27.09.12

Kolumne "Nachspielzeit"

Geizige Stuttgarter bekommen jetzt die Quittung

Der VfB Stuttgart ist in dieser Saison noch sieglos. Ein Grund dafür ist, dass der Klub nach dem schwäbischen Motto "Schaffe, schaffe, Häusle baue" gehandelt hat, anstatt in Spieler zu investieren.

Foto: DAPD
VfB Stuttgart
Stuttgart in Not: Trainer Bruno Labbadia (l.) im Gespräch mit Sportdirektor Fredi Bobic

Im vergangenen Jahr waren die Spieler des VfB Stuttgart enttäuscht, dass es keinen offiziellen Besuch der Mannschaft auf dem Cannstatter Wasen gegeben hat. Der Klub hatte einen Bierbrauer als Sponsor gewonnen, der auf dem Volksfest nicht vertreten ist.

So wäre ein Besuch des Bundesligavereins unpassend gewesen. In diesem Jahr sollten die Spieler des VfB heilfroh sein, dass sie auf dem Wasen – das Stuttgarter Pendant zu den Münchner Wiesn beginnt am Freitag – nicht erscheinen müssen.

Denn wer weiß, wie viele bierselige Schwaben wohl die Contenance verlieren und mit Bierkrügen oder Brathähnchen um sich schmeißen würden, wenn die Spieler dort erscheinen sollten. So groß ist derzeit die Wut auf die enttäuschend agierenden Fußballspieler des VfB.

Hohn und Spott musste die Mannschaft am Mittwochabend ertragen, als sie daheim 0:3 gegen 1899 Hoffenheim verlor und am Ende des Spiels dafür ein "Oh, wie ist das schön" zu hören bekam – von den eigenen Fans wohlgemerkt.

Fünf Spiele ohne Sieg

Fünf Spiele und kein Sieg. Der VfB ist Tabellenvorletzter, hat zwei Punkte und ist mit zwölf Gegentoren sowie der schlechtesten Tordifferenz (minus 9) auch noch die Schießbude der Bundesliga. Alles in allem ergibt das den schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte.

Indiskutabel war das, was der VfB seinen Zuschauern gegen Hoffenheim zu bieten hatte. Und symbolisch, was sich vor dem 0:2 durch Joselu ereignete. Da verlor der Stuttgarter Georg Niedermeier den Ball gegen den späteren Torschützen, weil er zu zaghaft und unentschlossen agiert hatte.

Ausgerechnet Niedermeier, der sich noch vor wenigen Tagen über seine Reservistenrolle beklagt und mit Konsequenzen gedroht hatte. Als er nun von Beginn zeigen durfte, welch unverzichtbarer Fußballspieler er ist, versagte er wie all seine Nebenleute.

Nur 300.000 Euro investiert

Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit beim VfB ist derzeit groß. Aber vielleicht bekommen die Schwaben dieser Tage auch einfach nur die Quittung dafür, dass sie im Sommer besonders streng ein Klischee bedient haben – und zwar jenes, das geizigste Völkchen in Deutschland zu sein.

Nur 300.000 Euro haben sie vor der Saison für neue Spieler ausgegeben – so wenig wie kein anderer der 17 Bundesligakonkurrenten. Nun wäre es übertrieben und auch ungerecht, den Misserfolg des VfB nur an der schlechten Einkaufspolitik festzumachen.

Aber es hat den Anschein, als würde es sich nun rächen, dass der Verein in den vergangenen Jahren frei nach der schwäbischen Devise "Schaffe, schaffe, Häusle baue" überwiegend in den Umbau des Stadions investiert hat, anstatt in das kickende Personal. In Tim Hoogland von Schalke 04 und Tunay Torun von Hertha BSC wurden im Sommer nur zwei erfahrene Profis geholt – und die waren bei ihren vorherigen Arbeitgebern nicht einmal erste Wahl.

Labbadia unter Druck

Bislang musste sich Trainer Bruno Labbadia keine Sorgen um seinen Arbeitsplatz machen. Denn noch hat er Kredit dafür, dass er mit dem VfB 2011 die Klasse gehalten und in der vergangenen Saison den Einzug in die Europa League geschafft hat.

Doch sollte er nicht schleunigst die Trendwende schaffen, ist es gut möglich, dass es schon Samstag in einer Woche, wenn Markus Lanz seine Premiere als Moderator von "Wetten, dass..?" feiert, eine Fußballwette nicht mehr gibt. Und zwar die, wie lange Labbadia noch Trainer des VfB Stuttgart ist.

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