22.10.12

Kokain-Prozess

Eike Immel hat seinen Stammplatz jetzt vor Gericht

Erst Betrug, nun Kokain und unterlassene Unterhaltzahlungen für seine Kinder: Seinen Stammplatz für das Leben nach der Karriere hat der ehemalige Nationaltorwart Eike Immel vor Gericht gefunden.

Foto: DPA

Der frühere Fußball-Nationaltorhüter Eike Immel wurde angeklagt, weil er im Jahr 2007 in 78 Fällen Kokain zum Eigenbedarf gekauft haben soll. Hier wartet der 51-Jährige auf den Prozessauftakt im Amtsgericht Dortmund.

14 Bilder

Strafsache gegen Eike Immel. So steht es auf einem Anschlag am Schwarzen Brett des Amtsgerichts Dortmund. Es folgt der lapidare Hinweis auf eine öffentliche Verhandlung am kommenden Dienstag, 9 Uhr. Dahinter verbirgt sich der vorläufige Tiefpunkt im Leben eines ehemaligen, großen Fußballstars. Mit Aktenzeichen 765 Ls 39/08 wird dem 51 Jahre alten Immel und zwei weiteren Angeklagten der Erwerb von Kokain zum Eigengebrauch in 78 Fällen im Wert von rund 10.000 Euro zur Last gelegt. In einem zweiten Anklagepunkt wird dem zweifachen Vater vorgeworfen, Unterhaltspflichten verletzt haben.

Der ehemalige Nationaltorwart wird von einer jungen Frau beschuldigt, vor fünf Jahren in einem Nachtclub in Schwerte Drogen erworben zu haben. Er wehrt sich vehement dagegen. "Das ist ein Racheakt, eine Intrige", behauptete er in einem Video-Interview bei bild.de. "Die Polizei hat mit sechs Mann eine Hausdurchsuchung gemacht. Sie hat nichts gefunden. Ich kann nur sagen: Ich nehme keine Drogen und habe noch nie Drogen genommen. Das wird sich sicher auch vor Gericht herausstellen." Außerdem hätte er gar kein Geld für solche Einkäufe gehabt. Zu jener Zeit stand er vor der Privatinsolvenz. Immel: "Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass ich freigesprochen werde."

Fünf Monate kein Unterhalt für die Kinder?

Davon ist auch seine Anwältin Iris Klimpke überzeugt. "Ich bin optimistisch über den Ausgang des Kokain-Prozesses", sagt sie. Ein Urteil ist am Dienstag noch nicht zu erwarten. Die Klägerin ist schwer erkrankt und kann sehr wahrscheinlich nicht vor Gericht erscheinen. Deshalb wird am ersten Verhandlungstag wohl lediglich der zweite Anklagepunkt verhandelt. Seine Ex-Frau Stefanie hatte die Klage eingereicht, weil Immel im Jahre 2005 fünf Monate lang keine Unterhaltsbeiträge für seine beiden Kinder Desiree und Daniel bezahlt haben soll.

Der Streitwert beläuft sich auf etwa 3000 Euro. Immel und das Geld, nur eine flüchtige Beziehung. Zwei Jahrzehnte war er der große Zerberus zwischen den Pfosten. Er bestritt 534 Bundesligaspiele für Borussia Dortmund und den VfB Stuttgart, stand 19 Mal im Tor der deutschen Nationalmannschaft, wurde 1992 mit dem VfB Deutscher Meister, bevor er 1997 seine glanzvolle Karriere bei Manchester City beendete.

Nach einem kurzen, aber vom Aufstieg in die Oberliga Baden-Württemberg gekrönten Debüt als Trainer beim VfR Heilbronn wurde er Torwarttrainer bei Christoph Daum in Österreich und in der Türkei.

Offenbarungseid im Mai 2007

Die Sprünge des Lebens aber meisterte er nicht annähernd so gut wie die zwischen den Pfosten. Er war ein verdammt guter Torwart, aber er konnte nur verdammt schlecht mit den Millionen umgehen, die er in seiner Karriere verdiente. Im Mai 2007 kam es zum Offenbarungseid. "Es gab Tage, da hatte ich keinen Cent, um mir morgens ein Brötchen zu schmieren. Plötzlich klopfte der Gerichtsvollzieher an die Tür. Ich konnte nicht zahlen. Mir blieb nichts anderes übrig, als eine eidesstattliche Versicherung abzugeben", erzählt Immel.

Wie konnte es so weit kommen? Immels größte Schwäche war seine Gutmütigkeit. Sie ist der Anfang der Dummheit, besagt ein Sprichwort. Immel erzählt: "Ich habe ein Helfersyndrom. Es musste nur jemand traurig schauen, und schon habe ich ihm Geld geliehen. Zurückbekommen habe ich es nie." Zu seinem Verhängnis wurde auch, dass er mit Bauherrenmodellen Schiffbruch erlitt. Speziell mit Luxus-Eigentumswohnungen in Hagen-Haspe.

Teure Scheidung, teure Freundinnen

"Auch die Scheidung von meiner Frau hat viel Geld gekostet, danach die vielen teuren Freundinnen." Zuletzt ist Immel als Teilhaber und Geschäftsführer einer Dortmunder Autoverleihfirma gescheitert. Teuer wurde auch seine Leidenschaft für schnelle Autos. Mit 17, als er gerade ein sensationelles Bundesligadebüt im Borussen-Tor gefeiert hatte, leistete er sich im Überschwang schon den ersten Porsche – und fuhr ihn zu Schrott, und es blieb nicht bei diesem einen Fall.

Fast schon krankhaft war zudem seine Wettleidenschaft. Stuttgarts Nationalspieler Guido Buchwald erinnert sich: "Eike hat viel gezockt. Aber im Mannschaftskreis ging es, soweit ich das mitbekommen habe, nur um Kleinbeträge." Weitaus drastischer schilderte es Torwartkollege Toni Schumacher in seinem Buch "Anpfiff": "Er pokerte wie ein Süchtiger. Oft sah man, wie er sich völlig gerupft auf sein Bett warf. Nicht selten ging es um 20.000 oder 30.000 Mark." Immel bestritt das immer: "Wir haben nur zum Zeitvertreib gespielt."

700.000 Euro für Dschungelcamp-Teilnahme

Dass seine Einkünfte aus der Profilaufbahn komplett verplempert waren, spricht dagegen. Immel hatte sogar Schulden in sechsstelliger Höhe. Weil er dringend Geld brauchte, ging er 2008 ins Dschungelcamp von RTL. 70.000 Euro strich er dafür ein, den Großteil davon kassierte sofort der Insolvenzverwalter. Trotzdem gab ihm der TV-Auftritt neue Hoffnung. Schlagerbarde Bata Ilic, den er im Camp kennenlernte, wollte mit Immel auf Tournee gehen. Anfangs war der von der Idee begeistert, doch dann merkte er schnell, auch mangels Stimme: "Das ist nicht meine Welt." Im Juni 2008 der nächste Tiefschlag: Immel wurde zum ersten Mal rechtskräftig vorurteilt. Wegen Betrugs.

Um nicht mehr auf die Hilfe seiner Familie angewiesen zu sein, wollte er noch mal als Torwarttrainer arbeiten. "Es gibt keinen besseren als mich", sagte er, ungeachtet seines Hüftleidens. Mit einem Bekannten gründete er eine Torwartschule. Auch sie wurde zum Flop.

Heute lebt er bei seinem Sohn in einem kleinen Zimmer. Immel befindet sich in einer denkbar schlechten körperlichen Verfassung. Seine Rechtsanwältin sieht dem Prozess deshalb mit großen Sorgen entgegen. Sie sagt: "Es wird schwierig für Herrn Immel, die Verhandlung durchzustehen."

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Eurovision Song Contest - Press Conference
17.05.13ESC 2013
Eurovision Song Contest - Cascada und ihre Rivalen

Am Sonnabend tritt Cascada mit ihrem Dance-Song "Glorious" für Deutschland beim Eurovision Song Contest in Malmö an. Bei den Buchmachern stehen aber Dänemark und Norwegen ganz vorn. mehr...


Madleen Borngräber leidet an einer seltenen Krankheit
14:45Krebs-Gen wie Angelina Jolie
Warum sich eine Berliner Studentin die Brüste amputieren ließ

Madleen Borngräber (25) trägt das Krebs-Gen in sich. Deshalb ließ sie sich vorsorglich die Brüste entfernen. Genau wie Schauspielerin Angelina Jolie, die vor kurzem damit an die Öffentlichkeit ging. mehr...


Hoch hinaus: Breakdancer am Blücherplatz stimmen auf das Multi-Kulti-Fest ein
14:48Karneval der Kulturen
Bis Pfingstmontag ist Kreuzberg die Bühne der Welt

Der Karneval der Kulturen hat mit dem obligatorischen Straßenfest am Blücherplatz begonnen. Höhepunkt ist wieder der große Umzug am Pfingstsonntag. Dazwischen machen viele Events Kreuzberg schön bunt. mehr...


Monumental: Anish Kapoor steht in seiner Installation aus Wachs „1st Body“
07:34Ausstellung
Starkünstler Kapoor zeigt sein Universum im Gropius-Bau

Tonnenschwere Installationen: Starkünstler Anish Kapoor aus London bespielt den Martin-Gropius-Bau mit spektakulären Großskulpturen aus Wachs, Pigmenten und PVC - seine erste große Schau in Berlin. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Parlament Bundestag debattiert über Atommüllendlager
Cannes Emma Watson spielt Kriminelle in Coppolas Film
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Großeinsatz

Feuer in Berliner Autowaschanlage

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote