12.12.12

DFL-Versammlung

Klubs stimmen für mehr Sicherheit - Streit schwelt weiter

Die Deutsche Fußball Liga verabschiedet ein umstrittenes Konzept für mehr Sicherheit in Stadien. Die Fans drohen mit weiteren Protesten.

Von Jens Bierschwale, Uwe Bremer und Udo Muras
Foto: dapd

Das neue Sicherheitskonzept der DFL soll friedliche Stadionbesuche ermöglichen - und Eskalationen wie hier beim Relegationsspiel z wischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC im Mai dieses Jahres verhindern
Das neue Sicherheitskonzept der DFL soll friedliche Stadionbesuche ermöglichen - und Eskalationen wie hier beim Relegationsspiel z wischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC im Mai dieses Jahres verhindern

Wie stark die Macht der Fans ausfallen kann, bekamen die Funktionäre noch einmal unmittelbar vor ihrem Treffen zu spüren. 500 Anhänger aus der gesamten Republik hatten sich in den Morgenstunden vor dem Hotel "Sheraton Congress" in Frankfurt am Main eingefunden, um ein letztes Mal vor der wegweisenden Sitzung der Deutschen Fußball Liga (DFL) gemeinsam Flagge zu zeigen. Fans aus Dresden, Hamburg, Hannover und Frankfurt waren leicht an ihren Mützen auszumachen, als kurz nach elf Uhr die Sitzung der Ligavertreter über die Abstimmung des umstrittenen Konzepts "Sicheres Stadionerlebnis" begann.

Einige hatten sogar noch die Hoffnung, allein durch das Erscheinen Einfluss nehmen zu können. "Wir wollen Präsenz zeigen in der Hoffnung, dass wir in irgendeiner Form in diesen Dialog eingebunden werden", sagte etwa Johannes Liebnau, Mitglied der HSV-Fanorganisation "Chosen Few". Dazu allerdings kam es nicht mehr. Knapp eine Stunde später als vorgesehen und dem Fanauflauf vor dem Hotel zum Trotz verkündete die DFL die Ergebnisse ihrer Sitzung. Die Vollversammlung, bestehend aus Vertretern der 36 Profiklubs der Ersten und Zweiten Bundesliga, verabschiedete das Sicherheitskonzept mit großer Mehrheit in allen 16 Punkten.

"Fußballkultur in Deutschland schützen"

Der Einwand von fünf Vereinen, die Verabschiedung aufzuschieben, fand keine Mehrheit – womit letztlich auch ein befürchtetes Eingreifen der Politik abgewendet wurde. Innenminister von Bund und Ländern hatten die DFL und den Deutschen Fußball-Bund sowie die Vereine aufgefordert, nach vermehrten Ausschreitungen in den Arenen zu einer Entscheidung in der Debatte über mehr Sicherheit in den Stadien zu kommen. "Der professionelle Fußball ist als Gewinner aus dieser Veranstaltung hervorgegangen", sagte Ligaverbandspräsident Reinhard Rauball. "Es ist eine gute Nachricht, dass der Ligaverband in der Lage ist, seine Hausaufgaben zu machen. Wir können allen Fans versichern, dass die Beschlüsse helfen, die Fußballkultur in Deutschland zu schützen."

Im Kampf um mehr Sicherheit für Stadionbesucher und die Wahrung der Fan- und Fußballkultur ging es in dem Konzeptpapier vor allem um zwei wesentliche Streitpunkte. Die Verbesserung der Einlasskontrollen darf nach einer Modifizierung des entsprechenden Antrags Nummer 8 demnach nicht in den von einigen Fans befürchteten, willkürlichen Ganzkörperkontrollen münden, sondern soll nach den Worten von Vizepräsident Peter Peters "sicher, zügig und angemessen" durchgeführt werden. Auch die Einstufung von sogenannten Risikospielen und damit verbundene Maßnahmen hinsichtlich der eingeschränkten Ticketvergabe an Auswärtsfans müssten von den Klubs beim Verband gut begründet werden. "Die Beschlüsse sind Leitplanken, in denen jeder Klub nach seinen Bedürfnissen alles so gestalten kann, wie es sinnvoll ist", sagte Rauball. Die 16 verabschiedeten Anträge seien kein Beschluss gegen die Fans, sondern eine Entscheidung für die Zukunft des Fußballs.

Delegationen von Hertha BSC und 1. FC Union

Aus Berlin waren jeweils eine Delegationen für die Zweitligisten Hertha BSCund 1. FC Union vor Ort. Während Finanzchef Ingo Schiller von Hertha BSC fast allen der 16 Punkte zustimmte, lehnte Union alle 16 Anträge ab – ebenso wie der FC St. Pauli. Die Begründung der "Eisernen": "Der Inhalt der einzelnen Anträge steht dabei im Wesentlichen nicht zur Disposition." Es würde sich bei den Maßnahmen größtenteils um Selbstverständlichkeiten handeln, die bei den Spielen von Union und vieler anderer Vereine seit Jahren gelebte Praxis seien, hieß es in einer Erklärung auf der Union-Homepage weiter. "Es gibt keinerlei Veranlassung, sich einem wodurch auch immer motivierten politischen Druck zu beugen und zum jetzigen Zeitpunkt symbolisch eine Handlungsfähigkeit unter Beweis zu stellen, die überhaupt nie infrage stand", erklärte Klubpräsident Dirk Zingler. "Für ein solches Handeln steht der 1. FC Union Berlin nicht zur Verfügung." DFL-Präsident Rauball nahm das Auftreten stirnrunzelnd zur Kenntnis und sagte: "Ich verstehe die Motivation von Union Berlin nicht ganz."

Das Konzept wird vorbehaltlich der Zustimmung durch den DFB zur Saison 2013/2014 in Kraft treten. Es beinhaltet weitere wichtige Beschlüsse wie die Schulung von Ordnungsdiensten, die Bereitschaft der Klubs, mit Vertretern ihrer organisierten Fanszene "einen offenen, regelmäßigen und verbindlichen Dialog zu etablieren", und mehr Kompetenzen für die Polizei bei der Videoüberwachung im Stadion.

Verband erleichtert über Verabschiedung

Während die Fans draußen vor dem Hotel die Verabschiedung des Maßnahmenkatalogs mit dem Zünden einiger Böller quittierten, zeigten sich Verbandsvertreter erleichtert über die Verabschiedung des Konzeptes durch die DFL-Vollversammlung. "Dass die deutliche Mehrheit der Lizenzvereine Geschlossenheit demonstriert und für das Sicherheitskonzept gestimmt hat, ist ein wichtiges Zeichen für den gesamten Fußball und die überwältigende Mehrheit der friedlichen Fans in Deutschland", sagte etwa DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. "Wir brauchen den Dialog zwischen allen Beteiligten, aber auch einheitliche Leitplanken, an denen sich alle orientieren können."

DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock lobte das klare Votum. "Nach den vielen Diskussionen der vergangenen Wochen und Monate ist diese Entscheidung ein wichtiger Schritt, der hoffentlich weiter zur Versachlichung dieser Thematik beiträgt. Wichtig ist nun, dass alle Vereine die beschlossenen Maßnahmen konsequent und im Dialog mit ihren Fans umsetzen", erklärte Sandrock.

Fanorganisation "12:12" droht mit weiteren Protesten

Dass es dazu allerdings tatsächlich konfliktfrei kommt, erscheint weiterhin zweifelhaft. Die Fanorganisation "12:12" jedenfalls drohte nach dem Beschluss mit weiteren Protesten. "Das Ergebnis ist sehr unschön. Ich gehe davon aus, dass es neue Proteste geben wird", sagte Philipp Markhardt, Sprecher der Organisation "Pro Fans" und der Aktion "12:12 – Ohne Stimme keine Stimmung". Laut Markhardt könnten sich neue Stimmungsboykotte oder andere Aktionen "auch bis in den März hineinziehen". Allerdings sei noch nichts "in trockenen Tüchern". Die Anhänger würden nun abwarten, wie sich die DFL und die Vereine in der Umsetzung verhalten. "Wenn die DFL sagt, nach uns die Sintflut, wäre das das komplett falsche Zeichen", sagte Markhardt.

Zuletzt hatten sich die organisierten Fans in den Stadien der beiden Bundesligen schon auf ungewöhnliche Weise Respekt erworben. Im Hinblick auf die am 12.Dezember angesetzte DFL-Sitzung hatten die Anhänger bei Spielen zwölf Minuten und zwölf Sekunden lang die Unterstützung verweigert und sich erst dann lautstark zu Wort gemeldet.

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