13.11.12

Testspiel

Löw in großer Not vor Spiel gegen die Niederlande

Nach den Last-Minute-Absagen von Özil und TKlose muss Löw für das Prestigeduell gegen die Niederlande einen Notfall-Plan aus dem Hut zaubern.

Foto: dpa

Am Ende kam es für Bundestrainer Löw richtig dicke: Auch Özil und Klose sagten noch für das Prestigeduell gegen Holland ab.
Am Ende kam es für Bundestrainer Löw richtig dicke: Auch Özil und Klose sagten noch für das Prestigeduell gegen Holland ab.

Nach dem Ausfall von acht Spielern wird der Test des deutschen Teams in den Niederlanden zur Farce - Der Klassiker gegen die Niederlande verkommt zur Farce und zum ungewollten Test für eine B-Elf. Nachdem am Montag auch noch kurzfristig Mesut Özil und Miroslav Klose für das Prestigeduell am Mittwoch (20.30 Uhr/ARD) gegen den Erzrivalen abgesagt und die Zahl der Ausfälle auf neun erhöht hatten, war Bundestrainer Joachim Löw mehr denn je als Improvisationskünstler und Krisenmanager gefragt, zumal immer noch das historische 4:4 gegen Schweden nachwirkt.

Das "einmalige Negativerlebnis" der deutschen Fußball-Nationalmannschaft rückte bei Löw angesichts des heftigen Personalwirbels aber erst einmal völlig in den Hintergrund. Innerhalb von wenigen Stunden waren die Planungen des 52-Jährigen für die brisante Partie gegen Oranje mit Bondscoach Louis van Gaal ad absurdum geführt worden. Anstatt die DFB-Auswahl wie geplant in Bestbesetzung in die AmsterdamArena schicken zu können, um zum Jahresabschluss Wiedergutmachung zu betreiben und erneute Diskussionen im Keim zu ersticken, muss Löw nun den Mangel verwalten.

Grippe und Muskelprobleme

Teammanager Oliver Bierhoff war nach der Ankunft in Amsterdam trotz der großen Not bemüht, die selten erlebte Absagenflut nicht überzubewerten. "Dass es bei der Nominierung ein paar Probleme gegeben hat, ist nicht optimal. Das ist aber ein wichtiger Test und die Möglichkeit für die Trainer, den ein oder anderen Spieler zu testen. Trotz aller Lamentis ist so ein Spiel machbar", sagte Bierhoff im Mariott-Hotel, wo die stark dezimierte DFB-Auswahl bis Donnerstagmorgen ihr Quartier aufgeschlagen hat.

In Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos, Marcel Schmelzer und Jerome Boateng hatten am Sonntag bereits vier Spieler ihre Teilnahme abgesagt. Am Montag zogen Real Madrids Spielmacher Özil wegen muskulärer Probleme und Torjäger Klose wegen einer Grippe nach. Holger Badstuber und Sami Khedira standen ohnehin wegen ihrer Verletzungen nicht zur Verfügung, Mario Gomez war wegen Trainingsrückstands gar nicht erst eingeladen worden.

Löw nominierte bereits am Sonntagabend Sven Bender von Borussia Dortmund und Sebastian Jung von Eintracht Frankfurt, neben Roman Neustädter zweiter Neuling im nunmehr noch 19-köpfigen DFB-Kader, nach. Am Montag lud er dann noch mit dem Schalker Lewis Holtby (22) den Kapitän des deutschen U21-Teams, ein.

Bierhoff widersprach aber Vermutungen, dass möglicherweise die Gründe für die Absagen bei einigen Spielern nur vorgeschoben sein könnten. "Uns ärgert, dass wir die Spieler nicht hier haben. Aber wir haben so viel Vertrauen in die Spieler und die Vereine. Wir haben klare Rückmeldungen", betonte der 44-Jährige.

Die Probleme von Löw sind abgesehen von der Torwart-Position, auf der Rückkehrer Rene Adler nach zweijähriger Abstinenz auf sein Comeback hofft, in allen Mannschaftsteilen riesig. Vor allem in der Defensive muss er improvisieren.

Chance für die Debütanten

So wird voraussichtlich Kapitän Philipp Lahm wieder auf die linke Seite rücken. Benedikt Höwedes, aber auch Jung wären die Kandidaten für rechts. Im defensiven Mittelfeld werden wohl Lars Bender und Ilkay Gündogan die abwesenden Khedira, Schweinsteiger und Kroos vertreten.

Aber auch der Sturm wird für den Bundestrainer nach der Absage des 126-maligen Nationalspielers Klose, am Sonntag unter den Augen von Löw noch Torschütze im römischen Derby, zur Baustelle. Der 34-Jährige war der einzige echte Stürmer im Aufgebot, da der Münchner Gomez immer noch ausfällt und Stefan Kießling von Bayer Leverkusen weiter keine Rolle spielt.

Durch die Ausfälle ergibt sich vor allem für die Neulinge Roman Neustädter und Sebastian Jung die Chance, im DFB-Team auf sich aufmerksam zu machen. Während die deutschen Fans beim Namen Roman Neustädter zumindest die Assoziationen "spielte vergangene Saison in Gladbach" und "traf am Wochenende für Schalke gegen Bremen" haben dürften, wird einigen Anhängern beim Namen Jung ein Fragezeichen auf der Stirn stehen. Zwar ist der 22-Jährige längst eine feste Größe in der Elf von Eintracht Frankfurt. Da er dort den rechten Verteidiger gibt, fehlte bislang allerdings die Strahlkraft, ihn bundesweit bekannt zu machen.

Jung kam mit acht Jahren zur Eintracht, durchlief alle Jugendteams und debütierte 2009 in der Profielf. Er ist maßgeblich für den formidablen Auftakt der Frankfurter in die Saison verantwortlich. In allen elf Spielen stand Jung in der Startformation. Und trotzdem hätte er sich wohl nicht ausmalen können, dass am Sonntag das Handy klingeln und Joachim Löw ihn zur Nationalelf einladen würde.

Das gleiche Glück widerfuhr Roman Neustädter schon vor dem vergangenen Spieltag. Erst überbrachte Schalke-Manager Horst Heldt die frohe Botschaft, später meldete Löw sich auch noch persönlich und versicherte dem 24-Jährigen, er habe sich die Nominierung "mit Leistung verdient". Neustädter reagierte zunächst "geschockt", wie er später sagte, und dann mit einem Tor gegen Werder Bremen.

Quelle: BMO
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