31.01.13

Hamburger SV

Rafael van der Vaart trifft auch mit dem Pfeil

Mit einem Abstecher zum Darts stimmt sich der HSV auf die Bundesliga ein. Besonders zielsicher: Rafael van der Vaart. Im Team mit einem Dartprofi bewies er: Niederländer können auch Finals gewinnen.

Von Achim Leoni
Foto: dapd

Vier HSV-Spieler auf Abwegen: Hamburgs Torwart Rene Adler (oben v.l.), Rafael van der Vaart, Dennis Aogo (unten l.) und Maximilian Beister versuchen sich beim Dart
Vier HSV-Spieler auf Abwegen: Hamburgs Torwart Rene Adler (oben v.l.), Rafael van der Vaart, Dennis Aogo (unten l.) und Maximilian Beister versuchen sich beim Dart

Hat der HSV nicht sogar mal den Europapokal gewonnen? Durch ein Tor von Felix Magath? Diese Fragen sollte man in Hamburg eigentlich nicht stellen, schon gar nicht, wenn man sich gerade in den Geschäftsräumen des HSV befindet. Aber die Zeiten, in denen Raymond van Barneveld den Fußball intensiv verfolgen konnte, sind nun mal lange vorbei.

Der Niederländer hat selbst an jedem Wochenende große Auftritte. Barneveld, 45, ist einer der besten Dartspieler der Welt, fünfmal hat er den WM-Titel gewonnen. Für einen wie ihn ist ein Schaukampf wie der an diesem Donnerstagnachmittag in der Imtech-Arena eine Kleinigkeit.

Was van Barneveld auch nicht wusste: Der HSV hat eine Dart-Abteilung, sogar eine Mannschaft in der Bundesliga, doch für deren Spieler hätte es wohl kaum einen solchen Auflauf an Reportern und Kameras gegeben. Die sind gekommen, um Barneveld an der Seite von Fußballstar Rafael van der Vaart Pfeile werfen zu sehen. Die Aktion mit je vier HSV- und Dartprofis sollte ein bisschen Werbung machen für den Teamweltcup, der am Wochenende zum zweiten Mal in Hamburg ausgetragen wird.

Dabei scheint sie kaum nötig zu sein. Die Freitagabendveranstaltung ist mit 1900 Eintrittskarten bereits ausverkauft. Auch für die Folgetage ist die Nachfrage so groß, dass die Kapazität der Sporthalle kurzfristig erweitert wurde. "Die Events werden von Jahr zu Jahr größer", sagt Sebastian Mayer. Seit 2006 organisiert er für die Professional Darts Corporation (PDC) Europe Turniere in Deutschland. Angefangen hat es mit einem kleinen Turnier in München. Inzwischen gibt es eine ganze Serie, die sich über Standorte in allen Landesteilen erstreckt.

Ein kleiner Mann mit großem Bauch

Zu verdanken hat der Sport seine Popularität hierzulande dem Fernsehen. Bis zu eine Million Zuschauer haben zum Jahreswechsel bei Sport1 gesehen, wie Phil "The Power" Taylor zum 16. Mal Weltmeister wurde. Er ist die Legende dieses Sports, ein kleiner Mann mit großem Bauch, tätowierten Unterarmen und dem Schalk im etwas schiefen Nacken.

Die Karriere des Engländers steht vorbildhaft für viele in diesem Sport. Sohn eines Bauarbeiters und einer Kassiererin, verließ Taylor mit 16 die Schule und verdingte sich als Gelegenheitsarbeiter, ehe sein Talent durch Zufall in einem Pub entdeckt wurde. Inzwischen ist er 52 Jahre alt und 14-facher Preisgeldmillionär. Er hat ein Haus auf Teneriffa und eine eigene Köchin, die ihm auf seinen Reisen sportgerechtes Essen serviert.

Denn dass sie einen ernst zu nehmenden Sport und keinen Kneipenspaß ausüben, darauf legen die Spieler Wert. Die Profis in England und den Niederlanden, wo Dart am populärsten ist, trainieren fünf Stunden oder mehr am Tag. Bei Turnieren müssen sie höchste Konzentrationsleistungen bringen, während um sie herum Bierzeltstimmung tobt. "Wenn Sie den Sport nicht professionell betreiben, können Sie unter solchen Umständen nicht den entscheidenden Treffer setzen", sagt Mayer.

Legende Taylor lobt einen Deutschen

Das sei es auch, was die deutschen Dartspieler von der Weltspitze trennt. Andree Welge, einer von zwei WM-Teilnehmern, arbeitet in einem Kraftwerk. Max Hopp könnte der Erste sein, der den Durchbruch schafft. Über den 16-Jährigen sagt Taylor: "Er ist der einzige junge Spieler, den ich sponsern würde." Bei der WM schaffte es Hopp immerhin in die zweite Runde.

Mayer hofft, dass Hopp einmal "der Boris Becker des Dartsports wird. So einen brauchen wir mal, um richtig groß rauszukommen." Die Niederländer haben ihren neuen Star bereits: Michael van Gerwen, 22, musste sich bei der WM nur Taylors Power beugen.

Beim Showturnier am Donnerstag reichte es mit HSV-Torwart Rene Adler nicht zum Sieg. Der ging an van Barneveld und van der Vaart (womit nebenbei bewiesen wäre, dass Niederländer auch Finals gewinnen können). Einen Tipp gab van Barneveld seinem Landsmann noch mit auf den Weg: "Wenn du jeden Tag Elfmeter übst, verschießt du nie wieder einen."

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