15.11.12

Vorstellung

Wie Allofs den VfL Wolfsburg erneuern möchte

Nach seinem Wechsel von Werder Bremen zum VfL Wolfsburg wird Klaus Allofs ein wenig Zeit benötigen, um seine Glaubwürdigkeit wiederherzustellen. Immerhin muss er sich bei Vereinsfarben nicht umstellen.

Von Frank Schacht
Foto: dapd
Klaus Allofs
Guter Laune in Wolfsburg: Klaus Allofs bei seiner offiziellen Vorstellung als neuer VfL-Manager

Die Quittung für seine Fahnenflucht ließ nicht lange auf sich warten. Gleich am ersten Arbeitstag in Wolfsburg wurde Klaus Allofs mit Fragen konfrontiert, die auch seine Glaubwürdigkeit auf die Probe stellten. "Es gab da überhaupt keine Gespräche", sagte der 55-Jährige zu den Gerüchten, er locke den bei Hannover 96 wankelmütig werdenden Mirko Slomka nach Wolfsburg.

Allofs, der seinen überraschenden Wechsel in der Fußball-Bundesliga von Werder Bremen zum VfL erst verheimlichen und dann verharmlosen wollte, wird ein wenig Zeit benötigen, seine Glaubwürdigkeit wiederherzustellen. Folgt ihm Thomas Schaaf nach Wolfsburg? Kommt Slomka doch? "Mit Gerüchten werden wir leben müssen", befürchtete Allofs und lächelte angesichts dieser Aussicht fast ein wenig verlegen.

Bis 2016 rund drei Millionen pro Jahr

Es gelingt nur ganz wenigen, die Dreistigkeiten und das Gnadenlose der Branche Profifußball so charmant zusammenzufassen wie Allofs. "Die Vereinsfarben sind gleich, die Fahrzeuge auch. Das macht es ein wenig leichter", sagte jener Mann, der der Wucht eines internationalen Konzerns einfach nicht widerstehen konnte. Die VfL Wolfsburg Fußball GmbH, die von Volkswagen finanziert und geführt wird, beschäftigt einen neuen Geschäftsführer Sport, der bis 2016 pro Jahr rund drei Millionen Euro verdienen soll.

Mitten in der Saison den Managers eines Ligarivalen abzuwerben, das bringt Fußballliebhaber ins Grübeln, aber in den Führungsetagen des VfL und von VW niemanden in Verlegenheit. "Es mag sein, dass es das noch nicht gegeben hat. Und dass in Bremen niemand gejubelt hat, dürfte selbstverständlich sein. Aber in der Wirtschaft ist das gang und gäbe", erklärte VW-Vorstand Stephan Grühsem.

Allofs soll das Chaos beenden

Die vielen Mitarbeitergespräche, die Allofs in den nächsten Tagen führen wird, sind zunächst mit erstaunlich weichen Zielen verbunden. Den Geldgebern des Vereins ist es wichtig, dass ihr neuer leitender Angestellter das Chaos beendet und eine harmonische Grundlage für Erfolg schafft. Was Felix Magath, Dieter Hoeneß und wieder Magath zuletzt nicht gelungen war, soll Allofs in aller Ruhe hinbekommen. Grühsem sprach von Nachhaltigkeit, Stabilität und Identifikation, die geschaffen werden sollen. "Beim VfL Wolfsburg sind noch viele Dinge weiterzuentwickeln", sagte Allofs über zu den Zustand seines Vereins, der 2009 noch Meister war, sein Prestige aber gründlich verspielt hat.

Der Verblüffende an Allofs' Premiere in Wolfsburg bleibt, dass sich dort alle Hauptdarsteller als Gewinner sehen. Tatsächlich ist der Manager zu einem unruhigen Verein gewechselt, der in dieser Saison erneut abstiegsgefährdet ist und es sich mit seinen Fans gründlich verscherzt hat. Allofs war ehrlich genug zuzugeben, über die Zusammensetzung des teuren VfL-Kaders zwar gut informiert zu sein, aber nicht jeden der rund 40 Bundesligaprofis gleich erkennen zu können.

Naldo und Diego als Informanten

In den Brasilianern Naldo und Diego stehen ihm jedoch zwei Informanten zur Verfügung, die Allofs zu seinem Wechsel gratuliert haben. Er hatte das Duo schon zu Werder gelotst und damit schöne Fußballabende möglich gemacht.

Ähnliches wird in Wolfsburg von ihm natürlich auch erwartet. "Wir brauchen hier vor allem Ruhe", findet Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner, der nach der Entlassung von Magath eingesprungen war und sich seither angesichts von drei Siegen in vier Spielen zum Liebling der Massen entwickelt hat.

Aber der 60-Jährige ist angesichts der hohen Ziele und internationalen Pläne von VW kein Mann für die Zukunft. Allofs wird in Wolfsburg bald das tun müssen, was in 13 Jahren bei Werder nicht notwendig war – einen beliebten Trainer durch einen vermeintlich erfolgreicheren Kollegen auszutauschen.

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