19.11.12

Alarmierender Report

Immer mehr Gewalt in deutschen Fußballstadien

Viele Fangruppierungen bezweifeln, dass es heute zu mehr Gewalttaten in deutschen Fußballstadien kommt als früher. Dieses Argument ist nun offiziell entkräftet: Die Tendenz ist Besorgnis erregend.

Foto: Bongarts/Getty Images
Hansa Rostock Fans
Der Drittligaklub Hansa Rostock hat immer wieder mit gewalttätigen Fans Probleme

Dass das Opfer mittlerweile außer Lebensgefahr ist, ist die einzige gute Nachricht im "Fankrieg", der zwischen Hertha BSC und Hansa Rostock tobt. Am Wochenende wurde ein Rostocker Fan auf dem Berliner Hauptbahnhof niedergestochen. Dass er überlebte, war Glück – mehr nicht.

Es ist der traurige Höhepunkt einer Gewaltspirale. Zwar bezweifeln diverse Fangruppierungen, dass es heute zu mehr Vorfällen kommt als früher. Doch das Argument ist nun offiziell entkräftet. Die "Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze" (ZIS), die bundesweit Gewalttäter rund um Sportereignisse beobachtet, hat nun ihren Bericht für die Fußballsaison 2011/12 fertiggestellt.

Danach gab es bei Spielen der ersten vier Ligen 1516 Verletzte, diese Zahl liegt um 120 Prozent über dem Durchschnittswert der vergangene zwölf Jahre. Auch die Anzahl der Straftaten stieg an, mit 8143 Vorfällen lag der Wert um 40 Prozent über dem der Vorsaison. 16.479 Hooligans hat die ZIS erfasst – auch diese Zahl liegt über den Vorjahreswerten.

Vor diesem Hintergrund kommt dem Projekt "Sicheres Stadionerlebnis" der Deutschen Fußball Liga (DFL) eine noch größere Bedeutung zu. Auf Druck der Innenminister hatte der Ligaverband ein Konzept entwickelt, das die Gewalt einschränken soll. Dagegen waren Fangruppen Sturm gelaufen, und einige Vereine wie Union Berlin, Hertha BSC und der VfL Wolfsburg hatten sich öffentlich dagegen ausgesprochen. Nun hat die DFL eine entschärfte Version herausgegeben und zur Diskussion gestellt.

Am 12. Dezember müssen die Profiklubs auf ihrer Mitgliederversammlung über das Konzept abstimmen. Sollten sich die Vereine nicht auf eine gemeinsame Lösung einigen, droht dem Fußball der Verlust seiner Autonomie. Dann könnte die Politik einschreiten, und die drohte bereits mit Geisterspielen, Spielabsagen und die Abwälzung der Polizeikosten auf die Klubs.

"Im Grundgesetz wird den Verbänden und Vereinen garantiert, dass sie ihre Angelegenheiten selbst regeln können. Hier stehen wir in der Verantwortung. Diesen Spielraum dürfen wir nicht verlieren, darum müssen wir den schmalen Grat finden, der uns das Einverständnis der Innenminister und gleichzeitig die Autonomie des Sports sichert", sagte Ligapräsident Reinhard Rauball der Berliner Morgenpost.

Die Polizeigewerkschaft GdP fordert mit Blick auf die alarmierenden ZIS-Zahlen derweil ein konsequenteres Vorgehen gegen die Täter. "Die Rädelsführer der Fußballgewalt müssen isoliert und es muss ihnen das Handwerk gelegt werden", sagte der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut. "Wenn der Gewaltspirale die Spitze gebrochen werden soll, müssen sich Vereine und Sicherheitsbehörden auf diejenigen konzentrieren, die besonders innerhalb der 'Ultra'-Gruppierungen die Aggressivität anheizen."

Reaktionen zu den Krawallen der Dynamo-Fans

Randale, Pyrotechnik, 16 Festnahmen: Im DFB-Pokal stürmen am 31. Oktober 2012 Dresdner Fans das Stadion in Hannover. Die Reaktionen auf den Vorfall:

 

Reinhard Rauball (Liga-Präsident)

 

"Man muss deutlicher unterscheiden zwischen den Dingen, die im Stadion passieren und den Dingen, die auf den Anfahrtswegen und außerhalb des Stadions passieren. Das Problem ist eben das, was außerhalb der Stadien passiert. Man muss differenzieren, ob es Fans oder potenzielle Straftäter sind."

 

Helmut Sandrock (DFB-Generalsekretär)

 

"Das sind Bilder, die wir nicht sehen wollen. Es ist Aufgabe der Sportgerichtsbarkeit, entsprechende Maßnahmen zu treffen. Jetzt muss man die Vorfälle sauber analysieren, und ich bin mir sicher, dass es dann zu einem entsprechenden Ergebnis kommen wird."

 

Jürgen Klopp (Trainer Borussia Dortmund)

 

"Es geht nicht darum, einen Verein auszuschließen. Dynamo Dresden hat so viele Fans, denen es nur um Fußball geht. Aber das Thema muss man angehen, ganz klar. Wir können uns auch nicht davon freisprechen, dass bei uns schon Dinge geschehen sind, die maximal zweit- oder drittklassig gewesen sind."

Thorsten Fink (Trainer Hamburger SV)

"Die Maßnahmen müssen noch drastischer werden. Gewalt im Stadion brauchen wir genauso wenig wie ein Loch im Kopf. Man will ja noch mit der Familie ins Stadion gehen können."

 

 

Horst Heldt (Sportvorstand Schalke 04)

"Das was passiert ist, ist nicht zu akzeptieren. Man darf aber nicht pauschalisieren, von den 10.000 Dresden-Fans waren 9500 in Ordnung."

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