01.01.13

Aus Duisburg

Der philippinische Nationaltorwart heißt Müller

Im deutschen Fußball ist der Duisburger Torwart Roland Müller ein kleines Licht, auf den Philippinen ist er ein Star. Scouts spürten den Deutschen auf und überredeten ihn, Nationalspieler zu werden.

Foto: Bongarts/Getty Images
SC Paderborn 07 v MSV Duisburg - 2. Bundesliga
Duisburgs Torwart Roland Müller ist dank seiner philippinischen Mutter zum Nationalspieler aufgestiegen

40 Grad sind es im Schatten, die Mischung aus Smog und Luftfeuchtigkeit ist drückend, nur marode Blechhütten bieten Unterschlupf. Roland Richard Guaves Müller spielt unter diesen Bedingungen Fußball. Der Kölner ist Torhüter des MSV Duisburg - er ist aber auch Nationaltorhüter der Philippinen. Und so pendelt er in regelmäßigen Abständen zwischen zwei Welten.

"In den Slums, da laufen die Kinder noch mit freiem Oberkörper herum, klopfen an der Scheibe und betteln nach Geld. Das berührt mich sehr", sagt der 24-Jährige. Seine Gedanken schweifen ab. Der Blick wirkt leer.

Zu "verdanken" hat er diese Erfahrungen vor allem zwei Personen: Seiner philippinischen Mutter Maria und Michael Weiß, dem deutschen Nationaltrainer der Philippinen. Aber der Reihe nach: Mit zehn Jahren lässt ihn zunächst seine Grundschullehrerin wirklich "aktiv" werden, als sie ihn zu einem Schnuppertraining beim 1. FC Köln überredet. Müller ist begeistert, seine Position ist schnell gefunden. "Schon auf dem Bolzplatz hatte ich immer im Kasten gestanden", sagt er.

Keine Chance gegen Zieler

Es folgen 13 Jahre bei "seinem Effzeh", in denen er die gesamte Jugend durchläuft. Der dauerhafte Sprung auf die große Fußball-Bühne bleibt ihm aber verwehrt. Im Kampf mit der starken Konkurrenz zwischen den Pfosten - Müller muss sich unter anderem mit einem gewissen Ron-Robert Zieler messen - schafft er nur den Sprung ins Oberliga-Team, welches er mit tollen Reflexen als Erfolgsgarant in die Regionalliga führt.

"Das habe ich nur meiner Mutter zu verdanken. Sie hat mich als kleinen Jungen quer durch Köln kutschiert, nur deshalb hatte ich trainieren können", sagt Müller. In seiner Heimat ist dann allerdings Endstation. Erst der Umzug nach Duisburg öffnet ihm die Tore zur Welt. In zweierlei Hinsicht.

Scouts spürten Müller auf

"Ich habe bislang eigentlich nur Köln gesehen, nicht mal bis nach Düsseldorf habe ich es geschafft", sagt Müller mit einem Hauch von Ironie. Eine von Weiß initiierte europaweite "Fahndung" bringt ihn dann aber so richtig raus. "Die haben Scouts geschickt und geschaut, wer spielen könnte. Nach dem Anruf habe ich lange überlegt", gesteht Müller. Aber irgendwie habe sich das "halt so entwickelt. Im Flieger waren die Zweifel dann weg", versichert er.

Seit etwa 18 Monaten steht er nun zwischen den Pfosten der "Azkals". Dass ein Landsmann das Team betreut, vereinfacht die Sache erheblich, auch ohne Sprachkenntnisse weiß Müller um die Bedeutung des Wortes. "Straßenhunde", sagt der Weltenbummler, "weil wir genauso kämpfen und es dort eben viele Straßenhunde gibt."

Gänsehaut bei der Hymne

Für diese Erfahrungen nimmt er einige Reisestrapazen auf sich. Einen Direktflug nach Manila, wo die Heimspiele vor knapp 8000 Zuschauern ausgetragen werden, gibt es nicht mehr. Stattdessen muss (oder darf) er nun mehrere Stunden in Dubai rasten. Zumindest die 90 Minuten auf dem Platz entschädigen dann aber für die nervige Warterei. "Bei der Nationalhymne habe ich Gänsehaut und widme das alles auch meiner Mutter. Es erfüllt mich mit Stolz, für das Heimatland der Mutter zu spielen", sagt Müller.

Aber irgendwie verfestigt sich der Eindruck dann doch, dass Roland Richard Guaves Müller noch nicht ganz angekommen ist. Ein Profi-Einsatz im Trikot seiner wahren Heimat wäre "wirklich fantastisch. 13 Jahre gehen einfach nicht spurlos vorbei", sagt der Kölner. "Ich habe den Dom im Herzen."

Quelle: sid/SUF
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