08.01.2013, 15:14

Nordrhein-Westfalen Polizei überwacht Fußballfans mit V-Leuten

Borussia Dortmund v VfL Wolfsburg - Bundesliga

Foto: Bongarts/Getty Images

Borussia Dortmund v VfL Wolfsburg - Bundesliga Foto: Bongarts/Getty Images

Weil Personen seit Jahren bei Fußballspielen etliche Straftaten begehen, bestätigt NRW-Innenminister Ralf Jäger den Einsatz von V-Leuten. Der Sprecher der Aktion "ProFans" zeigt sich schockiert.

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat in der Fußball-Fanszene V-Leute zur Gefahrenabwehr eingesetzt. SPD-Innenminister Ralf Jäger bestätigte dies in einer am Dienstag veröffentlichten Antwort auf eine Kleine Anfrage der Landtagsfraktion der Piraten vom 15. November. Der Rechercheblog der "WAZ" hatte das Thema aufgegriffen.

Im Zeitraum 2008 bis 2012 "setzten bzw. setzen die Polizeibehörden des Landes NRW weniger als zehn Vertrauenspersonen mit jeweils unterschiedlicher Einsatzdauer ein", hieß es in der Stellungnahme der Landesregierung.

Im Zusammenhang mit "Sportveranstaltungen, insbesondere von Fußballspielen", registriere die Polizei NRW "seit Jahren Personen, von denen Gefahren für Leib und Leben Unbeteiligter ausgehen und die teils erhebliche Straftaten begehen".

Zweifel am Erfolg

Zur "Abwehr solcher Gefahren bzw. zur Verhütung oder Verfolgung einschlägiger schwerwiegender Straftaten" würden Vertrauenspersonen einsetzt. Philipp Markhardt, Sprecher der Aktionen "ProFans" und "12:12", äußerte sich sehr kritisch.

"Der Erfolg von V-Leuten darf nach Pleiten, Pech und Pannen im Zusammenhang mit der NSU bezweifelt werden. Wenn ich das lese, dann ist das eine neue Qualität, dass Fußballfans präventiv bespitzelt werden", sagte Markhardt. Dies sei der Beweis für das, was sich "seit Jahren hartnäckig in Gerüchten" halte.

"Ich frage mich, wie weit unser Land gekommen ist, wenn man Fußballfans mit politisch Extremen und Terroristen gleichsetzt. Hat das Land keine größeren Probleme als Fußballkrawalle?", sagte Markhardt.

Ein "gängiges Mittel"

Bernhard Witthaut, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), sagte, die Zusammenarbeit mit "kooperationsbereiten Personen" sei ein "gängiges Mittel, an Informationen zu kommen".

Im Herbst hatte die Bundesregierung auf Anfrage der Linken erklärt, durch die Länder würden V-Leute bei Fußballveranstaltungen eingesetzt.

Hamburg bestätigte, dass der Verfassungsschutz Links- und Rechtsextremisten auch unter Fußballfans mit V-Leuten beobachte. Zur Gefahrenabwehr setzt auch die baden-württembergische Polizei V-Leute im Fußball ein. Das bestätigte am Dienstag ein Sprecher von Landesinnenminister Reinhold Gall (SPD) der Südwest Presse. Über die Anzahl machte er keine Angaben.

(sid/fb)
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