15.12.12

Hinrunden-Bilanz

Das sind die Gewinner und Verlierer beim HSV

Am Samstag beschließt der Hamburger SV mit dem Spiel in Leverkusen seine Bundesliga-Hinrunde. Herausragend war René Adler, der sogar wieder in die Nationalelf berufen wurde.

Foto: AFP

Rene Adler war nach langen Verletzungszeit ein riskanter Einkauf für den HSV, aber der Torhüter zahlt es mit Leistung zurück. Top!

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Top: René Adler

Es bedurfte schon einer Menge Mut, den zwölf Monate lang verletzten Torhüter gleich mal für fünf Jahre und 2,7 Millionen Euro Gehalt per annum zu verpflichten. In Rekordzeit allerdings hat Adler alle Zweifler, Kritiker und Möchtegern-Pessimisten davon überzeugt, dass er noch immer ein ganz Großer ist.

Als bester Bundesligakeeper der Hinrunde trägt er maßgeblichen Anteil daran, dass der HSV wieder zarte Träume von einer Europapokalteilnahme im kommenden Jahr hegen darf. Adler (27) schaffte folgerichtig den Sprung zurück in die Nationalmannschaft und gilt keinesfalls als aussichtslos im Kampf mit Bayerns Manuel Neuer. Sein Plus: Die Verletzungszeit hat aus dem Überehrgeizling einen selbstreflektierten und souveränen Profi gemacht.

Flop: Slobodan Rajkovic

Es gibt wohl nur wenige Legionäre, die bei einem Klub binnen 17 Monaten die ganze Bandbreite ihres Könnens präsentieren. Im ersten Spiel erzielte der Abwehrhüne vorige Saison gleich mal ein Tor, brachte es ob seltsamer Slapstick-Einlagen aber nicht zum Stammspieler neben Kapitän Heiko Westermann. Im Sommer dann streckte der Serbe beim Training Heung Min Son nieder – mit seiner Faust, wohlgemerkt.

Der 23-Jährige wurde zu den Amateuren verbannt und stellte sich mit einem selten dämlichen Interview noch weiter ins Abseits. "Ich wurde noch nie so oft und so lange angelogen", sagte Rajkovic über Trainer Thorsten Fink. "Die Sache war schon vorher klar. Er hätte mir seine Entscheidung wie ein Mann mitteilen können und sie nicht wie ein Mädchen über Zeitungen lancieren müssen." Der Trainer habe "zwei Gesichter", ätzte Rajkovic. Fink begnadigte den Verteidiger zuletzt zwar, der HSV aber will das einst zwei Millionen teure Investment in der Winterpause gern weiterreichen.

Top: Rafael van der Vaart

Auf den letzten Drücker und dank der Millionen-Beigabe von Unternehmer Klaus-Michael Kühne kehrte der smarte Niederländer nach vier Jahren Abstinenz nach Hamburg zurück. Gefeiert wie ein Messias, befreite der Spielgestalter das darbende Team von der Abstiegsangst, ehe auch er schwächelte und sich schließlich einen Muskelfaserriss zuzog. Die Bilanz: elf Spiele, ein Tor, fünf Assists.

Weitaus wichtiger als die Statistik: Die Hamburger, nach ihrem seltsamen Selbstverständnis ja ohnehin Bewohner der weltweit schönsten Stadt, haben wieder einen echten Star mit Glamourfaktor, der dank der Gemahlin auch gern gesehener Gast bei "Wetten, dass..?" ist. Da verzeihen sie ihm sogar, dass sich van der Vaart während seiner ersten Schaffenszeit beim HSV im Valencia-Trikot ablichten ließ.

Flop: Marcus Berg

Noch immer rätseln sie beim HSV, warum Ex-Boss Bernd Hoffmann 2009 gleich zehn Millionen Euro für den Schweden an den FC Groningen überwies. Langsam, phlegmatisch und völlig torungefährlich präsentiert sich der Angreifer seither und ist in der Stürmer-Hierarchie der Hamburger hinter Artjoms Rudnevs, Maximilian Beister und Heung Min Son nur noch die Nummer vier.

Dabei hätte Berg alles, um ein gefeierter Star zu werden: gutes Aussehen, Kopfballstärke, einen harten Schuss und eine fantastisch aussehende Freundin Josefine. Dass er mit 26 Jahren noch mal die Kurve kriegt, ist allerdings weitaus unwahrscheinlicher als ein Champions-League-Sieg des Hamburger SV 2014.

Top: Milan Badelj

Der Kroate ist der zweite Top-Transfer des HSV neben Adler. Zwar mussten sie in Hamburg lange auf den Mittelfeldspieler warten, weil Dinamo Zagreb seinen Kapitän erst nach erfolgreicher Champions-League-Qualifikation Ende August freigab. Aber die Geduld zahlte sich aus.

Der 23-Jährige ist quasi der Regisseur hinter van der Vaart, baut als Sechser vor der Abwehr das Spiel auf, hat ein fantastisches Auge für seine Mitspieler und ist mit seiner Ruhe am Ball der vielleicht coolste HSV-Profi seit Sergej Barbarez. Wenn er jetzt auch noch ein bisschen mehr Tempo in seinen Aktionen hätte, wäre er ein kommender Weltstar. Aber dann würde er vermutlich auch nicht in Hamburg kicken.

Flop: Petr Jiracek

Inzwischen wissen sie vermutlich auch in Hamburg, warum der Ex-HSVer Felix Magath den Tschechen beim VfL Wolfsburg im Sommer nach nur sieben Monaten gemeinsamer Zusammenarbeit aussortiert und liebend gern für vier Millionen Euro an die Elbe transferiert hat. Jiracek gilt zwar als eifriger Arbeiter im Mittelfeld – mehr aber auch nicht.

Er kam zu einem Zeitpunkt, als der Van-der-Vaart-Deal zu scheitern drohte. Inzwischen könnte der HSV auf Jiracek, der nur fünf Spiele bestritt, dabei einmal die Rote Karte sah und sich dann eine langwierige Schambeinentzündung zuzog, gut verzichten. Das Problem: Der Vertrag mit der Arbeitsbiene aus Tuchorice läuft noch bis zum Sommer 2016.

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