29.01.13

Transfer-Ticker

Holtby schon vor erstem Einsatz für Tottenham

So schnell kann es gehen: Am Samstag noch für Schalke am Ball, darf der Nationalspieler am Mittwoch mit seinem Debüt für Tottenham rechnen. Derweil macht sein Ex-Klub den Transfer von Bastos perfekt.

Foto: dpa
Auf der Insel
Lewis Holtby darf sich bereits am Mittwoch das Tottenham-Trikot überstreifen.

Wintertransfers im Fußball sind schon eine verrückte Sache. Da ergurkte Lewis Holtby am Samstag mit Schalke noch ein 0:0 in Augsburg - und wird womöglich schon vier Tage später für Tottenham Hotspur in der Premier League auflaufen.

Nach seinem Wechsel für 1,75 Millionen Euro berief sein neuer Trainer Andre Villas-Boas den zuletzt sehr formstarken Nationalspieler gleich in den Kader für das Premier-League-Auswärtsspiel bei Norwich City. Das teilte der portugiesische Übungsleiter nach dem ersten Training des Neuzugangs mit. Holtby posierte mit Villas-Boas sowie seinem neuen weißen Vereinstrikot und sagte: "Seitdem ich mich entschieden hatte, zu den Spurs zu wechseln, wollte ich sofort hierherkommen."

Zuvor hatte Holtby (22) bereits zu Sky Sports News HD gesagt, er freue sich, dass es mit dem sofortigen Transfer geklappt habe. "Ich denke, es war für alle Beteiligten das Wichtigste, Klarheit zu schaffen. Das ist für alle die beste Lösung. Alles wird ganz neu sein, aber ich bin ein sehr kontaktfreudiger Spieler, der neue Aufgaben gerne annimmt." Holtby verlässt die Schalker mit einem guten Gefühl: "Ich bin dankbar, dass ich noch mal zwei Spiele für Schalke machen konnte. Auch den Fans möchte ich danken, dass sie mich bis zuletzt unterstützt haben."

Bayern-Albtraum Drogba heiß auf Schalke

Sein Ex-Klub hätte derweil wohl nichts dagegen gehabt, wenn der Wunsch von Uefa-Präsident Michel Platini nach einer Abschaffung der Wintertransfers schon dieses Jahr Wirklichkeit geworden wäre. Denn während die Gelsenkirchner in Holtby einen ihrer Schlüsselspieler verloren, rüstete zu allem Überfluss auch noch just der nächste Champions-League-Gegner Galatasaray Istanbul auf wie kein anderer europäischer Klub.

Nach Wesley Sneijder angelten sich die Türken nun den nächsten Weltstar. Didier Drogba, der seinen Ausflug in die Bedeutungslosigkeit der chinesischen Liga schnell bereut hat, unterschrieb einen Vertrag bis Sommer 2014. Das Erreichen des Viertelfinals könnte für Schalke nun ungleich schwieriger werden.

Zumal Drogba sich mit Spielen gegen deutsche Mannschaften bestens auskennt. Der Ivorer war es, der die Bayern im vergangenen Jahr um den Champions-League-Titel dahoam gebracht hatte, als er für den FC Chelsea im Finale kurz vor Schluss quasi mit der ersten Chance das 1:1 erzielte und seinen Klub in die Verlängerung brachte.

So einer kostet natürlich. Zehn Millionen Euro Gehalt soll Drogba für sein Engagement in der Türkei bekommen. Bei solcher Bezahlung geht folgender Satz leicht über die Lippen: "Das Angebot, für diesen großartigen Klub zu spielen, konnte ich einfach nicht ablehnen. Ich freue mich, wieder in der Champions League zu spielen." Bei seinem chinesischen Klub Shanghai Shenhua hatte er in elf Spielen acht Treffer erzielt.

Noch weilt Drogba jedoch nicht in Istanbul, mit der Elfenbeinküste spielt er beim Afrika-Cup. Nach zwei Partien ist die Mannschaft bereits für das Viertelfinale qualifiziert, im letzten Vorrundenspiel geht es am Mittwoch gegen Algerien. Im Gegensatz zu seinem neuen Klub scheint der Nationaltrainer nicht mehr uneingeschränkt auf den Stürmer zu setzen. Nach einer schwachen Leistung im Auftaktspiel saß Drogba beim 3:0 gegen Tunesien zunächst nur auf der Bank.

Michel Bastos kommt auf Leihbasis

Nicht alles ist düster über der Arena: Am Dienstag machten die Schalker ihrerseits einen prominenten Transfer perfekt. Der Brasilianer Michel Bastos wird bis zum 30. Juni 2014 vom französischen Erstligisten Olympique Lyon ausgeliehen. "Wir sind sehr glücklich, dass Michel Bastos nun zu uns stößt", erklärte Schalkes Manager Horst Heldt, nachdem sich der Transfer zuletzt noch überraschend verkompliziert hatte. "Er ist ein international erfahrener Spieler und kann uns sofort weiterhelfen. Zudem ist er für die Champions League spielberechtigt."

Bastos soll dem Vernehmen nach bis zum 30. Juni 2014 eine Leihgebühr von etwa 1,5 Millionen Euro kosten. Zudem haben sich die Königsblauen sowohl für den Sommer 2013 als auch für 2014 eine Kaufoption für den Nationalspieler gesichert, der auf der linken Offensivseite eingeplant ist. Der 29-Jährige soll den Ausfall von Ibrahim Afellay kompensieren, der wegen eines Sehnenrisses noch wochenlang ausfällt.

"In Lyon hat er links offensiv gespielt. Das ist auch seine Lieblingsposition. Er ist schnell und torgefährlich", erläuterte Heldt die Vorzüge des Brasilianers. "In der Nationalmannschaft hat er aber auch schon linker Verteidiger gespielt." Laut Heldt sei es nicht ausgeschlossen, dass Bastos schon am Samstag im Bundesliga-Heimspiel gegen Greuther Fürth zum Kader gehöre. Er ist nach Raffael (ausgeliehen von Dynamo Kiew) der zweite brasilianische Zugang in der laufenden Transferperiode für Schalke 04.

Milan will jetzt Balotellis Partner halten

Der bisher wohl spektakulärste Wechsel der Winterzeit ereignete sich ebenfalls am Dienstag. Mario Balotelli wechselt von Manchester City zum AC Mailand. Milan muss für den Angreifer, der einst bei Lokalrivale Inter spielte, eine Ablöse von rund 20 Millionen Euro hinlegen. Je nach Abschneiden des Klubs wird ein Bonus fällig. Der Vertrag läuft bis Sommer 2017. Der Mann, der Deutschland im Sommer aus der EM schoss, soll vier Millionen Euro netto jährlich verdienen.

Gleichzeitig will Milan seinen jetzigen Stürmerstar halten. Stephan El Shaarawy schoss in dieser Saison bereits 18 Tore für seinen Klub und soll nun einen neuen Vertrag erhalten. Wirklich nötig wäre es nicht, der jetzige läuft schon bis 2017, ist allerdings nicht gerade marktgerecht dotiert. Oder um es anders auszudrücken: Derzeit könnte sich wohl auch Greuther Fürth den 20-Jährigen leisten.

Shaarawy verdient derzeit rund 600.000 Euro im Jahr, bis Vertragsende erhöht sich das Salär auf 800.000 Euro. Im Falle einer Verlängerung darf der Jungstar mit einer deutlichen Gehaltserhöhung rechnen. Im vergangenen Herbst hatte Milans Vize-Präsident Adriano Galliani ein Angebot von 30 Millionen Euro des SSC Neapel für Shaarawy abgelehnt.

De Camargo wechselt nach Hoffenheim

Vom Berlusconi-Klub in den Bundesliga-Abstiegskampf: 1899 Hoffenheim tätigt den nächsten Transfer, um den Sturz in die Zweitklassigkeit zu verhindern. Stürmer Igor de Camargo kommt auf Leihbasis bis zum Ende der Saison von Borussia Mönchengladbach zum Tabellenvorletzten.

"Mit Igor erhoffen wir uns mehr Durchschlagskraft in der Offensive. Ich bin ganz sicher, dass er mit seiner Klasse und seiner Erfahrung in der Bundesliga eine wichtige Rolle für uns spielen wird", sagte Hoffenheims Manager Andreas Müller. In Gladbach hatte der belgische Nationalspieler einige wichtige Tore erzielt, war zuletzt aber nur noch Ergänzungsspieler.

Allofs mistet bei Wolfsburg aus

Munteres Treiben herrscht in der Transferzeit traditionell beim VfL Wolfsburg. So wird etwa Emanuel Pogatetz bis zum Saisonende an den englischen Erstligisten West Ham United ausgeliehen. Pogatetz war erst im Sommer von Hannover nach Wolfsburg gewechselt.

"Wir verfügen auf der Innenverteidigerposition über eine hohe Qualität und Quantität. Emanuel zählte zuletzt nicht mehr zur Stammformation. Bei West Ham United will er wieder in der Startelf spielen", sagte Manager Klaus Allofs, der gleich den nächsten Abgang melden konnte. Stürmer Srdjan Lakic wird bis zum 30. Juni 2014 an Eintracht Frankfurt verliehen.

"Mit Lakic haben wir einen kopfballstarken Stürmer verpflichtet, der genau ins Mannschaftsprofil passt und die Anforderungen von Trainer Armin Veh erfüllt", sagte Sportdirektor Bruno Hübner. Lakic trainierte bereits am Vormittag zum ersten Mal mit seiner neuen Mannschaft.

Außerdem verlassen Rasmus Jönsson und Michael Schulze den niedersächsischen Klub. Der schwedische Angreifer Jönsson wechselt zum FSV Frankfurt, Rechtsverteidiger Schulze schließt sich Energie Cottbus an, beide bis zum Saisonende auf Leihbasis.

Jönsson war 2011 für 3,4 Millionen Euro von Helsingborgs IF zum VfL gekommen. Er hat bei den Niedersachsen noch einen Vertrag bis 2015. In der Bundesliga spielte der 23-Jährige bisher 17 Mal für Wolfsburg, blieb dabei aber ohne Torerfolg.

Der 24 Jahre alte Schulze, der zumeist für das Wolfsburger Regionalliga-Team zum Einsatz kam, steht beim VfL noch bis 2014 unter Vertrag. Er absolvierte zwei Bundesligaspiele.

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