08.12.12

Nach Trainerwechsel

Hoffenheim spielt beim HSV wie ein Absteiger

Im ersten Spiel unter Trainer Frank Kramer enttäuschte 1899 Hoffenheim beim Hamburger SV total. Trotzdem darf der Babbel-Nachfolger auf eine langfristige Chance im Kraichgau hoffen.

Foto: Bongarts/Getty Images

Im Spiel beim Hamburger SV saß Interimstrainer Frank Kramer zum ersten Mal auf der Hoffenheimer Bank.

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Andreas Müller stand vor der Kabine seiner Mannschaft und grübelte. Im Flüsterton suchte der Manager von 1899 Hoffenheim nach Erklärungen für die fünfte Pleite in Folge. Er fahndete nach irgendeinem Hoffnungsschimmer. Doch nach dem leblosen Auftritt und dem 0:2 (0:1) beim Hamburger SV war da nicht viel, was Mut machte.

Auch im ersten Spiel nach der Entlassung von Cheftrainer Markus Babbel präsentierte sich sein ambitionierter Klub wie ein Absteiger. Dennoch war Müller eines sofort klar: An Interimstrainer Frank Kramer hatte es nicht gelegen. Der 40-Jährige könnte sogar zu einer Dauerlösung bei den Kraichgauern werden. "Die Niederlage bedeutet nicht, dass die Arbeit in der Woche von Frank nicht gut genug war", sagte der Manager des Tabellen-16.: "Im Gegenteil. Die Qualität des Trainings und die richtige Einstellung waren da."

Demonstrative Unterstützung

Müller unterstützte den bisherigen U23-Coach demonstrativ und betonte, dass er durchaus Chancen auf den Cheftrainer-Posten besitzt. Die laufende Ausbildung Kramers zum Fußballlehrer sieht Müller jedenfalls nicht als ein Hindernis an. Dennoch ist bei der Suche nach einem neuen Cheftrainer auch weiterhin eine externe Lösung möglich.

Kramer gab sich derweil in seinem blauen Trainingsanzug als Fußball-Gentlemen und sagte mit ruhiger Stimme, dass er sich um seine Person "keine Gedanken" mache. Ihm spukte wohl schon die Mammutaufgabe gegen Borussia Dortmund am kommenden Wochenende im Kopf herum. "Es gibt viele Dinge, die wir verbessern können", sagte der frühere Nationalspieler Andreas Beck: "Das war eine sehr zähe Partie von uns."

Ohne Biss und Zweikampfverhalten

In Hamburg zeigte sein Team, das durch eine defensive Dreierkette vor der Abwehr an Stabilität gewinnen sollte, eine ordentliche Anfangsviertelstunde. Das war es dann aber auch. Spätestens nach dem Führungstor von HSV-Stürmer Artjoms Rudnevs (27.) fehlte vor 48.121 Zuschauern in Hamburg der Biss und jegliches Zweikampfverhalten im Mittelfeld. Der zweite Treffer von Rudnevs (74.) entschied das Spiel. Ein Aufbäumen? Fehlanzeige!

Was die Fans der TSG vermissten, war dem HSV an einem ohnehin schon anstrengenden Abend nur recht. Denn als die Hanseaten ihre eigentliche Arbeit kurz nach 22 Uhr erledigt hatten, fing der Stress erst wirklich an. Trainer Thorsten Fink spurtete zur Pressekonferenz und freute sich noch schnell über die Stabilität, die der HSV beim dritten Heimsieg in Folge nachgewiesen hatte. Doppelpacker Rudnevs durfte nur in Fragmenten und mit ständigem Blick auf die Uhr erklären, wie er mit seiner Kopfball-Bogenlampe zur Führung getroffen hatte. "Jetzt zahlt sich das individuelle Training aus", sagte der Lette und fügte schmunzelnd hinzu: "Die Reise wird nun etwas lustiger."

32 Flugstunden bis Dienstag

Noch vor Mitternacht setzten sich die einsatzbereiten HSV-Profis in eine Chartermaschine mit dem Ziel Brasilien, Milan Badelj fehlte aufgrund einer Muskelverletzung. Insgesamt 32 Flugstunden legen die Hamburger bis zur Heimkehr am frühen Dienstag zurück, zwischendurch spielt Finks Elf 90 Minuten Fußball gegen Gremio Porto Alegre bei mehr als 30 Grad. 825.000 Euro entschädigen die klammen Hanseaten für die große Belastung vor dem Duell bei Bayer Leverkusen am kommenden Samstag.

"Das macht jetzt nach dem Sieg alles etwas mehr Spaß", sagte Fink, "wir wollen dem Verein finanziell etwas Gutes tun." Nöte, die 1899 Hoffenheim nicht hat. Dafür hakt es auf dem Rasen an allen Ecken und Ende.

Welches Team beschäftigte die meisten Trainer in der Bundesliga-Geschichte?
Frage 1 von 20
Quelle: sid/jr
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