns kein großes Thema. Für die Bundesliga ist das ein sensationeller Transfer, daher verstehe ich, dass viele darüber sprechen. Aber was bringt es mir, wenn ich jetzt an die Zeit ab Juli denke? Viel erfolgreicher als jetzt können wir nicht dastehen, unser Trainer Jupp Heynckes ist für unsere gute Ausgangslage der Hauptverantwortliche.

Berliner Morgenpost: Sehen Sie sich denn mehr Spiele des FC Barcelona an als vor der Guardiola-Verpflichtung?

Müller: Guardiola trainiert Barcelona nicht mehr.

Berliner Morgenpost: Stimmt, aber er hat die Mannschaft entwickelt.

Müller: Ab und zu schaue ich mir schon Spiele an, das habe ich vorher aber auch getan. Wie gesagt: Da beschäftigen wir uns ab Sommer mit.

Berliner Morgenpost: Sie sind Stammspieler, andere wie Mario Gomez und Arjen Robben bleibt nur die Ersatzbank. Können Sie nachvollziehen, dass die Reservisten unzufrieden sind?

Müller: Ja. In der vergangenen Saison saß ich im Halbfinale der Champions League und im DFB-Pokal-Halbfinale draußen. Glücklich ist man da nicht, das ist keine leichte Situation. Jeder darf sich dann auch ärgern, muss aber positiv bleiben. Wir sind Profis und verdienen mit dem Sport hier unser Geld. Deswegen dürfen wir keine Unruhe aufkommen lassen, die den Erfolg gefährden könnte.

Berliner Morgenpost: Am Mittwoch treffen Sie im gegen Frankreich Spiel mit der Nationalmannschaft auf Ihren Teamkollegen Franck Ribery, der in der Bayern-Kabine gern nasse Stutzen auf Mitspieler schmeißt.

Müller: Einige bombardiert er damit gern, aber ich bin schon lange hier, bei mir...

Berliner Morgenpost: ....traut er sich nicht?

Müller: Genau, weil ich so ein Schrank bin (lacht). Franck und ich machen eher Sprüche.

Berliner Morgenpost: Er war in der Hinrunde einer der besten, wenn nicht der beste Spieler der Bundesliga. Wie können Sie ihn am Mittwoch stoppen?

Müller: Philipp Lahm und ich werden einiges zu tun haben. Wir kennen Franck lang genug uns wissen, wie wir gegen ihn verteidigen müssen. Wir wissen aber auch, dass er nie ganz auszuschalten ist.

Berliner Morgenpost: Was ist für die Nationalmannschaft in diesem Jahr ohne Turnier die Herausforderung?

Müller: Wir wollen uns so früh wie möglich für die Weltmeisterschaft 2014 qualifizieren, um nicht bis zum letzten Spiel zittern zu müssen.

Berliner Morgenpost: Deutschland führt die Gruppe C an, es sieht auch hier nach einem Durchmarsch aus.

Müller: Das 4:4 gegen Schweden hat uns gezeigt, dass wir nicht nachlässig werden dürfen und noch Arbeit vor uns haben.

Berliner Morgenpost: Dieses Spiel lässt Sie bis heute nicht los?

Müller: Ich denke nicht jeden Tag dran, aber bezüglich möglicher Überheblichkeit dient es als abschreckendes Beispiel.

Berliner Morgenpost: Wie nach dem EM-Aus gegen Italien gab es nach dem Schweden-Spiel harte Kritik an der Nationalmannschaft. Ist Sie noch nicht bereit für einen Titel?

Müller: In unserem Geschäft gibt es eben oft nur Schwarz oder Weiß. Erst wurden wir quasi zum Titel gedrängt, danach haben viele heftig auf uns draufgehauen. Dabei hat keiner von uns hat je gesagt: 'Wir sind die Größten.' Wir zählen uns zur internationalen Spitze und haben das Ziel, Erfolg zu haben. Doch Fußball ist in keinster Weise planbar.

Berliner Morgenpost: Was muss die Mannschaft besser machen?

Müller: Wir müssen in Zukunft in den entscheidenden Spielen da sein. Sie gewinnen, egal wie, ob mit Glück oder ohne. Wir müssen erfolgreich sein, denn nur Erfolge bleiben im Kopf. Ein schönes Spiel ohne Sieg nicht. Das müssen wir kombinieren, das schöne Spiel und den Sieg.

Berliner Morgenpost: Sie haben Ihren Spielstil mal als "komisch" beschrieben.

Müller: Ich bin halt nicht Ribery, der einfach drei Gegenspieler aussteigen lässt. Ich nehme es auch mal mit dreien auf, muss dann aber Doppelpass mit ihren Schienbeinen spielen, um da durchzukommen (lacht). Ich kenne meine Fähigkeiten, es ist nicht so, dass ich keinen Fußball spielen kann. Meine Spielweise ist lediglich nicht so attraktiv wie die von anderen. Aber das ist kein Problem, darüber definiere ich mich nicht.

Berliner Morgenpost: Sondern?

Müller: Ich definiere mich über den Erfolgsgedanken.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Bei den Lohnverhandlungen gab es eine Einigung bei den BVG
15:55Lohnverhandlungen
Beschäftigte werden an Erfolg der BVG beteiligt

Die Löhne der BVG-Beschäftigten sollen in drei Schritten bis 2015 erhöht werden. Das ist das Ergebnis der Tarifverhandlungen. Außerdem gibt es eine Erfolgsbeteiligung. Ein Streik ist abgewendet. mehr...


Tiger Lampun ist ein beeindruckender Bewohner des Tierparks. Doch auch die Tierhaltung macht dort Probleme
18:13Friedrichsfelde
Viele Tiere sollen aus dem Tierpark weichen - damit er bleibt

Grünen-Politikerin Claudia Hämmerling will den Tierpark in Friedrichsfelde verkleinern. Sie bringt Bewegung in die Debatte um die Zukunft des Hauses. Das wird auch Zeit: Mitarbeiter wollen streiken. mehr...


In einem Zug der Berliner S-Bahn beleidigten Männer andere Bahnreisende mit fremdenfeindlichen Bemerkungen
18:49Gewalt in Berlin
Männer beleidigen Bahnfahrer und werfen Flaschen

Ein 27-Jähriger und ein 30-Jähriger randalierten auf dem S-Bahnhof Humboldthain und warfen Flaschen auf eine Gruppe Punks. Die Polizei nahm die Männer fest - sie sind bereits einschlägig bekannt. mehr...


An der Fleischtheke eines Supermarktes starb der 82 Jahre alte Marcel M.
14:55Mord an Fleischtheke
Mutmaßlicher Messerstecher – Hausmeister fühlte sich bedroht

Marcel M. starb mit 82 Jahren, nachdem er an der Fleischtheke niedergestochen wurde. Den mutmaßlichen Täter kennen die meisten Nachbarn nicht, ein Hausmeister erinnert sich aber an eine Begegnung. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Oklahoma Wiedersehen nach dem schweren Tornado
Umzug Karneval der Kulturen 2013 - Berlin ist bunt
US-Kongress Apple verteidigt Steuersparmodell
Xbox One Microsoft stellt neue Spielkonsole vor
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote