18.01.13

Fußball-Prognosen

Warum Ahnungslose beim Tippen so oft abräumen

Ist es Glück oder Strategie – Tippspiele sind unter Fußballfans weit verbreitet. Doch welche Informationen nützen beim perfekten Tipps tatsächlich? Ein Professor der Universität Münster klärt auf.

Von Dennis Lamb
Foto: pa/dpa
Krake Paul
Hatte Orakel Paul vielleicht doch eine Strategie? Was bei Fußballprognosen wirklich zählt, hat ein Professor für physikalische Chemie der Uni Münster herausgefunden

Die Bundesliga startet in die Rückrunde – und mit ihr Tipprunden in ganz Deutschland. Was früher in Büros und Kneipen noch auf dem Papier geschah, findet mittlerweile meist im Netz statt. Das Voraussagen der Fußballergebnisse über kostenlose Internet-Anbieter erfreut sich bei Freunden und Arbeitskollegen seit eh und je größter Beliebtheit.

Und viele Tipper kennen ein Phänomen: Es gewinnen nicht immer die Menschen mit dem meisten Fußballsachverstand. Oft ist sogar das Gegenteil der Fall. Warum ist das so?

Marktwert der Teams entscheidend

"Der Ausgang eines typischen Bundesligaspiels ist zu 86 Prozent Zufall und nur zu 14 Prozent ein Resultat der Leistungsstärke der beiden Mannschaften", erklärt Andreas Heuer, Professor für physikalische Chemie an der Universität Münster. Der Experte nähert sich dem Thema in seinem Buch "Der perfekte Tipp" mathematisch an. Seine Erkenntnis: Die dominierende Größe – einfach, aber wahr – ist der Marktwert.

"In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass es Mannschaften mit einem niedrigen Marktwert sehr schwer haben, unten rauszukommen", sagt Heuer, "teure Teams hingegen setzen sich oben fest. So läuft eben der Fußball."

Auch Negativläufe sind zu berücksichtigen

Die zweite Größe ist vor allem für Tipper wichtig, die zur Rückrunde beginnen: die Anzahl der Torchancen, die eine Mannschaft bisher hatte. Heuer: "Wer sich mehr Chancen herausarbeitet, schießt mehr Tore. Langzeitstatistiken zeigen, dass es keine Unterschiede in der Chancenverwertung der Teams gibt." Seinen Berechnungen zufolge pendelt sich der Anteil der genutzten Torchancen bei allen Mannschaften irgendwann bei 25 Prozent ein.

Beim erfolgreichen Tipp sind auch Negativläufe zu berücksichtigen. Im Schnitt dauert es sieben Spiele, bis ein Team wieder zu normaler Form findet. Doch der Professor warnt: "Es gibt keinen positiven Lauf! Mannschaften, die oft hintereinander gewinnen, sind bei genauerer Betrachtung bessere Teams, die schlechtere besiegen."

Heuers goldene Regel

Frühere Begegnungen spielen dagegen keine Rolle. "Bei jeder Partie heißt es: neues Spiel, neues Glück. So etwas wie Angstgegner gibt es eigentlich gar nicht", sagt der Physiker.

Die besten Chancen, beim Tippen viele Punkte zu machen, hat man laut des Experten mit 2:1- oder 1:2-Tipps. Es sind die häufigsten Ergebnisse. Doch auch Unentschieden dürfen nicht vernachlässigt werden. Die Wahrscheinlichkeit dafür liege bei 25 Prozent, sagt Heuer.

Dabei darf Heuers "goldene Regel" nicht vergessen werden: 86 Prozent eines Bundesligaspiels sind schlichtweg nicht vorhersehbar und damit Glück. Genau deswegen sind Laien bei Tippspielen oft gut dabei – zum Unmut der Experten. Deren Wissen schlägt sich nur in den restlichen 14 Prozent nieder.

Gewichtung von Informationen fraglich

Wer also glaubt, anhand von Spielertransfers, Formkurven oder Verletzungen Ergebnisse prognostizieren zu können, liegt falsch. "Ich habe zwar mehr Informationen, kann aber gar nicht wissen, wie ich diese in meinem Tipp gewichten muss. Und wer der Favorit ist, weiß höchstwahrscheinlich auch der Laie", sagt Janning Vygen, Chef des mit zwei Millionen angemeldeten Mitgliedern größten deutschen Online-Tipp-Anbieters "Kicktipp.de".

Tatsächlich sagen gute Tipper die Tendenz einer Partie – also Heimsieg, Unentschieden oder Auswärtssieg – in 50 Prozent der Fälle richtig voraus, schlechte Tipper liegen mit 40 Prozent nicht weit darunter.

Zu viele Daten irritieren

Der größte Fehler bei Voraussagen sind für Vygen "Harakiri-Tipps": "Man kann schon einmal auf den Außenseiter setzen, aber zu riskante Tipps sind kontraproduktiv." Genau wie beispielsweise ein 4:0: "So viele Tore fallen selten. Selbst wenn ich denke, dass ein Spiel so ausgeht, würde ich immer 2:0 tippen. Da ist die Chance eines Treffers immer höher."

Zu viele Informationen vernebeln nach Vygens Meinung nur die richtige Entscheidung: "Es bringt einfach nichts, irgendetwas in Statistiken hineinzudeuten. Man sollte das nicht wissenschaftlich angehen und eher aus dem Bauch heraus tippen. Es ist letztlich nur ein Spiel und soll Spaß machen."

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