10.09.12

Beckenbauer in Sorge

Chaoten bedrohen und zerstören deutschen Fußball

Fandrohungen wie gegen den Kölner Pezzoni sind nicht nur eine Gefahr für den Spieler, sondern auch für den Fußball, sagt Franz Beckenbauer im "Bild"-Interview. Seine Familie wurde selbst mal bedroht.

Foto: DAPD
Franz Beckenbauer
Franz Beckenbauer wird am Dienstag, 11. September, 67 Jahre alt

Franz Beckenbauer befürwortet eine ehrgeizige Zielsetzung für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der WM 2014. "Ein Titel ist fällig, nachdem der bislang letzte EM-Sieg 1996 war", sagte Beckenbauer der "Bild". "Allerdings wird es in Brasilien 2014 bestimmt nicht einfacher als bei der Heim-WM 2006. Danach begann die Vorherrschaft der Spanier. Doch die ist auch irgendwann vorbei..."

Österreich, Gegner der deutschen Mannschaft im WM-Qualifikationsspiel am Dienstagabend, hält er durchaus für einen ernst zu nehmenden Rivalen. "Es dürfte für Deutschland schwerer werden als in den vergangenen Jahren", sagte Beckenbauer. "Trainer Marcel Koller hat eine starke Mannschaft, fast alle in seinem Team spielen in der Bundesliga."

In Fandrohungen wie im Fall Kevin Pezzoni sieht Beckenbauer eine Gefahr für den Fußball. "Das sind keine Fans, das sind Zerstörer. DFB, Liga, die echten Fans und der Staat müssen verhindern, dass diese Typen den Fußball kaputtmachen. Ich sehe eine echte Bedrohung", sagte der "Kaiser". Durch das Internet hätten Anfeindungen eine neue Qualität bekommen, so Beckenbauer: "Täter können sich heute innerhalb von fünf Minuten zusammenrotten. Dafür hätten sie früher eine Woche gebraucht."

Beckenbauer und die Baader-Meinhoff-Bande

Drohungen habe es auch zu seiner Profizeit gegeben, diese seien aber nicht von Fans ausgegangen. "Rund um die WM 1974 gab es konkrete Terrordrohungen - nicht von Fans, sondern von der Baader-Meinhof-Bande. Meine Familie und ich hatten Personenschutz. Was sich jetzt abspielt, ist eine andere Kategorie von Gefahr", sagte Beckenbauer.

Er wird heute 67, im großen Geburtstagsinterview mit der "Bild" zeigte er sich unterdessen begeistert, dass Bundestrainer Löw mutiger nach vorn spielen lassen will. Ob das Dortmunder Modell mit Spielern des FC Bayern klappe? "Natürlich. Reus, Götze, Müller – das passt im Mittelfeld. Die Bayern spielen ja inzwischen auch ähnlich wie Dortmund mit schnellen, überfallartigen Angriffen. Die Blöcke Dortmund und Bayern werden die Nationalelf dominieren – wie in den 70er-Jahren Gladbach und Bayern."

Den FC Bayern selbst sieht er nicht zuletzt durch die Verpflichtung von Matthias Sammer als Sportdirektor gut aufgestellt: "Wir wollten Matthias Sammer ja schon zweimal als Trainer haben, aber da kamen zuerst Jürgen Klinsmann und dann Louis van Gaal dazwischen. Gut, dass es nun so geklappt hat. Sammer macht Jupp Heynckes stärker, hält dem Trainer den Rücken frei. Sammer ist das Faustpfand des FC Bayern."

Quelle: dapd/sid/dpa/pk
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