06.12.12

Titelverteidiger raus

Warum Chelseas Debakel keine Überraschung ist

Erstmals in der Geschichte der Champions League verpasst mit dem FC Chelsea ein Titelverteidiger das Achtelfinale. Das historische Debakel steht symbolisch für die schwächelnde Premier League.

Foto: Getty Images
Fernando Torres
Am Boden: Für Fernando Torres und den FC Chelsea geht es im nächsten Jahr nur in der Europa League weiter

Rafael Benitez erhob sich von seinem Sitz, schüttelte dem Kollegen vom dänischen Meister FC Nordsjaelland kurz die Hand und verschwand in der Kabine. Der Trainer des FC Chelsea hatte genug gesehen und vor allem gehört. 6:1 (2:0) hatten die Londoner am Mittwochabend gewonnen, doch es war ein Sieg ohne Wert. Weil Juventus Turin parallel in Donezk 1:0 gewonnen hatte, ist erstmals seit der Einführung des Wettbewerbs 1992 der Titelverteidiger bereits in der Gruppenphase der Champions League gescheitert.

Einige Chelsea-Anhänger quittierten das historische Aus mit Pfiffen. Dabei galt ihr Unmut weniger der Mannschaft, sondern dem ungeliebten Trainer, der aber kaum für das Scheitern zur Verantwortung gezogen werden kann. Denn Benitez war erst am 21. November engagiert worden und hatte den neuen Arbeitgeber am Mittwochabend erstmals in der Champions League betreut.

Doch die Fans verübeln dem Spanier noch immer eine Aussage aus dem Jahr 2007. Damals sagte er: "Chelsea ist ein großer Verein mit tollen Spielern, doch ich würde niemals dort arbeiten. Für mich gibt es in England nur den FC Liverpool."

Chelseas Fans fordern Mourinho zurück

Wie schon in den ersten drei Partien unter seiner Leitung in der Premier League hielten viele Chelsea-Fans auch am Mittwochabend im Stadion an der Stamford Bridge Schilder mit der Aufschrift "Rafa out" in die Höhe. Auf einem stand an die Adresse von Klubbesitzer Roman Abramowitsch geschrieben: "Bring back the special one". Damit ist kein geringerer als Jose Mourinho gemeint. Der portugiesische Trainer, der von 2004 bis 2007 bei Chelsea tätig war und seit 2010 Real Madrid betreut, wird noch heute von den Anhängern verehrt. Mit Mourinho hatte der FC Chelsea 2005 und 2006 die englische Meisterschaft gewonnen.

Chelseas Scheitern in der Gruppenphase, in der das Team 16 Tore erzielt hat, die meisten aller 32 Teilnehmer, ist ein Spiegelbild des englischen Vereinsfußballs. Die Premier League als vermeintlich stärkste Liga der Welt ist in der K.o.-Runde wie im Vorjahr nur mit zwei Vereinen vertreten. Im vorigen Jahr hatte es Manchester United und Manchester City erwischt, diesmal mussten erneut die "Citizens" und Chelsea dran glauben. Nur der FC Arsenal und "ManU" schafften es ins Achtelfinale.

Es wird nicht wenige Fans in Europa geben, die Chelseas Aus mit Genugtuung registriert haben werden. Denn bei allem Respekt vor dem Gewinner der Champions League im Mai dieses Jahres, waren es garantiert nicht nur die Anhänger der damals im Elfmeterschießen unterlegenen Bayern, die Chelseas Triumph als ungerecht empfunden haben. Die Londoner hatten erst im Halbfinale den FC Barcelona mit antiquiertem Fußball in die Schranken gewiesen und dann auch noch im Finale mit nur einer Torchance den Weg zum Sieg geebnet. Die Effizienz in allen Ehren, aber ansehnlich waren die Auftritte des FC Chelsea nicht.

Zehn Punkte Rückstand auf Platz eins

Doch das Glück, das die Londoner für sich gepachtet hatten, ist inzwischen aufgebraucht. In der Premier League beträgt der Abstand des Tabellendritten auf Spitzenreiter Manchester United (36 Punkte) nach 15 Spieltagen immerhin schon zehn Zähler. Und selbst mit dem neuen Trainer Benitez lief es bislang nicht besser als mit dessen Vorgänger Roberto di Matteo.

Die Krise, aus der Benitez den FC Chelsea führen sollte, hat sich – mal abgesehen von dem hohen Sieg über die Dänen – noch weiter verschärft. Lediglich zwei Punkte hat Chelsea aus den Premier-League-Partien gegen Manchester City (0:0), den FC Fulham (0:0) und West Ham United (1:3) geholt.

Für das Aus in der Königsklasse machten die englischen Medien am Tag danach vor allem Klubbesitzer Abramowitsch verantwortlich. "Roman hat sein eigenes Reich zerstört", schrieb die Zeitung "The Sun": "Das ist der Preis für ein paar erschütternde Managementfehler von Abramowitsch und seinen Direktoren." Häme gab es hingegen für Trainer Benitez: "Armer, alter Rafa. Selbst wenn er gewinnt, verliert er", schrieb der "Daily Mirror".

Kein glanzvoller Sieg trotz sechs Toren

Es bleibt also nur noch die Europa League, in der der FC Chelsea etwas für seine Reputation tun kann. Gegen Nordsjaelland wurden zwar sechs Tore erzielt, doch ein glanzvoller Sieg war es nicht. Das Aufregendste an dieser Partie waren die drei Handelfmeter in den ersten 45 Minuten, ein einmaliges Vorkommnis in der Geschichte der Champions League. Zuerst war Gästekapitän Nicolai Stokholm an Torwart Petr Cech (32. Minute) gescheitert, ehe 180 Sekunden später Jungstar Eden Hazard im Duell mit dem dänischen Schlussmann Jesper Hansen versagte.

Erst David Luiz schaffte mit dem dritten Versuch vom Punkt in der 38. Minute das erlösende 1:0. Fernando Torres (45.+2, 56.), Cahill (51.), Juan Mata (63.) und Oscar (71.) erzielten die weiteren Treffer für Chelsea – Joshua John (47.) hatte zwischendurch auf 1:2 verkürzt.

Trotz des Ausscheidens versuchte Rafael Benitez, dem Erfolg etwas Positives abzugewinnen. "Wenn wir auf diesem Niveau spielen, können wir alles gewinnen, was wir wollen", sagte der Spanier, dessen Landsmann Fernando Torres erstmals nach 562 torlosen Minuten wieder getroffen hatte. Die Europa League, in der Chelsea nun spielen müsse, sei zwar nicht der beste Wettbewerb auf der Welt, "aber wenn du sie gewinnst, ist sie wichtig", sagte Benitez.

Welches Team gewann als erstes die Champions League?
Frage 1 von 17
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Bei den Lohnverhandlungen gab es eine Einigung bei den BVG
12:58Lohnverhandlungen
BVG zahlt höhere Löhne - Streikgefahr abgewendet

In den festgefahrenen Tarifverhandlungen bei den Berliner Verkehrsbetrieben gab es einen Kompromiss. Die Löhne sollen in drei Schritten bis 2015 erhöht werden. mehr...


An der Fleischtheke eines Supermarktes starb der 82 Jahre alte Marcel M.
14:27Mord an Fleischtheke
Mutmaßlicher Messerstecher – Hausmeister fühlte sich bedroht

Marcel M. starb mit 82 Jahren, nachdem er an der Fleischtheke niedergestochen wurde. Den mutmaßlichen Täter kennen die meisten Nachbarn nicht, ein Hausmeister erinnert sich aber an eine Begegnung. mehr...


Rocket-Internet-Geschäftsführer Alexander Kudlich in der Firmenzentrale in Mitte
13:32Rocket Internet
100 Millionen Dollar für Expansion von Zalando-Klon Zalora

Der von Rocket Internet nach dem Zalando-Vorbild in Südostasien gegründete Modeversender Zalora geht auf Expansionskurs. Finanziert von Kinnevik, Summit Partners und Tengelmann. mehr...


Maskierte Polizisten durchsuchen wegen des Verdachts der Bildung einer linksextremistischen Vereinigung ein Haus in Magdeburg
13:28Kriminalität
Hausdurchsuchungen bei mutmaßlichen Linksextremisten

In Berlin und Magdeburg hat die Polizei Objekte von mutmaßlichen Linksextremisten durchsucht. Dabei soll es sich um eine Gruppe handeln, die mehrere Sprengstoffanschläge in Berlin verübt. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Oklahoma Wiedersehen nach dem schweren Tornado
Xbox One Microsoft stellt neue Spielkonsole vor
Iran Rafsandschani darf bei Wahl nicht antreten
US-Kongress Apple verteidigt Steuersparmodell
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote