27.01.2013, 15:44

Fußball Jerusalem-Fans hetzen gegen muslimische Spieler

Supporters of Beitar Jerusalem soccer club hold a banner during a match in Jerusalem

Foto: REUTERS

Supporters of Beitar Jerusalem soccer club hold a banner during a match in Jerusalem Foto: REUTERS

Die geplante Verpflichtung von zwei muslimischen Fußballern sorgt beim israelischen Erstligisten Beitar Jerusalem für große Aufregung. Die Polizei nahm drei Beitar-Fans wegen Volksverhetzung fest.

Arkady Gaydamak ist Präsident und Besitzer des israelischen Fußball-Erstligisten Beitar Jerusalem. Er stammt ursprünglich aus Russland, und so verwundert es wenig, dass er den Blick auf Spieler der ehemaligen Sowjetunion richtet, unabhängig von deren Glauben. Und so plante Gaydamak nun die Verpflichtung von zwei tschetschenischen Profis von Terek Grozny und sorgte in Israel damit für große Aufregung.

Bei einem Punktspiel skandierten die Gegner von nicht-jüdischen Spielern lautstarke Parolen gegen die Verpflichtung der beiden Tschetschenen und auch gegen Arkady Gaydamak. Die Polizei nahm nach dem Abpfiff der Begegnung drei Beitar-Fans wegen Volksverhetzung fest.

Die fremdenfeindlichen Parolen riefen am Sonntag israelische Spitzenpolitiker auf den Plan. "Heute ist der internationale Holocaust-Gedenktag. Man muss sich nur einmal vorstellen, was passieren würde, wenn ähnliche Gruppierungen in England oder Deutschland fordern würden, dass keine jüdischen Spieler für ihre Vereine spielen sollen. Wir sollten den Kopf gegen Faschismus und Rassismus anführen", mahnte Knesset-Präsident Reuven Rivlin in einem Radio-Interview.

Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat schloss sich dem an: "Wir können keine muslimischen oder christlichen Spieler diskriminieren. Dabei geht es auch nicht nur um Fußball. Das liegt im Interesse des Judentums und im nationalen Interesse Israels."

"Die Mehrheit ist gegen diese Gruppe"

Beitar-Boss Gaydamak will sich in seinen Verstärkungsplänen für seinen Klub auch nicht beirren lassen. "Es ist ganz klar, dass die große Mehrheit unserer Fans gegen diese anti-muslimische Provokation einer kleinen Gruppe ist", sagte er.

Beitar ist in der Vergangenheit schon mehrfach für die fremdenfeindlichen Auswüchse seiner anti-arabischen Fans mit Sanktionen belegt worden. In der Geschichte des Klubs spielten nach Vereinsangaben bislang nur drei Muslime für Jerusalem.

(sid/sf)
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