03.12.12

Real Madrid

"Scheidung" – Trainer Mourinho vor Abschied

Die Beziehung zwischen Real Madrid und Trainer Jose Mourinho geht zu Ende. Das berichten spanische Medien. Seine Show vor dem Punktspiel am Wochenende soll das Fass zum Überlaufen gebracht haben.

Foto: REUTERS

Solch einen Auflauf gab es bei Real Madrid 40 Minuten vor Anpfiff selten. Der angeschlagene Trainer Jose Mourinho hatte angekündigt, zu diesem Zeitpunkt allein aufs Spielfeld zu treten, damit die Unzufriedenen ihn in aller Ruhe auspfeifen können.

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Der Abschied von Trainer Jose Mourinho vom spanischen Fußball-Rekordmeister Real Madrid rückt offenbar näher. "Divorcio", Scheidung, titelte das gewöhnlich gut informierte Sportblatt "Marca" am Montag. Und: "Der Zyklus Mou nimmt sein Ende."

Demnach werde der 49 Jahre alte Portugiese in der kommenden Saison trotz laufenden Vertrages bis 2016 nicht mehr Coach der Königlichen sein. Grund für den bevorstehenden Abschied soll die zerrüttete Beziehung Mourinhos zu Präsident Florentino Perez sein.

Mourinhos Aktion sei "Selbstmord" gewesen

Perez (65) halte Mourinhos jüngste Provokation beim Derby gegen Atletico (2:0) am vergangenen Samstag für "Selbstmord", schrieb die Zeitung weiter. "The Special One" hatte sich vor der Partie – wie angekündigt – extra früh dem Votum der Fans gestellt.

Um 21.20 Uhr betrat er den Rasen zur "Volksabstimmung", allerdings waren zu diesem Zeitpunkt, 40 Minuten vor Spielbeginn, nur rund 3000 Wahlberechtigte erschienen. Von denen erntete Mourinho einige Pfiffe, aber auch höflichen Applaus. Vom voll besetzten Bernabeu hatte er zuletzt meist laute Pfiffe zu hören bekommen.

"Ich bin auf den Platz gegangen, weil ich es vorzog, vor dem Spiel ausgepfiffen zu werden", verteidigte Mourinho seine Aktion am Montagmittag bei der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Spiel gegen Ajax Amsterdam am Dienstag.

Streit mit Perez eskaliert

Es war nicht das erste Mal, dass der Coach Perez mit seiner exzentrischen Art gegen sich aufbrachte. Mourinho lieferte sich mit Sergio Ramos über Wochen einen Kleinkrieg. Zu Torhüter Iker Casillas, einer Klub-Ikone, wird Mourinho ebenfalls ein schwieriges Verhältnis nachgesagt.

Mit der öffentlichen Fehde mit Alberto Toril, Trainer der zweiten Mannschaft, machte er sich weitere Feinde im eigenen Lager. Spätestens, als sich Mourinho kürzlich mit Perez darüber stritt, ob Real einen offiziellen Sprecher brauche, eskalierte die Situation.

Mourinho schweigt zu seiner Zukunft

"Ich will dieser Sache keine Nahrung geben", sagte der gereizt wirkende Trainer am Montag. Sein Verhältnis zu "Florentino", wie er den Boss nannte, sei gut. Über seine Zukunft, ergänzte Mourinho, wolle er aber nicht reden.

Auch ein möglicher Triumph in der Champions League dürfte Mourinho, seit 2010 im Amt, nicht mehr retten. In Madrid rechnen sie ohnehin längst damit, dass Mourinho selbst gar kein Interesse mehr daran hat, seinen Vertrag zu erfüllen. Paris St. Germain strebt angeblich einen Doppeldeal mit Cristiano Ronaldo an. "Das einzige, woran ich bei Paris denke, ist, dass es ein möglicher Gegner in der Champions League ist", sagte Mourinho am Montag.

Für Özil ist Real das einzig Wahre

Wie Mourinho hat auch Reals deutscher Spielmacher Mesut Özil einen Vertrag bis 2016 – und den will er allen Spekulationen zum Trotz erfüllen. Sein Desinteresse an anderen Klubs begründete er im Fachmagazin "kicker" mit der Rückendeckung Mourinhos und den Rahmenbedingungen bei Real. "Ich muss Vertrauen spüren und mich wohlfühlen bei dem, was ich täglich tue. Das ist wichtig. Und beides spüre ich. Ich habe einen Vertrag bis 2016, will bleiben und Titel gewinnen."

Seine persönliche Situation bei Real stellt den früheren Bremer trotz anhaltender Kritik an seinen Leistungen und mäßigen Erfolgs mit den Königlichen zufrieden. "Ich habe diese Saison sehr viele Spiele von Beginn an gemacht. Dieses Vertrauen des Trainers sagt genug aus", sagte der 24-Jährige.

Möglich, dass er sich dieses Vertrauen bald bei einem neuen Übungsleiter erarbeiten muss.

Quelle: sid/mh
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