19.11.2012, 13:55

Alarmierender Report Immer mehr Gewalt in deutschen Fußballstadien

Arminia Bielefeld v Hansa Rostock - 3. Liga

Foto: Bongarts/Getty Images

Von Lars Wallrodt

Viele Fangruppierungen bezweifeln, dass es heute zu mehr Gewalttaten in deutschen Fußballstadien kommt als früher. Dieses Argument ist nun offiziell entkräftet: Die Tendenz ist Besorgnis erregend.

Dass das Opfer mittlerweile außer Lebensgefahr ist, ist die einzige gute Nachricht im "Fankrieg", der zwischen Hertha BSC und Hansa Rostock tobt. Am Wochenende wurde ein Rostocker Fan auf dem Berliner Hauptbahnhof niedergestochen. Dass er überlebte, war Glück – mehr nicht.

Es ist der traurige Höhepunkt einer Gewaltspirale. Zwar bezweifeln diverse Fangruppierungen, dass es heute zu mehr Vorfällen kommt als früher. Doch das Argument ist nun offiziell entkräftet. Die "Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze" (ZIS), die bundesweit Gewalttäter rund um Sportereignisse beobachtet, hat nun ihren Bericht für die Fußballsaison 2011/12 fertiggestellt.

Danach gab es bei Spielen der ersten vier Ligen 1516 Verletzte, diese Zahl liegt um 120 Prozent über dem Durchschnittswert der vergangene zwölf Jahre. Auch die Anzahl der Straftaten stieg an, mit 8143 Vorfällen lag der Wert um 40 Prozent über dem der Vorsaison. 16.479 Hooligans hat die ZIS erfasst – auch diese Zahl liegt über den Vorjahreswerten.

Vor diesem Hintergrund kommt dem Projekt "Sicheres Stadionerlebnis" der Deutschen Fußball Liga (DFL) eine noch größere Bedeutung zu. Auf Druck der Innenminister hatte der Ligaverband ein Konzept entwickelt, das die Gewalt einschränken soll. Dagegen waren Fangruppen Sturm gelaufen, und einige Vereine wie Union Berlin, Hertha BSC und der VfL Wolfsburg hatten sich öffentlich dagegen ausgesprochen. Nun hat die DFL eine entschärfte Version herausgegeben und zur Diskussion gestellt.

Am 12. Dezember müssen die Profiklubs auf ihrer Mitgliederversammlung über das Konzept abstimmen. Sollten sich die Vereine nicht auf eine gemeinsame Lösung einigen, droht dem Fußball der Verlust seiner Autonomie. Dann könnte die Politik einschreiten, und die drohte bereits mit Geisterspielen, Spielabsagen und die Abwälzung der Polizeikosten auf die Klubs.

"Im Grundgesetz wird den Verbänden und Vereinen garantiert, dass sie ihre Angelegenheiten selbst regeln können. Hier stehen wir in der Verantwortung. Diesen Spielraum dürfen wir nicht verlieren, darum müssen wir den schmalen Grat finden, der uns das Einverständnis der Innenminister und gleichzeitig die Autonomie des Sports sichert", sagte Ligapräsident Reinhard Rauball der "Welt".

Die Polizeigewerkschaft GdP fordert mit Blick auf die alarmierenden ZIS-Zahlen derweil ein konsequenteres Vorgehen gegen die Täter. "Die Rädelsführer der Fußballgewalt müssen isoliert und es muss ihnen das Handwerk gelegt werden", sagte der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut. "Wenn der Gewaltspirale die Spitze gebrochen werden soll, müssen sich Vereine und Sicherheitsbehörden auf diejenigen konzentrieren, die besonders innerhalb der 'Ultra'-Gruppierungen die Aggressivität anheizen."

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