03.02.13

Fußball

Warum Marco Reus nichts von Leitwölfen hält

Für BVB-Jungstar Marco Reus sind die Zeiten von Spielern wie Effenberg vorbei. Er bevorzugt flache Hierarchien - und lobt Routinier Kehl.

Von Oliver Müller
Foto: picture alliance / augenklick/fi

Fußballer 2.0: Dortmunds Nationalspieler Marco Reus ist jung und unerschrocken
Fußballer 2.0: Dortmunds Nationalspieler Marco Reus ist jung und unerschrocken

Marco Reus (23) ist Deutschlands In-Fußballer schlechthin. Der Spieler des Jahres 2012 hat Nationalelf und Champions League erobert, mit seinem Vereinskollegen Mario Götze düpiert er die Gegner an manchen Tagen wie auf der Playstation. Morgenpost-Mitarbeiter Oliver Müller traf Reus vor dem Spitzenspiel von Borussia Dortmund heute in Leverkusen.

Berliner Morgenpost: Sie waren gerade auf der internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg. Wie war's?

Marco Reus: Super. Ich habe einige Sachen wieder entdeckt, mit denen ich früher selbst gespielt habe. Speziell Spielzeugautos haben es mir angetan. Als Kind hatte ich unheimlich viele davon. Jetzt habe ich für einen Werbepartner sogar daran mitgewirkt, ein eigenes Spielzeugauto zu entwickeln.

Ihr Vater hat mal gesagt, Ordnung sei früher nicht gerade Ihre Stärke gewesen. Wer musste damals Ihr Kinderzimmer aufräumen? Ihre beiden älteren Schwestern oder Ihre Mutter?

Eher meine Mutter. Aber es stimmt: Früher ist es mir schwer gefallen, Ordnung zu halten. Mittlerweile hab ich es aber einigermaßen verinnerlicht.

Seit dieser Saison sind Sie wieder in Dortmund, Ihrer Heimatstadt. Haben Sie sich schon wieder richtig eingelebt?

Ja, aber auch als ich in Mönchengladbach spielte, war ich an den freien Tagen immer hier. Entweder bei meiner Familie oder bei Freunden, zu denen der Kontakt nie abgerissen ist. Zu Gladbacher Zeiten hatte ich sogar noch eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung im Dortmunder Haus meiner Eltern. Jetzt habe ich natürlich eine eigene Wohnung.

Mit Mario Götze sind Sie gut befreundet, Kevin Großkreutz kannten Sie aus Ihrer gemeinsamen Zeit bei Rot-Weiss Ahlen. Fällt es leichter, guten Fußball zu spielen, wenn man sich kennt und schätzt?

Es ist schon hilfreich, wenn du auch abseits des Platzes viel mit deinen Mitspielern sprichst. Dadurch bekommt man Hinweise, gewinnt an Sicherheit. Aber in Dortmund ist es generell so, dass einem neuen Spieler geholfen wird. Es herrscht einfach eine sehr gute Atmosphäre in der Mannschaft.

Haben Sie, nachdem Sie 2005 aus der BVB-Jugend nach Ahlen gewechselt sind, auch mal gezweifelt, ob Sie noch eine ganz große Bundesligakarriere machen können?

Damals waren Kevin Großkreutz, der mit mir in Ahlen gespielt hat, und ich noch sehr jung. Wir sind oft mit dem Regionalexpress von Dortmund nach Ahlen zum Training gefahren, haben uns dabei natürlich über alles Mögliche unterhalten. Als Kevin 2009 zum BVB zurückgekehrt ist, habe ich mich für ihn sehr gefreut. Weil ich wusste, wie sehr er diesen Verein lebt. Im gleichen Jahr bin ich dann nach Gladbach gegangen. Jetzt spielen wir wieder zusammen und reden oft darüber, wie schnell sich im Fußball das Blatt wenden kann.

Warum ist der Abstand in der Tabelle zu den Bayern so groß?

Wir haben in mehreren Spielen nicht das an den Tag gelegt, was uns stark gemacht hat. Wir haben zu viele Fehler gemacht. Aber wir haben das analysiert und durch die beiden Siege zum Rückrundenstart gezeigt, dass wir stabiler geworden sind.

Wie gelangen dem BVB derartig souveräne Vorstellungen in der Champions League, nachdem er im Vorjahr schon früh gescheitert war?

Ich glaube, dass die Erfahrungen der vergangenen Saison für alle hier sehr hilfreich waren. Für die Spieler war die Champions League Neuland. Sie haben aus dem Vorrunden-Aus ihre Lehren gezogen. Dann wurden sie wieder Deutscher Meister und sogar Pokalsieger. Dadurch sind wir beim BVB vielleicht noch selbstbewusster in die neue Champions-League-Saison gegangen, wollten es partout allen zeigen. Wir haben bewiesen, dass wir Berge versetzen können, wenn wir als Team funktionieren. Wir haben uns mit dem Gruppensieg vor Real Madrid und Manchester City belohnt. Aber sonst haben wir noch nichts erreicht. Wir sind nicht am Ende unserer Entwicklung, uns unterlaufen immer noch Fehler. Wir lernen daraus.

Mittlerweile trauen renommierte Trainer wie Jose Mourinho und Alex Ferguson dem BVB sogar den Gewinn der Champions League zu.

(lacht) Ja klar, wir marschieren jetzt total locker da durch: Wer ist schon Barca, wer ist Real? Aber mal im Ernst: Wir wissen doch, wie das läuft. Diese Trainer werden halt gefragt, was sie von uns halten. Und vielleicht wollte der eine oder andere dann mal einen Spruch raushauen. Das gehört zum Fußball. Aber es brächte uns gar nichts, wenn wir uns damit beschäftigen würden. Es zählt nur der Moment, in dem ein Spiel angepfiffen wird. Danach entscheidet sich alles auf dem Platz.

Hatten Sie Bedenken, dass wegen der guten Perspektiven in der Champions League und im DFB-Pokal die Motivation in der Bundesliga etwas nachlassen könnte?

Nein. Ich hasse es, am Tag nach einer Niederlage aufzustehen. Es ist das Schlimmste überhaupt, dann zum Training fahren zu müssen und in die anderen traurigen Gesichter zu schauen. Und es ist die größte Motivation überhaupt, nach einem gewonnenen Spiel am anderen Morgen die Teamkollegen zu sehen und die Freude zu genießen. Das hat nichts mit der Tabellensituation zu tun.

Leverkusen spielt eine starke Saison. Gibt es am Sonntag einen Leckerbissen?

Das könnte gut sein. Die Leverkusener haben sich in dieser Saison toll entwickelt. Im Hinspiel haben wir sie zwar 3:0 geschlagen, da haben sie keinen Stein auf den anderen bekommen. Aber danach hat Bayer eine Menge verändert. Das ist ein starkes Team, es ist gefestigt und steht zu Recht da oben.

Ist Schürrle der Schwachpunkt?

(lacht) Ja, der ist einfach viel zu langsam.

Sie waren zusammen mit Andre Schürrle in Dubai im Urlaub. War das Spiel da schon ein Thema?

Nein, überhaupt nicht. Da ging es nur darum, sich zu erholen. Aber in den letzten Tagen haben wir schon die eine oder andere SMS geschrieben.

Ausgerechnet mit zwei Spielern, mit denen Sie in der Nationalelf in Konkurrenz stehen, sind Sie gut befreundet. Sehen Sie sich nicht als Konkurrent von Schürrle und Mario Götze?

Ich sehe das wirklich nicht so. Natürlich will jeder spielen. Deshalb geben wir im Training Gas und versuchen uns anzubieten. Aber trotzdem haben wir einen guten Draht, sprechen oft und gern miteinander. Außerdem steigt die Qualität, wenn sich das Leistungsniveau der Mitspieler erhöht.

Schauen Sie und Götze sich im Training auch mal etwas voneinander ab?

Jeder arbeitet jeden Tag an seinen Schwächen. Ich feile beispielsweise an meiner Technik, an der Ballannahme und -mitnahme. Auch meine Freistöße waren in der Hinrunde nicht superperfekt, daran arbeite ich jetzt. Den perfekten Spieler gibt es nicht, aber Mario ist schon ein sehr starker. Obwohl er erst 20 ist, macht er viele Sachen technisch und intuitiv richtig perfekt. Er ist ungeheuer spielintelligent. Aber das kann man nicht lernen.

Trotz vieler hoch talentierter Spieler, gibt es immer wieder eine Debatte, ob im deutschen Fußball nicht Leitwölfe fehlen. Was meinen Sie dazu?

Von der These, dass jedes Team einen Leitwolf braucht, der dazwischenhaut, halte ich nicht viel. Früher war das vielleicht so, zu Zeiten eines Stefan Effenberg oder Michael Ballack. Natürlich tut es einem jungem Spieler gut, wenn ein erfahrener Mann da ist, der ihm in bestimmten Situationen Mut zuspricht, ihn beruhigt und von persönlichen Erfahrungen berichtet. Sebastian Kehl macht das bei uns in Dortmund beispielsweise. Aber einen Obermacker brauchen wir nicht. Alle Spieler sollten Verantwortung übernehmen.

Noch mal zurück zu Ihrem Spieltrieb: Womit spielen Sie eigentlich noch außer mit Fußbällen und Autos?

Ich spiele alles gerne: Tennis, Tischtennis, Basketball. Ich würde auch gerne auf der Playstation mal gegen Mario Götze Fußball spielen. Doch ich bevorzuge "Fifa 13", und er besteht auf "Pro Evolution Soccer". So kommen wir leider nicht zusammen.

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