23.12.12

Neuer VfL-Trainer

Vor kurzem lästerte Hecking noch über Wolfsburg

Zum zweiten Mal innerhalb von gut sechs Jahren wechselt Dieter Hecking während der Saison den Verein. Über seinen neuen Klub VfL Wolfsburg äußerte er sich vor zwei Monaten noch eher abfällig.

Klaus Allofs hat sich über die Weihnachtstage am Lago Maggiore einquartiert. Und von seinem Urlaubsdomizil an dem See in Oberitalien aus hat der Sportdirektor des VfL Wolfsburg am Wochenende den ersten großen Transfer getätigt, seit er am 14. November die Geschicke bei dem Bundesligaverein übernahm.

In Dieter Hecking präsentierte Allofs einen neuen Trainer und erregte damit kurz vor Weihnachten großes Aufsehen. Denn in Hecking holte er einen Trainer, der beim 1. FC Nürnberg noch einen Vertrag bis 2014 hatte. Doch eine Ausstiegsklausel ermöglichte den Deal.

Binnen weniger Wochen wurde damit ein zweites Mal aufgezeigt, wie wertlos Verträge heutzutage offenbar sind. Allofs selbst hatte die Laufzeit eines Kontrakts im November ad absurdum geführt, in dem er sich vom VfL Wolfsburg aus seinem bis 2015 datierten Vertrag bei Werder Bremen kaufen ließ.

Nun lotste der 55-Jährige den Nürnberger Trainer nach Wolfsburg, wo Hecking noch vor dem Jahreswechsel vorgestellt und bis Ende 2016 Juni unterschreiben soll. Dem Vernehmen nach kassiert Nürnberg für ihn eine Ablöse von rund 750.000 Euro.

Wiesinger bringt sich ins Gespräch

Wer beim Club in der Rückrunde die Nachfolge antritt, ist noch offen. Sportdirektor Martin Bader bestätigte der Berliner Morgenpost, dass U23-Trainer Michael Wiesinger eine Option sei. "Er ist zumindest eine sehr gute Alternative, sonst würde er nicht bei uns im Verein arbeiten. E

s wäre ja absurd, wenn wir Trainer im Nachwuchsbereich hätten, denen wir nicht auch vertrauen", sagte Bader. Wiesinger selbst sagte am Sonntag: "Ich würde mir die Nachfolge von Dieter Hecking zutrauen."

Sportdirektor Bader ergänzte, dass er nach Heckings Abgang zu einem Konkurrenten im Abstiegskampf "sehr enttäuscht, aber nicht verbittert" sei und froh, dass der Club als Tabellen-14. bereits 20 Punkte auf dem Konto habe – Wolfsburg liegt mit 19 Punkten auf Rang 15. Jedoch hätte sich Bader gewünscht, "dass wir das ein bisschen eleganter hinkriegen". Der Zeitpunkt des Wechsels sei nicht glücklich.

Ein Wechsel mit fadem Beigeschmack

Ohnehin hat dieser Deal einen faden Beigeschmack. Der Wechsel zum VfL Wolfsburg beweist, dass es in der Bundesliga um Anstand und Charakter nicht so gut bestellt ist, wie viele vielleicht glauben. In einer Liga, deren Protagonisten gern mal den Moralapostel spielen, wenn sie das Gebaren im Ausland stört.

"Es fällt mir schwer, Nürnberg zu verlassen. Aber ich habe mir auch gesagt: 'Dieter, jetzt musst du auch an dich denken!' Natürlich will ich mich auch in meiner Trainerkarriere weiterentwickeln", sagte Hecking der "Bild am Sonntag". Für den Wechsel sprechen sowohl familiäre als auch wirtschaftliche Gründe: Heckings Familie wohnt eine Autostunde von Wolfsburg entfernt in Bad Nenndorf. Außerdem soll sich sein Gehalt verdoppeln.

2006/07 wechselte er von Aachen nach Hannover

Für Hecking selbst ist es schon der zweite vorzeitige Wechsel in seiner Trainerkarriere, die 2000 beim SC Verl begonnen hatte. In der Saison 2006/07 war der 48-Jährige nach dem dritten Spieltag von Alemannia Aachen zu Hannover 96 gewechselt.

Nun heuert er in Wolfsburg an. Bei einem Verein, der maßgeblich von der großzügigen Unterstützung des VW-Konzerns profitiert und der Hecking noch am 28. Oktober als Beispiel dafür diente, zu erklären, warum die Anhänger in Nürnberg möglicherweise emotionaler reagieren würden als anderswo – etwa in Wolfsburg. Am Tag nach dem 0:1 bei Schalke 04 war Hecking zu Gast in der Sport1-Sendung "Doppelpass".

Was interessiert ihn sein Geschwätz von gestern?

Er wurde auf die Reaktionen der Nürnberger Fans angesprochen, von denen rund 250 die Mannschaft vor der Heimfahrt zur Rede gestellt hatten. Hecking sagte: "Du arbeitest eben nicht in Wolfsburg, du arbeitet bei einem Traditionsverein. Dieser Verein ist so emotional. Und dass die Fans sich Sorgen machen, wenn der Verein aus ihrer Sicht in Schieflage geraten ist, weil wir sechs Spiele nicht gewonnen haben, ist ein stückweit normal." (sehen Sie hier das Video) Frei nach dem Motto, was interessiert mich mein Geschwätz von gestern, wird Hecking am 3. Januar nun seinen Dienst beim VfL Wolfsburg antreten.

Anstelle von Bernd Schuster, der als Favorit auf den Trainerposten gegolten hatte. Am Ende hieß es, das Engagement des Europameisters von 1980 sei an zu hohen Forderungen bezüglich Prämien und Trainerteam gescheitert. Schuster wird derzeit von Thomas Berthold beraten. Der Weltmeister von 1990 zeigte sich am Sonntag gegenüber der Berliner Morgenpost verwundert, "dass plötzlich Interna aus den Vertragsgesprächen an die Öffentlichkeit gelangt sind. Ich kann nur sagen, dass es weder nachträgliche Forderungen hinsichtlich einer Erfolgsprämie oder etwaiger Neuverpflichtungen gegeben hat".

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