16.11.12

Bayern-Präsident

Uli Hoeneß kämpft um seine Oase der Ruhe

Der wiedergewählte Bayern-Präsident lobt Jupp Heynckes – offenbar steht der Trainer vor einer Vertragsverlängerung. Christian Nerlingers Verpflichtung als Manager sieht er im Nachhinein als Fehler.

Das Freibier stand bereit, doch es gab noch etwas zu besprechen. Am Ende der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München betrat ein Fan die Bühne und forderte das Präsidium auf, den Mitgliedsbeitrag von 60 Euro auf 61 Euro zu erhöhen. Der aktuelle Betrag erinnere ihn zu sehr an den ungeliebten Lokalrivalen 1860 München. Applaus, Vorschlag notiert. Ein anderes Mitglied in bayrischer Tracht las ein Gedicht vor, und ein Redner rundete die Folklore mit einem Satz zur Vereinsführung ab: "Macht's weiter so, ihr macht's uns froh."

Und reich. Der Fußball-Rekordmeister hatte zuvor wieder mal Rekordzahlen vermeldet: Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte er 11,1 Millionen Euro Gewinn und steigerte sein Eigenkapital auf 278,3 Millionen Euro. "Kein anderer Verein der Welt kann ohne größte Unterstützung seiner Besitzer solche Zahlen vorweisen", sagte Uli Hoeneß.

Freibier als Dankeschön

Der Klubpräsident strahlte. Die Mitglieder hatten ihn an diesem Abend mit riesiger Mehrheit wiedergewählt, er ist für weitere drei Jahre Vorsitzender. Hoeneß freut sich vor allem über die Harmonie, die vor dem Bundesligaspiel beim 1. FC Nürnberg am Samstag (15.30 Uhr, Sky und welt.de) im Verein herrsche. Und hatte aus Dank dafür Freibier organisieren lassen. "Der FC Bayern ist eine Oase der Ruhe", so Hoeneß.

Seine Botschaft: Diese Oase lasse ich mir nicht kaputt machen. Erst recht nicht von Kritikern wie Ex-Trainer Louis van Gaal oder Theo Zwanziger, bis vor kurzem Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Zwanziger beschreibt Hoeneß in seinem gerade erschienenen Buch als respektlosen Macho und kritisiert ihn beinahe täglich in Interviews. "Ich musste mich sehr zusammennehmen. Mein Geduldsfaden ist so gespannt wie lange nicht. Es dauert nicht mehr lange, bis er reißt", so Hoeneß. Er wolle die Ruhe im Verein nicht mit einer Schlammschlacht stören – schickt aber eine Warnung an Zwanziger: "Ich kommentiere die Aussagen nicht. Es sei denn, der Bogen wird überspannt."

Die Familie muss zusammenhalten

Hoeneß begreift den FC Bayern als große Familie, und diese Familie müsse zusammenhalten, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Sie dürfe sich nicht treiben lassen. Trotz der Tabellenführung in der Liga und den wirtschaftlichen Erfolgen muss der Klub sich entwickeln. Jupp Heynckes sieht Hoeneß dabei als gutes Beispiel.

Er ist der Meinung, dass der Anteil des Trainers an dem Erfolg nicht genug gewürdigt wird. In der Rangliste des europäischen Fußballverbandes Uefa belegt der FC Bayern vor Real Madrid den dritten Platz, besser sind nur der FC Barcelona und Manchester United. "Jupp Heynckes hat eine Einheit geformt. Es ist keine Ansammlung von Stars, sondern eine homogene Truppe", so Hoeneß. Heynckes habe die richtigen Schlüsse aus der titellosen Vorsaison gezogen.

Auffälliges Lob für Heynckes

Das Lob der Vereinsführung für Heynckes in den vergangenen Wochen ist auffällig. In der Winterpause werden sie mit dem Trainer besprechen, ob er seinen im Sommer endenden Vertrag verlängert. Derzeit spricht vieles dafür. Heynckes wird im Mai 68 Jahre, doch das Alter spielt für ihn keine Rolle. Am Donnerstagmittag hatte er die Erkältung auskuriert. "Ich bin ja relativ jung und vital", so Heynckes. Die Arbeit mit der Mannschaft erfüllt ihn, das ist jeden Tag zu spüren. Den Rekordgewinn will der Trainer nicht für Zugänge in der Winterpause nutzen, er sieht keinen Bedarf.

Hoeneß denkt längst über die Besetzung des Trainerpostens hinaus. Ihn umtreibt die Frage, wer langfristig den Verein führt. Seinen FC Bayern, sein Lebenswerk. Es ist eines der wenigen Themen, bei denen Hoeneß ernst blickt. "Der Verein ist im personellen Umbruch", sagt er.

Vieles wird sich ändern

Finanzvorstand Karl Hopfner legt sein Amt zum neuen Jahr nieder, für ihn hat der Klub den Banker Jan-Christian Dreesen von der BayernLB verpflichtet. Und in den nächsten Jahren wird sich vieles mehr ändern, so Hoeneß. Aus Gesprächen mit Freunden aus dem Mittelstand weiß er, welche Probleme die Nachfolgeregelung bereiten kann. "Es ist eine schwierige Aufgabe, unseren Klub personell in die Zukunft zu führen", sagt der Präsident.

Auf der Versammlung gab er zu, dass er dabei nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen habe. Die Verpflichtung des im Sommer entlassenen Sportdirektors Christian Nerlinger sieht er heute skeptisch. "Vielleicht war es ein Fehler, einen jungen Mann ohne Erfahrung an die Spitze zu stellen."

Aussprache mit Nerlinger

Hoeneß hat sich erst kürzlich mit Nerlinger getroffen und ausgesprochen. Matthias Sammer als Sportvorstand zu installieren, sei wichtig gewesen. Sammer und er freuen sich auf das Spiel in Nürnberg.

Allerdings plagen Trainer Heynckes Verletzungssorgen: Sein niederländischer Offensivstar Arjen Robben hat sich im Länderspiel gegen Deutschland einen leichten Muskelfaseriss zugezogen und fällt auch für die Partie in der Champions League beim FC Valencia am Dienstag aus. Zudem fehlen die Verletzten Luiz Gustavo und Jerome Boateng, Franck Ribery litt zuletzt unter einer Prellung. Stürmer Mario Gomez wird wohl zum Aufgebot gehören, nach langer Pause aber nicht von Beginn an spielen. "In Nürnberg beginnen wichtige Wochen, die der Mannschaft alles abverlangen werden", so Klubchef Karl-Heinz Rummenigge. In der 50. Bundesligasaison die Meisterschaft zu gewinnen, das sei sein Wunsch. Es würde wohl wieder Freibier geben, dann ohne Gedicht.

Welches Team beschäftigte die meisten Trainer in der Bundesliga-Geschichte?
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