07.12.12

Kölner Hooligans

Kadlec zufrieden mit dem Strafmaß seiner Peiniger

Der im April von zwei Disco-Schlägern verprügelte Leverkusener Fußballprofi Michal Kadlec zeigt sich mit Urteil gegen zwei Kölner Hooligans zufrieden. Die Täter müssen hohe Strafen zahlen.

Foto: pa/dpa/CTK
Michal Kadlec
Michal Kadlec musste nach dem Angriff der beiden Kölner Hooligans eine Gesichtsmaske tragen

Am Ende der Beweisaufnahme erteilte Richter Hans-Werner Riehe den beiden Angeklagten das letzte Wort. Bis dahin hatten sie geschwiegen und ihre Verteidiger Tateingeständnisse verlesen lassen. Nun hob David Z. den Kopf, schaute Michal Kadlec, der ihm in fünf Metern Entfernung gegenüber saß, an und sagte: "Es tut mir leid, das war peinlich." Kadlec biss sich auf die Lippen, nickte leicht, zumindest zur Kenntnis genommen hat er die Entschuldigung. Remigius W., der zweite Angeklagte, nuschelte irgendetwas in Richtung Kadlec, was nicht zu verstehen war, obwohl Saal 219 des Kölner Amtsgerichts winzig ist.

Täter beschimpften Kadlec als "Leverkusen-Fotze"

Verhandelt wurde hier am Freitag die Attacke zweier Fans des Fußball-Zweitligisten 1. FC Köln auf Kadlec, der für den rheinischen Rivalen Bayer Leverkusen spielt. Das war sein Problem in jener Nacht zum 22. April. Der 27-Jährige war in Begleitung seiner Freundin nach dem Besuch der Kölner Diskothek "Ivory" von dem Duo angegriffen worden. Einer der beiden Täter beschimpfte Kadlec als "Leverkusen-Fotze", dann schlug der 24 Jahre alte W. dem Spieler von hinten gegen den Hinterkopf. Nachdem sich Kadlec umgedreht hatte, schlug ihm Z., 20, mit der Faust ins Gesicht. Der gebürtige Tscheche erlitt einen Nasenbeinbruch, er kam ins Krankenhaus. Zweimal musste er operiert werden und wochenlang eine Gesichtsmaske tragen, zudem verpasste er das letzte Saisonspiel.

In der von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung schilderte Z., wie er mit seinem Freund vor dem "Ivory" gewartet hatte, um den ersten von mehreren anwesenden Bayer-Profis zu attackieren. Sie hätten die Grenzen der Rivalität damit deutlich überschritten: "Es war eine schwachsinnige Idee."

Gericht folgt dem Plädoyer des Staatsanwalts

Richter Riehe verurteilte W., der strafrechtlich bislang nicht in Erscheinung getreten war, zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe und 80 Sozialstunden. Z. wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt und erhielt ebenfalls 80 Sozialstunden sowie eine Bewährungsstrafe. Er musste sich auch wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss verantworten. Z. stand bereits in der Vergangenheit wegen verschiedener Delikte vor Gericht. Im Juli war er zu Sozialstunden verurteilt worden, weil er einen Taxifahrer um den Fahrpreis betrogen und ihn bedroht hatte. Von den damals auferlegten 50 Sozialstunden hatte er bis Freitag erst zwei abgeleistet und die offene Taxi-Rechnung noch nicht beglichen. Er gab an, den Brief mit der Kontonummer verloren zu haben.

Mit seinem Urteil folgte das Gericht dem Plädoyer des Staatsanwalts. Strafmildernd kam den Angeklagten zugute, dass sie ein Geständnis ablegten und Reue zeigten. "Dieses Urteil war gut für unseren Sport. Gewalt und Fußball passen nicht zusammen. Es hat in der letzten Zeit einige Vorfälle dieser Art gegeben, ich hoffe, dass sich nun etwas ändert", sagte Kadlec.

Schadensersatzforderungen in sechsstelliger Höhe

Viel schwerer als die strafrechtlichen werden für die Täter die zivilrechtlichen Folgen wiegen. Bayer Leverkusen forderte 96.000 Euro Schadensersatz, Kadlec 5000 Euro Schmerzensgeld. "Wir haben diese Ansprüche akzeptiert, um einen Zivilprozess zu vermeiden", sagte Verteidiger Christian Steinkrüger der Berliner Morgenpost. Bayer und Kadlec haben damit einen 30 Jahre lang vollstreckbaren Titel. Diese Folgen könnten, so hofft Kadlec' Verteidigerin Monika Müller-Laschet, auch eine "generalpräventive Wirkung" für Fußball-Chaoten haben.

Vermutlich wird es aber sehr lange dauern, ehe Geld fließt. Die beiden Verurteilten sind arbeitslos und wohnen noch bei ihren Eltern.

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