12.11.2012, 22:21

Autobiografie Zwanziger nennt Hoeneß "kleinkariert"

Uli Hoeneß und Theo Zwanziger

Foto: pa/dpa

Uli Hoeneß und Theo Zwanziger Foto: pa/dpa

Der ehemalige DFB-Chef Theo Zwanziger hat im Konflikt mit Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß nochmals nachgelegt. Jürgen Klinsmann reagierte indes gelassen auf die Aussage Zwanzigers.

Ob es ein Verkaufsschlager wird, bleibt abzuwarten. Denn das Buch von Theo Zwanziger ("Die Zwanziger Jahre") ist ja erst am Montag erschienen. Dennoch gibt es schon jetzt eine scharf geführte Debatte über das Werk des ehemaligen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Wolfgang Niersbach, Zwanzigers Nachfolger, konterte am Montag die Ausführungen seines Vorgängers, der Besuch der deutschen Nationalmannschaft im ehemaligen NS-Vernichtungslager Auschwitz sei "zu schnell abgetan" worden. "Wichtiger als die exklusive Wahrnehmung meines Vorgängers ist mir in diesem Zusammenhang das Dankesschreiben des Internationalen Auschwitz Komitees an den DFB", sagte Niersbach der "Bild".

Niersbach war mit einer Delegation des DFB sowie den Spielern Lukas Podolski, Miroslav Klose und Philipp Lahm Anfang Juni während der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine nach Auschwitz gereist.

Zwanziger wehrt sich

Zwanziger wehrte sich dagegen, sein Werk als Abrechnungsbuch zu sehen. "Es sollte nicht nur keins sein, es ist auch keins", sagte der ehemalige Verbandschef. Er habe die Rolle des Fußballs beleuchten wollen und sich auch "mit der einen oder anderen Persönlichkeit sehr differenziert auseinandergesetzt", bemerkte Zwanziger.

Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern, hatte prophezeit, dass Zwanzigers verbaler Feldzug gegen Persönlichkeiten des deutschen Fußballs wie Hoeneß, Jürgen Klinsmann oder Oliver Bierhoff den ehemaligen DFB-Präsidenten "noch mehr in die Isolation treiben" werde.

"Jemand, der selbst Attacke fahren will, der muss auch mal akzeptieren, wenn einer das eine oder andere, was er macht, kritischer sieht", bemerkte Zwanziger zur Hoeneß-Reaktion und wies im "Kicker" auf despektierliche Äußerungen des Bayern-Präsidenten etwa über den Frauenfußball hin. "Auf der einen Seite lobe ich diesen großen Bayern-Manager über den grünen Klee. Auf der anderen Seite stoße ich mich an ein, zwei Bemerkungen", sagte Zwanziger.

Wenn sich Hoeneß jetzt so aufrege, tue es ihm leid: "Dann ist Hoeneß eine kleinkarierte Seele." Wer "Attacken reitet", der solle nicht so empfindlich sein, empfahl er Hoeneß.

Klinsmann reagiert mit "Schmunzeln"

Zwanziger verteidigte nochmals seine Indiskretionen, etwa über einen Plan B mit dem damaligen Bundestrainer Klinsmann bei der Heim-WM 2006. "Die Menschen haben auch ein Recht darauf, Hintergründe zu erfahren", erklärte Zwanziger.

Klinsmann wollte am Montag auf die Ausführungen Zwanzigers nicht eingehen. "Es ist halt so, dass manche Leute gern über andere Menschen reden. Mir ist es das nicht wert, darauf einzugehen. Das wäre Energieverschwendung", sagte Klinsmann, der inzwischen Nationaltrainer der USA ist

(dw)
Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter