DFB-Pokal
Der Berliner Pokalschreck bittet zum Tanz gegen 1860 München
Am Abend will der Berliner Athletik Klub das nächste Pokalwunder schaffen. Der türkische Premier Erdogan wird nicht dabei sein.
Besondere Spiele erfordern eine besondere Vorbereitung - auch bei einem Amateurverein, als den sich der Berliner Athletik Klub selbst einstuft. Deshalb durfte die Mannschaft die vergangene Nacht nach dem Training ausnahmsweise gemeinsam im Hotel verbringen. Purer Luxus. Aber solch ein besonderes Spiel steht dem Tabellensiebten der Regionalliga Nordost bevor.
Zweite Hauptrunde um den DFB-Pokal: Um 19 Uhr geht es heute im Jahnsportpark für den BAK gegen den zwei Klassen höher beheimateten und vor allem viel namhafteren TSV 1860 München. Die Bayern waren Deutscher Meister, Pokalsieger und standen sogar einmal in einem Endspiel des Europapokals. Eigentlich eine kaum lösbare Aufgabe.
Doch wenn man in der ersten Runde den Bundesligisten Hoffenheim mit 4:0 geradezu aus dem Wettbewerb katapultiert und bundesweit damit großes Aufsehen erregt hat, warum dann nicht wieder ein bisschen optimistisch sein? "Die Chancen", glaubt Berlins Manager Erdogan Dogan, "stehen 51:49 für uns."
Verletzte dämpfen die Zuversicht
Dahinter steht neben aller Euphorie die Erkenntnis, dass auch die Profis aus München nur mit Wasser kochen. Zuletzt hatte sich BAK-Trainer Jens Härtel am Freitag in Cottbus ein Bild von der Spielstärke der Sechziger gemacht, die 0:1 verloren und wenig Konstruktives zustande brachten. Zuvor war die gesamte Mannschaft Anfang Oktober Augenzeuge gewesen, als München bei Hertha BSC 0:3 unterlag. Das sah alles nicht zum Fürchten aus.
Nur eines dämpft die Zuversicht ein wenig. "Unsere personelle Situation ist nicht gerade so, dass ich in die Hände klatsche", klagt Härtel. Die Stammkräfte Niklas Brandt und Henning Lichte fehlen neben dem Langzeitverletzten Dennis Osadchenko definitiv. Unsicher ist der Einsatz von Torjäger Metin Cakmak, der am Sonntag erstmals nach einer Bänderdehnung im Knie trainierte, aber nachts wieder Schmerzen bekam. Christian Siegmund und Philip Malinowski spielten am vergangenen Sonnabend gegen Germania Halberstadt zum ersten Mal nach längerer Verletzung und sind noch nicht in bester Verfassung. Hinzu kam, dass die Partie vor nur 84 Zuschauern 1:1 endete - eine gelungene Generalprobe für ein großes Spiel sieht sicher anders aus.
Trotzdem soll es heute ein schöner Abend werden für den Klub, der nach dem Triumph in der ersten Runde wohltuend vernünftig mit seinem Erfolg umging - und mit dem frischen Geld. "Es gibt zu viele negative Beispiele, wo Vereine ihre Einnahmen in teure Spieler investierten und damit gleich wieder abgestürzt sind", mahnt Präsident Mehmet Ali Han, Bauunternehmer und Hauptsponsor. Beim BAK soll stattdessen die Infrastruktur verbessert werden und ein Teil der Pokalerlöse in die Nachwuchsarbeit fließen.
Erdogan kommt nicht in den Jahnsportpark
Der Verein denkt langfristig. Und gibt sich bescheiden. So kann sich der Präsident noch darüber freuen, dass ein Catering-Unternehmen den Kaffee bezahlt, eine Brauerei das Bier für den Vip-Bereich. "Dieses große Interesse motiviert uns", sagt Han. Heute werden alle Kinder bis zwölf Jahre freien Eintritt haben. Das Jahnstadion soll dem Ereignis angemessen gut gefüllt sein. Die 1468 Fans aus dem Hoffenheim-Spiel waren Vereinsrekord, der unbedingt fallen soll. Gerechnet wird mit 5000 Zuschauern. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan allerdings hat sich gegen einen Besuch des Pokalspiels entschieden. "Er geht zum Berggruen-Institut und hält dort eine Rede. Da der Termin fast zeitgleich ist, kann er nicht zum Fußballspiel gehen", sagte eine Botschafts-Mitarbeiterin am Dienstag.
Erdogan befindet sich wegen der Eröffnung der neuen türkischen Botschaft in Berlin. Ein Besuch des Spiels des BAK gegen den Zweitligisten TSV 1860 München im Jahnsportpark hatte zur Debatte gestanden. Der Verein hat türkische Wurzeln. Jahrelang waren mehr als 90 Prozent der BAK-Mitglieder türkischer Abstammung.
Ein überwiegend türkischer Verein ist der BAK mittlerweile nicht mehr, will lieber als Gesamtberliner Klub gesehen werden. Viele Deutsche, ein Serbe, ein Pole, ein Angolaner, sogar ein Stürmer aus Sri Lanka zählen zum Team. "Wir spielen für Berlin", sagt Präsident Han, "wir wollen Berlin als Multikulti-Stadt spiegeln." Es geht aber auch um viel Geld für den Klub, der einen Jahresetat von rund 300.000 Euro hat, aber durch das Erreichen der ersten (100.000) und zweiten Runde (250.000) schon mehr als diese Summe einnahm. Nun locken weitere 531.250 Euro - plus Fernseheinnahmen. Nach dem Sieg über Hoffenheim spendierte Han der Mannschaft großzügig 25.000 Euro, vermutlich würde sie auch diesmal eine gute Grundlage zum Feiern erhalten. Als Nachbereitung sozusagen - wenn denn weitere besondere Tage folgen sollten.















