05.12.12

Toter Linienrichter

Täter drohten offenbar schon vor Wochen mit Mord

Im Fall des in den Niederlanden zu Tode geprügelten Linienrichters kommen neue Details ans Licht. Die Täter sollen schon im Oktober einem gegnerischen Trainer gedroht haben, ihn umzubringen.

Nach dem gewaltsamen Tod eines Linienrichters im niederländischen Amateur-Fußball kommen weitere Details ans Licht, auch der nationale Verband KNVB gerät dabei unter Druck. Mehr Jugendliche als bislang vermutet sollen an der tödlichen Prügelattacke auf den Schiedsrichter-Assistenten Richard Nieuwenhuizen beteiligt gewesen sein.

Zudem waren die mutmaßlichen Täter wohl keine Unbekannten - umso vermeidbarer scheint der tragische Tod des erst 41 Jahre alten Mannes, der am Montag im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag.

Fünf statt wie bislang vermutet drei Jugendliche sollen Nieuwenhuizen am Sonntag nach dem Spiel von Nieuw-Sloten beim SC Buitenboys in Almere angegriffen haben, das berichtet die Tageszeitung "Telegraaf". Die mutmaßlichen Täter im Alter von 15 und 16 Jahren sind allesamt Spieler Nieuw-Slotens.

Verband reagierte nicht hart genug

Im niederländischen Jugendfußball ist der Klub aus der Nähe Amsterdams anscheinend kein unbeschriebenes Blatt: Ehrenamtliche Helfer anderer Amateur-Klubs erhoben schwere Vorwürfe gegen den KNVB.

Auf frühere Taten von Spielern der Jugendmannschaften Nieuw-Slotens habe der Verband demnach nicht hart genug reagiert, obwohl die Schiedsrichter sie in ihren Berichten deutlich geschildert hätten. So soll es schon im Oktober zu einem bemerkenswerten Zwischenfall gekommen sein. Akteure der inzwischen vom Spielbetrieb ausgeschlossen B1 von Nieuw-Sloten sollen damals Morddrohungen gegen den Trainer des FC Almere ausgesprochen haben.

Trainer flüchtete ins Vereinsheim

"Wenn du nicht schon über 50 wärst, würden wir dich totschlagen", so der kolportierte Wortlaut, der Mann sei daraufhin ins Vereinsheim geflüchtet. Zum Rückspiel traten die Spieler aus Almere aus Angst nicht mehr an. Trotz eindeutiger Vermerke der Schiedsrichter seien die aufgeführten Zeugen nach diesem und ähnlichen Vorfällen nicht angehört worden, so der Vorwurf an den Verband. Der KNVB habe nach der Papierlage bestraft.

Der tragische Fall von Almere rückt eine bekannte Diskussion um Gewaltexzesse in den unteren Ligen der Niederlande erneut ins Licht. Zuletzt verfolgte der Verband diese keineswegs untätig. Wie der KNVB bereits im August mitteilte, schloss er im Verlauf der vergangenen Saison wegen Gewalttätigkeiten insgesamt 105 Mannschaften aus den Amateurligen aus, allein 74 Akteure wurden lebenslänglich gesperrt. Nach harter Kritik am Ausschluss ganzer Mannschaften soll die Suspendierung von Teams allerdings nur noch in allerletzter Konsequenz vorgenommen werden.

Donnerstag Termin beim Haftrichter

Auch viele andere Sportler zeigten sich schockiert von dem Vorfall. Die niederländischen Verbände für Schwimmen (KNZB), Volleyball (Nevobo) und Eishockey (NIJB) riefen zu einer Schweigeminute am Wochenende auf.

"Wir sind schockiert und auch wütend, dass ehrenamtliche Helfer bei ihrer Tätigkeit von solch einer Gewalt getroffen werden können. Wir rufen alle Mitglieder auf, respektvoll mit allen ehrenamtlichen Helfern wie Schiedsrichtern und Jury-Mitgliedern umzugehen", erklärte KNZB-Direktor Jan Kossen.

Auch in Deutschland reagierten die Schiedsrichter-Verantwortlichen mit Bestürzung auf den gewaltsamen Tod. Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel sagte DFB.de: "Ich war schockiert, betroffen, erschüttert. Was in den Niederlanden passiert ist, ist ein schlimmes Gewaltverbrechen."

Drei Jugendliche sitzen derzeit in Isolationshaft und werden von der Staatsanwaltschaft Amsterdam wegen Totschlags angeklagt. Am Donnerstag sollen sie dem Richter vorgeführt werden. Weitere Verhaftungen wurden bislang nicht vorgenommen.

Quelle: sid/SUF
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