08.01.13

Rassismus im Stadion

Saftige Strafe für Fans nach Pöbelei gegen Boateng

Fünf Jahre lang dürfen die Männer kein Stadion mehr betreten, die Kevin-Prince Boateng vom AC Mailand bei einem Spiel rassistisch beleidigt hatten. Unter den Verurteilten ist auch ein Lokalpolitiker.

Foto: AFP
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Kevin-Prince Boateng denkt nach dem Rassimus-Vorfall über einen Abschied aus der italienischen Liga nach

Nach dem Rassismus-Eklat beim Testspiel des AC Mailand beim italienischen Fußball-Viertligisten Pro Patria sind die ersten Fans zu einem Stadionverbot von fünf Jahren verurteilt worden. Unter den sechs Männern befindet sich auch ein Lokalpolitiker der norditalienischen Regionalpartei Lega Nord.

Der Jugend- und Sportassessor der Gemeinde Corbetta bestritt einen rassistischen Hintergrund, wie die "Gazzetta dello Sport" am Dienstag berichtete. Er habe vor allem Milans Kapitän Massimo Ambrosini und weniger den farbigen Kevin-Prince Boateng ausgebuht, behauptete der 21-Jährige, der sein politisches Amt am Montag an den Bürgermeister des Ortes übergab.

In Busto Arsizio hatte Boateng nach 26 Minuten den Platz verlassen, weil gegnerische Fans ihn und die übrigen dunkelhäutigen Milan-Spieler fortwährend verhöhnten. Erstmals wurde daraufhin ein Fußballspiel in Italien wegen Rassismus abgebrochen. Die Entscheidung des gebürtigen Berliners mit ghanaischen Wurzeln wurde im In- und Ausland gelobt.

Der Präsident des italienischen Fußballverbands, Giancarlo Abete, begrüßte die schnelle Verurteilung der auf Videoaufzeichnungen identifizierten Störenfriede am Montagabend. "Ich hoffe, dass noch Tausende Stadionverbote auch von fünf Jahren kommen", sagt Abete. "Lasst uns sie aus den Stadien werfen", forderte der Verbandschef.

Italienische Regierung schaltet sich ein

Abete hatte für Dienstag um ein Treffen mit dem italienischen Polizeichef Antonio Manganelli und Innenministerin Anna Maria Cancellieri in Rom gebeten, um über ein konsequentes Vorgehen gegen Rassismus im Fußball zu beraten.

Pro Patria muss nach den rassistischen Vorfällen ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen. Das legte am Dienstag ein Sportrichter der Lega Pro, die Vereinigung der italienischen Dritt- und Viertligisten, fest. Laut Richter Pasquale Marino war der Vorfall besonders gravierend, da es sich um ein Freundschaftsspiel handelte. Der Richter hob hervor, dass im Laufe dieser Saison Pro Patria wegen ähnlicher Vorfälle bereits zur Zahlung einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt worden war. Diese Strafe hätte jedoch keine Wirkung erzielt.

Nach den Vorfällen schaltet sich jetzt auch die italienische Regierung ein. Sie fordert von Italiens Fußballverband FIGC härtere Maßnahmen gegen Rassismus. Die italienische Innenministerin Anna Maria Cancellieri, Verbandspräsident Giancarlo Abene und Polizeichef Antonio Manganelli trafen sich bereits am Dienstag zu Gesprächen in Rom. "Nur wenn sich ein großer Teil der Fans an den rassistischen Chören beteiligt, muss das Match abgebrochen werden", erklärte die Ministerin.

Trainer Allegri geht von Boatengs Verbleib aus

Unterdessen hat Massimiliano Allegri, Trainer des AC Mailand, kund getan, er glaube nach den rassistischen Schmähungen nicht an einen Abgang von Kevin-Prince Boateng. "Boateng ist glücklich und wird beim AC Milan bleiben, und ich bin noch glücklicher, dass er bleibt. Er hat am Sonntag ein wunderbares Match bestritten", sagte Allegri.

Der 45-Jährige hofft jedoch, dass der Vorfall vom vergangenen Donnerstag ein Einzelfall bleibt. "Ich hoffe, dass uns die Fans bei den nächsten Spielen helfen werden, die Idioten zu isolieren, die mit rassistischen Angriffen Chaos verursachen wollen", erklärte Allegri.

Zuvor hatte Boateng aus Verbitterung in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung seinen Abschied aus Italien nicht ausgeschlossen. Die Milan-Spieler seien betrübt gewesen, jetzt ist der Vorfall laut Allegri vergessen. "Am Mittwoch spielen wir bei Juventus Turin, in einer multikulturellen Stadt. Ich bin sicher, dass es zu keinen Zwischenfällen kommen wird", sagte Allegri.

Quelle: dpa/pk
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