14.11.12

Freundschaftsspiel

Deutschland gegen Niederlande - eine echte Nullnummer

Die DFB-Elf hat ihr Länderspiel-Jahr mit einem langweiligen 0:0 gegen die Niederlande beendet. Man wollte sich gegenseitig nicht weh tun.

Von Alexander Laux
Foto: Bongarts/Getty Images

Diese Mannschaft nominierte Bundestrainer Joachim Löw für das letzte Länderspiel des Jahres in Amsterdam gegen die Niederlande.

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Was Rudi Völler von diesem Länderspiel hielt, machte er bereits einige Tage zuvor klar: "Was zu viel ist, ist zu viel", schrieb der Manager von Bayer Leverkusen im "Kicker" und monierte: "In dieser Phase der Voll- oder besser Überbeschäftigung bedeutungslose, aber trotzdem brisante Länderspiele zuterminieren, halte ich für falsch."

Nach dem 0:0 zwischen den Niederlanden und Deutschland in der Amsterdamer Arena dürfte die fast schon traditionelle Kritik am November-Termin neue Fahrt aufnehmen. Obwohl Völler nur mit einem Teil seiner Aussage Recht behielt: Das Spiel war alles andere als brisant, sondern nur eines: bedeutungslos. Einzig die Verbände beider Nationen dürften sich über die Millionen-Einnahmen gefreut haben.

"Für mich war dieses Spiel positiv. Wir hatten eine veränderte Mannschaft, viele Stammkräfte haben gefehlt", sagte Bundestrainer Joachim Löw dennoch: "Wir haben sehr positionstreu und diszipliniert gespielt. Wir haben eine gute Defensivarbeit verrichtet. Das war nach den letzten Erlebnissen, auch gegen Schweden, das Wichtigste. In der ersten Halbzeit hatten wir den Mut, nach vorne zu spielen. In der zweiten Hälfte war es ausgeglichener, aber es war wichtig, dass wir auch von Holland wenig Chancen zugelassen haben." DFB-Kapitän Philipp Lahm konnte dem Kick auch eine positive Seite abgewinnen: "Beide Mannschaften haben ordentlich gespielt. Wir haben nicht viele Chancen zugelassen. Das war positiv, das Unentschieden war gerecht."

Es war ein insgesamt komisches Länderspiel. Dazu passte, dass Ruud van Nistelrooy, Patrick Kluivert, Edgar Davids und Michael Reiziger kurz vor dem Anpfiff für ihre Oranje-Verdienste geehrt wurden, obwohl sie seit Jahren nicht mehr aktiv waren. Und auch das Spiel war von vorgestern. Von der ersten Minute an wurde deutlich, dass beide nach den vielen Absagen stark ersatzgeschwächte Mannschaften darauf verzichteten, den Klassiker allzu ernst zu nehmen. Es fehlte an Tempo, Biss und leidenschaftlichen Zweikämpfen. So musste man in der ersten Hälfte die attraktiven Szenen fast mit der Lupe suchen. Die Zuschauer in der voll besetzten Arena schienen zeitweise wegzunicken, zu leise war es. Dabei garantierte der Schiedsrichter eigentlich ein Torfestival: Der Portugiese Pedro Proenca hatte auch das 4:4 gegen Schweden gepfiffen.

Spanisches Kurzpassspiel

Auf diesem niedrigen Niveau war die DFB-Auswahl noch deutlich besser und agiler. Angesichts eines fehlenden klassischen Stürmers im Aufgebot nach der kurzfristigen Absage von Miroslav Klose entschied sich Joachim Löw dazu, im spanischen EM-System spielen zu lassen. So interpretierte der Dortmunder Mario Götze die Rolle von Cesc Fabregas als "falscher Neuner". Auffällig war, dass die vier Offensivspieler Thomas Müller, Lewis Holtby, Marco Reus sowie Götze häufig ihre Positionen tauschten und versuchten, das typische spanische Kurzpassspiel aufzuziehen.

Die Gastgeber reagierten auf diese Verwirrungstaktik mit einer kompakten Verteidigung, sodass sich das Geschehen häufig in einer Zone von nur 30 Metern abspielte. Die viel gelobte Offensive mit Rafael van der Vaart hinter der einzigen Spitze Dirk Kuyt kam überhaupt nicht zur Entfaltung gegen die geordnet stehende deutsche Defensive.

Der agile Ilkay Gündogan vergab in der 45. Minute die beste Chance, als sein Schuss gerade noch von Heitinga abgewehrt werden konnte. Weitere Möglichkeiten ließen Götze (21., 26.) und Reus (39.) aus. "Wir sind eine Klasse besser als die Holländer", urteilte ARD-Experte Mehmet Scholl, der für den Spruch des Abends sorgte: "Louis van Gaal ist ein Fußballfachmann, aber charakterlich schwierig. Wenn er ein Postbote wäre, würde er wahrscheinlich meinen Hund beißen."

Kontrolle und Sicherheit

Bei Wiederanpfiff war eine Entscheidung gefallen: René Adler verfolgte sein Comeback beim DFB nach zweijähriger Pause ausschließlich auf der Bank. Löw hatte bereits Dienstag angekündigt, dass er Adler womöglich eher einmal ein ganzes Spiel geben werde. Auch Heiko Westermann lief sich vergeblich warm, während sich auf dem Feld nichts Gravierendes veränderte. Kontrolle und Sicherheit war oberstes Gebot, was unter anderem dazu führte, dass die Innenverteidiger Per Mertesacker und Mats Hummels bereits nach gut 50 Minuten über 80 Ballkontakte hatten, äußerst ungewöhnlich.

Es wäre im Grunde eine Zeitverschwendung, über die zweite Hälfte mehr als dieses Wort zu verlieren: enttäuschend. Einzig Daryl Janmaat zwang Manuel Neuer zu einer Glanzparade. Am Ende gab es gellende Pfiffe von den Rängen für die Minusleistung. So bleibt zum Abschluss des Länderspiel-Jahres nur Folgendes erwähnenswert: Die Niederlande kann auch zehn Jahre nach dem 3:1 in Gelsenkirchen gegen den Erzrivalen nicht gewinnen.

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