09.10.12

Debatte über Wutrede

Labbadias Wutrede war der Anfang vom Ende

Die Bundesliga diskutiert über den emotionalen Ausbruch des Stuttgarters Bruno Labbadia. Andere Trainer stehen ihm bei. Doch die Geschichte zeigt: Solch einem Auftritt folgte meist das Ende.

Der ganze Frust musste einfach mal raus, aber ob sich Bruno Labbadia nach dem 2:2 gegen Bayer Leverkusen mit seiner Wutrede wirklich einen Gefallen getan hat, ist wohl mehr als fraglich. Der Stuttgarter Trainer hat sich mit Intensität und Wortwahl außerhalb der Kollegenschar nicht viele Freunde gemacht.

Auf die eigenen Fans war Labbadia losgegangen, denen er vorwarf, zu schnell unzufrieden zu sein. Auf die Lokalpresse, die ihm zu kritisch ist. Auf die Vereinsführung, die ihre Trainer serienweise feuere. Und indirekt auch auf Manager Fredi Bobic, als er betonte, dass der Nachwuchsspieler Holzhauser nur noch im Verein sei, weil Labbadia persönlich den Wechsel im Sommer verhindert habe.

Die Geschichte zeigt, dass derlei Wutausbrüche meist der Anfang vom Ende sind. Trainer wie Thomas Doll oder Klaus Augenthaler waren nach ähnlichen Auftritten nicht mehr lange im Amt.

"Hat er die Mannschaft noch im Griff?"

So könnte es auch Labbadia ergehen, glaubt Oliver Kahn. Der ehemalige Nationaltorwart schrieb auf "bild.de": "Labbadia hat sich mit der Wutrede keinen Gefallen getan. Auch nach der berühmten 'Ich habe fertig'-Rede von Trapattoni tauchte ganz zwangsläufig die Frage auf, ob ein Trainer, der sich selbst nicht im Griff hat, seine Mannschaft im Griff haben kann." Er habe immer Trainer geschätzt, die sich vom öffentlichen Druck nicht provozieren ließen.

Davon kann bei Labbadia keine Rede sein, der offenbar weder mit den Sparvorgaben seines Vorstands, noch mit der fachlichen Kritik aus der Lokalpresse umzugehen vermag. Diese bezog sich hauptsächlich auf die mangelnde Durchsetzung des hochgelobten Nachwuchs in der Profimannschaft. Dass zuletzt die versammelte Jugendführung ihren Wechsel zu Rasenball Leipzig bekannt gab, mag ein Indiz dafür sein, dass die Kritik nicht ganz aus der Luft gegriffen ist.

Klubboss und Trainer sind Brüder im Geiste

Offiziell steht Labbadia bei den Schwaben dennoch nicht zur Debatte. Er könne Labbadias Frust "absolut nachvollziehen" und sei "inhaltlich und in der Sache" voll bei Labbadia, kommentierte VfB-Präsident Gerd Mäuser die Ansprache seines Trainers: "Allein die Wortwahl 'am Arsch geleckt', die hätte ich mir anders gewünscht." Die Verbrüderung verwundert wenig, Anfang des Jahres hatte Mäuser Journalisten selbst als "irgendeinen Scheiß schreibende" Schmierfinken bezeichnet.

Auch hinter den Kulissen geht derzeit niemand von einer schnellen Entlassung oder gar einem Rücktritt der Trainers aus. Das könnte sich bei weiteren Misserfolgen aber ändern. Das nächste Spiel bestreitet der VfB ausgerechnet bei Labbadias erstarktem Ex-Klub, dem Hamburger SV. Dort wie zuvor in Leverkusen war er im Unfrieden gegangen.

Schaaf zeigt sich solidarisch

Zuspruch bekam Labbadia am Dienstag von einem Kollegen, der sich als Dienstältester herausnahm, für die gesamte Branche zu sprechen. "Bruno Labbadia hat mit seinen Aussagen Recht, das unterstützen alle Trainer", sagte Werder Bremens Trainer Thomas Schaaf, der selbst eher nicht im Verdacht steht, öffentliche Wutausbrüche zu inszenieren: "Natürlich ist es bei jedem individuell, aber die Kernaussagen sind richtig."

Lutz Hangartner, Präsident des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL), stimmte Schaaf zu: "Es herrschte die einheitliche Meinung, dass Labbadias Reaktion nachvollziehbar war", sagte er. Bundesligatrainer fühlten sich manchmal wie Freiwild: "Man kann natürlich sagen, es gibt eine Menge Schmerzensgeld, aber so einfach ist es nicht."

Sportpsychologe Jens Kleinert von der Sporthochschule Köln rät hingegen zu einer besseren Schulung der Trainer. "Leider wenden sich die Trainer unter großer Anspannung zu selten an Sportpsychologen und Berater", sagt Kleinert: "Oft herrscht die Meinung vor: Ich war Fußball-Profi, ich kenne mich mit dem Druck in dem Geschäft aus. Doch das ist nicht selten ein Irrglaube und kann dazu führen, dass die Anspannung unaushaltbar groß wird."

Quelle: SUF
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Obama in Berlin
Aktualisiert vor 7 MinutenLiveblog
Obama in Berlin – Merkel begrüßt den US-Präsidenten

US-Präsident Barack Obama, Ehefrau Michelle und die Töchter Sasha und Malia sind in Berlin und absolvieren ein eng getaktetes Tagesprogramm. Der Tag der Obamas im Liveblog. mehr...

Dritter Gang  Königsberger Klopse, Rote Bete und Stampfkartoffel
19:26Abendessen
Obamas Berliner Menü - die Rezepte zum Nachkochen

Eigentlich hat Zwei-Sterne-Koch Tim Raue ein Faible für Asien – für den Empfang des US-Präsidenten und die Kanzlerin kocht er aber bodenständig. Ein Gericht ist trotzdem sehr aufwendig geraten. mehr...

Rede in Berlin
19:35US-Präsident
Obama in Berlin - Die ganze Rede im Wortlaut

Vor dem Brandenburger Tor hat US-Präsident Barack Obama seine mit Spannung erwartete Rede gehalten. Die Berliner Morgenpost dokumentiert die Ansprache in voller Länge. mehr...

Obama in Berlin
18:04Obama in Berlin
Michelle Obama und ihr Gespür für Mode - eine Stilkritik

Besonders Michelle Obama zieht mit ihrem Outfit die Blicke auf sich. Ihre Töchter Sasha und Malia stehen ihr da in nichts nach. Wir zeigen, wie stylish der Berlin-Ausflug der Präsidentenfamilie ist. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Top-Thema

Aus dem Bett ihrer Suite im „Ritz-Carlton“ kann das Präsidentenpaar auf den Potsdamer Platz schauen
Obamas Hotel in Berlin

Hier übernachtet die First Familiy

Video Nachrichten mehr
Berlin-Besuch Absperrungen und Hitze am Brandenburger Tor
Deutschland-Besuch Familie Obama zu Gast in Berlin
Berlin-Besuch Obama von Bundespräsident Gauck empfangen
Berlin US-Präsident Obama erreicht das Ritz-Carlton
 
Top Bildershows mehr
US-Präsident

Barack Obama und sein Tag in Berlin

Eigenes Programm

First Lady Michelle Obama in Berlin

First Lady

Das ist die Stilikone Michelle Obama

Staatsbesuch

Von Kennedy bis Bush – US-Präsidenten in Berlin

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote