15.11.12

EM in 13 Ländern

Platini rechnet mit großer Mehrheit für Revolution

Die Fußball-EM 2020 über den gesamten Kontinent verteilt? Uefa-Präsident Michel Platini glaubt, dass seine "schöne Idee" auf viel Gegenliebe stoßen wird. Stehplätze gefallen ihm hingegen gar nicht.

Uefa-Präsident Michel Platini sieht große Chancen für sein revolutionäres Vorhaben, die Endrunde der Fußball-EM 2020 in 13 über den gesamten Kontinent verteilten Spielstätten auszutragen. "Mein Gefühl sagt mir, dass es eine große Mehrheit für diesen Plan gibt. Aber wir können noch nicht in die Details gehen, ehe das Exko entschieden hat", sagte Platini gegenüber "Bild" (Freitagausgabe).

Das Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union tritt am 6. Dezember zusammen. "Stimmt die Mehrheit zu, kann es schnell eine Entscheidung geben. Mit DFB-Boss Wolfgang Niersbach und weiteren Präsidenten habe ich schon über diese schöne Idee gesprochen", sagte Platini.

Niersbach bestätigte am Donnerstagabend auf einer Podiumsdiskussion in Passau die Aussagen Platinis. "Der Trend ist klar. Es kann sein, dass das Modell schon im kommenden Dezember beschlossen wird", sagte der DFB-Präsident und hob hervor: "Das soll kein Modell für die Ewigkeit sein." Offizieller Anlass soll das 60-jährige EM-Bestehen in dem betreffenden Jahr sein. Platini hatte seinen Plan aber auch stets damit begründet, dass die Austragung einer EM in Zeiten der Finanzkrise für nur ein Land immer schwerer zu realisieren ist.

Nach derzeitigem Stand könnten mindestens drei der Spiele in Deutschland ausgetragen werden. Sollte sich die deutsche Nationalmannschaft qualifizieren, soll sie ihre Gruppenspiele in Berlin austragen. "Die Finalwoche soll in einer Stadt stattfinden, die Uefa denkt da an Istanbul", sagte Niersbach. Die Türkei hatte Interesse angemeldet, die EM 2020 im gewohnten Modus auszurichten. Niersbach hob die Einmaligkeit des Vorhabens hervor und betonte, er sei "ein Anhänger des alten Modells". Er verwies auf die Probleme für die Fans, die eine Ausrichtung des Turniers auf dem kompletten Kontinent mit sich bringen würde.

Derweil lehnt Platini die Wiedereinführung von Stehplatz-Bereichen in europäischen Wettbewerben kategorisch ab: "Ich werde als Uefa-Präsident nie mehr Stehplätze in den Stadien akzeptieren. Dafür habe ich im Fußball zu viele Stadion-Katastrophen erlebt. Wir haben dafür gekämpft, dass die Zäune hinter den Toren wegkommen. Aber Stehplätze wird es unter meiner Führung nicht mehr geben."

Platini hatte im Endspiel des Landesmeister-Pokals 1985 in Brüssel, das als Heysel-Katastrophe mit 39 Toten in die Geschichte einging, das 1:0-Siegtor für Juventus Turin gegen den FC Liverpool erzielt.

Der Uefa-Präsident schloss zudem auch die Einführung der Torlinien-Technologie erneut aus: "Ich war immer gegen den Einsatz von Technik im Fußball. Deshalb wird es in den europäischen Wettbewerben keine Torlinien-Technologie geben. Auch aus finanziellen Gründen: Wenn ich die Technik in der Champions League und Europa League einführe, kostet mich das jetzt 32 Millionen Euro für 78 Stadien. In fünf Jahren kostet es dann 54 Millionen."

Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte sich am Mittwoch gegen die Pläne von Fifa-Präsident Joseph Blatter gestellt und eine Einführung der Torlinientechnik zur Saison 2013/14 ausgeschlossen.

Die Fußball-Europameisterschaften

FRANKREICH 1960

Die Endrunde des "Europapokals der Nationen" fand nur mit vier Mannschaften statt. Die Nationalmannschaften trugen bis einschließlich Viertelfinale ihre Partien in Hin- und Rückspielen aus.

Für den großen Skandal sorgten die Spanier. Die Ausnahmemannschaft der "Cuatro Leyendas", der vier Legenden Di Stefano, Francisco Gento, Ladislao Kubala und Luis Suarez war haushoher Favorit. Doch der faschistische Diktator Franco ließ das Team nicht zum Klassenfeind in die Sowjetunion reisen und wurde disqualifiziert. Die UdSSR gewann das Finale in Paris gegen Jugoslawien 2:1 n.V. - vor gerade einmal 17.000 Zuschauern. Deutschland war nicht am Start. Bundestrainer Sepp Herberger wollte die Zeit zwischen den Weltmeisterschaften nicht verschwenden.

SPANIEN 1964

Neben England nahm auch Italien erstmals an einer EM teil - nur Deutschland fehlte als einzige große europäische Fußball-Nation. Der Siegeszug der Gastgeber war nicht zu stoppen - im Finale holte sich der Gastgeber ausgerechnet gegen die Sowjetunion mit 2:1 den Titel.

Es sollte für 44 Jahre der letzte große Erfolg bleiben. Das Regime Francos bejubelte den "Triumph über den Bolschewismus", der Diktator bat zur Audienz.

ITALIEN 1968

Erstmals war das Turnier eine offizielle Europameisterschaft unter Regie der Uefa. Deutschland scheiterte in der Qualifikationsgruppe mit Jugoslawien und Albanien. Im letzten Spiel gab es in Tirana nur ein 0:0. Die EM gewann zum bisher einzigen Mal Italien. Unter teils kuriosen Umständen. Beim 0:0 im Halbfinale gegen die Sowjetunion entschied zum letzten Mal ein Münzwurf über den Sieger. Das Finale gegen Jugoslawien gewann Italien erst im Wiederholungsspiel mit 2:0, die erste Begegnung zwei Tage zuvor war 1:1 ausgegangen. Im Zentrum der Kritik stand übrigens Schiedsrichter Gottfried Dienst - er hatte schon zwei Jahre zuvor das legendäre WM-Finale in Wembley gepfiffen.

BELGIEN 1972

Der erste von bislang drei deutschen EM-Triumphen. Das 3:1 im Viertelfinalhinspiel in England war nicht nur die Geburtsstunde der möglicherweise besten deutschen Mannschaft aller Zeiten, es war gleichzeitig auch der erste Sieg einer DFB-Auswahl im legendären Wembley. Und wohl auch das beste Länderspiel Günter Netzers, der in London "aus der Tiefe des Raumes" das Spiel entschied. Im Halbfinale bezwang der spätere Weltmeister Deutschland Belgien 2:1, im Finale die Sowjetunion 3:0. Überschattet wurde das Turnier allerdings durch das erstmalige Auftauchen deutscher Hooligans.

JUGOSLAWIEN 1976

Uli Hoeneß jagte den Ball in den Nachthimmel über Belgrad - Antonin Panenka schoss die Tschechoslowakei lässig zum EM-Titel: Die deutsche Fußballmaschine war nach EM- und WM-Titel geschlagen, im ersten Elfmeterschießen der EM-Geschichte. Im Halbfinale hatten die Deutschen Jugoslawien mit 4:2 n.V. bezwungen.

ITALIEN 1980

Erstmals wurde eine EM-Endrunde mit zwei Gruppen a vier Teams ausgetragen. Und das "Kopfballungeheuer" Horst Hrubesch feierte beim 2:1-Finalsieg gegen Belgien seinen größten Auftritt. Beide Treffer erzielte der "Bulldozer aus Hamburg" (Le Soir), den entscheidenden in der 89. Minute. Der zweite EM-Titel für Deutschland war auch der Höhepunkt in der kurzen Nationalmannschaftskarriere von Bernd Schuster. Spielerisch war die EM allerdings eine große Enttäuschung, lediglich 1,93 Tore fielen pro Spiel.

FRANKREICH 1984

Das Vorrunden-Aus des DFB-Teams markierte das Ende der Ära von Bundestrainer Jupp Derwall. Und gleichzeitig den Beginn der Zeit des Teamchefs Franz Beckenbauer. Ein Unentschieden im letzten Gruppenspiel hätte zum Weiterkommen gereicht, doch in der 89. Minute traf Antonio Maceda per Kopf zum 0:1. Im Finale unterlagen die Spanier allerdings den Franzosen um Superstar Michel Platini. Mit neun Toren führte der heutige Uefa-Präsident die "Grande Nation" zu ihrem ersten Titel.

DEUTSCHLAND 1988

Die einzige EM-Endrunde in Deutschland war die Geburtsstunde des Superstars Marco van Basten. Im Halbfinale markierte der niederländische Stürmer in der 88. Minute den 2:1-Siegtreffer gegen den Erzrivalen Deutschland.

Sein "Jahrhunderttor" zum 2:0 im Finale stellt Physiker wahrscheinlich immer noch vor ungelöste Rätsel. Volley drosch er aus (zu) spitzem Winkel den Ball ins Tor. Es sollte der bisher einzige Titel der Niederländer bleiben - van Basten, "der Schwan", musste später seinen vielen Verletzungen Tribut zollen. 1988 lag im allerdings die Fußballwelt zu Füßen.

SCHWEDEN 1992

Die dänischen "Urlauber" düpierten Europa, "Danish Dynamite" war nicht zu entschärfen. Erst für das zerfallende Jugoslawien nachgerückt, spielte sich Dänemark ins Finale vor, besiegte Deutschland 2:0 und feierte die bis dato wohl größte Sensation der EM-Geschichte. Die "Big-Mac-Truppe" aus Dänemark war nicht zu schlagen. In der Qualifikation gab es übrigens den letzten Auftritt der DDR-Mannschaft: 2:0 hieß es nach zwei Toren von Matthias Sammer gegen Belgien.

ENGLAND 1996

Erstmals nahmen 16 Länder an der EM-Endrunde teil - und am Ende gewann Deutschland. Wie schon bei der WM 1990 im Halbfinale in einem hochdramatischen Spiel gegen England. 6:5 im Elfmeterschießen hieß es gegen die Three Lions mit einem in der Form seines Lebens spielenden Paul Gascoigne. Gareth Southgate scheiterte an Andreas Köpke.

Im Finale schlug die Stunde von Oliver Bierhoff. Gegen die "Goldene Generation" der Tschechen mit Pavel Nedved, Karel Poborsky, Vladimir Smicer oder Jan Koller traf der heutige Manager der Nationalmannschaft als Joker doppelt. Erstmals wurde über einen Titel per Golden Goal entschieden.

BELGIEN/NIEDERLANDE (2000)

Frankreich wurde nach dem WM-Sieg 1998 auch Europameister - Deutschland befand sich unter Bundestrainer Erich Ribbeck auf dem Tiefpunkt. Mit einem Punkt schied man in der Vorrunde als Gruppenletzter aus.

Gegen eine portugiesische B-Elf setzte es eine 0:3-Klatsche. Es war das schlechteste Abschneiden einer deutschen Elf bei einem großen Turnier seit der WM 1938.

PORTUGAL (2004)

Der Vize-Weltmeister aus Deutschland schaffte es erneut nicht, ein Spiel zu gewinnen, dafür wurde "König" Otto Rehhagel zu "Rehakles". Mit Griechenland gewann der langjährige Bundesligatrainer den Titel und sorgte damit für die größte Überraschung der Turniergeschichte.

Nach dem 0:0 in der Qualifikation in Island hatte sich Teamchef Rudi Völler mit seiner "Wutrede" endgültig in die Herzen der deutschen Fans gemotzt.

ÖSTERREICH/SCHWEIZ (2008)

44 Jahre nach ihrem letzten großen Titel dominierten die Spanier mit ihrem "Tiki-taka". Beim 0:1 im Finale musste auch die deutsche Mannschaft unter Joachim Löw die Vormachtsstellung anerkennen.

Immerhin gewannen die Deutschen erstmals seit dem Titelgewinn 1996 beim 2:0 gegen Polen in der Vorrunde wieder einmal ein Spiel. Das Tor von Michael Ballack beim 1:0 gegen Österreich wurde zum Tor des Jahres gewählt. Es war das letzte große Turnier des "Capitano".

POLEN/UKRAINE (2012)

Das Turnier in Polen und der Ukraine war das vorläufig letzte, das mit 16 Mannschaften ausgespielt wurde. 2016 wird das Teilnehmerfeld auf 24 Mannschaften aufgestockt.

Den Titel holte abermals Spanien (seit 2010 auch amtierender Weltmeister), das im Finale in Kiew Italien mit 4:0 abfertigte. Keinem Land war es in der Geschichte der EM-Endrunden zuvor gelungen, seinen Titel erfolgreich zu verteidigen. Mitfavorit Deutschland scheiterte im Halbfinale an den Italienern, die beiden Gastgeberländer schieden schon in der Vorrunde aus. 

Quelle: sid/JHU
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