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11.09.12WM-Qualifikation
"Das ist Deutschland gegen die Bundesliga"
In der WM-Qualifikation gegen Österreich erwartet Bundestrainer Joachim Löw ein Duell "auf Augenhöhe". Personell ließ er noch Fragen offen. Und: Noch nie hat er so eindringlich vor Österreich gewarnt.
Quelle: SID
10.09.12
1:40 min.
Vor dem Prestigeduell gegen Österreich sieht Joachim Löw den Nachbarn auf Augenhöhe. Zwar war der Sieg gegen die Färöer klar, doch für Löw ist die Qualifikationsrunde zur WM 2014 kein Selbstläufer.
Seriös, konzentriert und endlich auch eiskalt im Abschluss – die Forderungen von Joachim Löw sind vor dem heißen Duell in Österreich eindeutig. Gleich nach der Landung im sommerlichen Wien machte sich der Bundestrainer an die letzte Detailarbeit. Von Philipp Lahm, Miroslav Klose und Co. erwartet Löw beim ersten WM-Gradmesser einen kräftigen Leistungsschub – denn der Cheftrainer des Deutschen Fußball-Bundes sieht den Gegner so stark wie nie.
Als Extramotivation ernannte er das brisante WM-Qualifikationsspiel der Fußball-Nationalmannschaft am Dienstag (20.30 Uhr, ARD) kurzerhand zum Duell "Deutschland gegen die Bundesliga". Neun Profis aus der deutschen Eliteklasse im Aufgebot des Gegners haben den 52-Jährigen zusätzlich von dessen neuer Stärke überzeugt.
"Ich erwarte, dass wir das Spiel sehr konsequent angehen und unsere Chancen nutzen", forderte Löw am Tag vor der Partie im mit 47.000 Zuschauern ausverkauften Ernst-Happel-Stadion. Noch auf dem kurzen Flug von Hannover nach Wien hatte Löw die Zeitungen studiert. "Ich habe auch gelesen, dass selbstbewusste Aussagen gemacht wurden, und das völlig zu recht. Ich erwarte ein Spiel auf Augenhöhe", warnte Löw bei der Pressekonferenz nach der Ankunft im Wiener Prater.
Jede Form von Schlendrian ist gegen das kleine Nachbarland streng verboten. Energisch wie bei keinem seiner schon drei Wien-Gastspiele als Bundestrainer mahnte Löw die Nationalspieler vor den neu entdeckten Stärken des Austria-Teams. "Was ich von den Österreichern gesehen habe, sind sie so gut wie die Jahre zuvor nicht – viel organisierter, viel selbstbewusster, viel direkter zum Tor. Sie wittern ihre Chance, mal wieder bei einem großen Turnier dabei zu sein", sagte Löw.
Seiner eigenen Auswahl redete er entsprechend ins Gewissen. Ein Ausrutscher gegen Rot-Weiß-Rot würde nicht nur einen Rückschlag für den gerade aufgenommen direkten Weg zur WM 2014 bedeuten, sondern auch die EM-Wunden wieder aufreißen. "Ich gehe von einem starken und heftigen Abnutzungskampf aus", sagte Löw.
Ungewöhnlich defensiv formulierte der Bundestrainer die Ambitionen, fast so, als wolle er für einen Punktverlust vorsorgen. "Es ist ein Langstreckenwettbewerb, in dem 30 Punkte vergeben werden. Es ist kein Entscheidungsspiel. Jetzt heißt es für uns, in Wien nachzulegen", betonte Löw.
Internationale Erfahrung spricht für deutsches Team
Bei aller Warnung vor dem Konkurrenten sieht Löw sein Team aber doch im Vorteil. Den Bundesligaprofis Prödl, Pogatetz, Harnik, Arnautovic und Co. attestierte er mit deren deutschen Arbeitgebern in Bremen, Wolfsburg, Stuttgart zwar Europa-League-Ambitionen. In der deutschen Startelf aber haben bis auf den Neu-Dortmunder Marco Reus alle Akteure Champions-League-Erfahrung.
Für sich und sein Team hat Löw noch mehrere Arbeitsschwerpunkte ausgemacht. Fraglich ist weiterhin, ob Marcel Schmelzer nach seiner Fußprellung, die einen Einsatz gegen die Färöer (3:0) verhinderte, wieder fit genug ist. Löw erklärte alle Akteure für einsatzfähig, alle 22 Akteure waren beim Abschlusstraining dabei.
Ob Schmelzer oder wieder Holger Badstuber links verteidigen wird, ließ Löw offen. Die zweite vakante Position ist neben Sami Khedira die zweite Hälfte der Doppelsechs im defensiven Mittelfeld. Toni Kroos ist favorisiert, dessen Hüftprellung wäre kein Hindernis mehr.
Abwehr steht auf dem Prüfstand
Taktisch hat Löw das stets kritisierte Abwehrverhalten im Blick. Unbedingt sollen aber die Offensivkräfte ihre auch gegen die Färöer viel zu schlampige Chancenverwertung optimieren. "Viele Möglichkeiten werden wir gegen Österreich nicht bekommen", mahnte Klose, der in seinen vier Duellen mit dem Nachbarn fünfmal traf. Zudem predigt Löw den diversen kreativen Mittelfeldkünstlern permanentes Arbeiten gegen den Ball. "Nur Sami Khedira macht das bislang richtig gut", so Löw.
Gegen Österreich steht manche deutsche Serie auf dem Spiel. Seit 1986 wurde nicht mehr verloren. Die Gesamtbilanz von 23 Siegen bei 6 Remis und 8 Niederlagen ist gut. In fast 80 Jahren WM-Qualifikation ist Deutschland zudem auswärts unbesiegt. 23 Qualifikationsspiele für große Turniere gingen zuletzt nicht verloren.
Statistik macht Mut
Löw hat überwiegend gute Erinnerungen an Wien, wo er vor seinem Wechsel zum DFB in der Saison 2003/2004 bei der Austria als Klubtrainer arbeitete. Alle drei Gastspiele wurden im Ernst-Happel-Stadion gewonnen – das letzte Spiel im Juni 2011 (2:1) aber durch den Last-Minute-Treffer des diesmal verletzten Mario Gomez denkbar knapp.
Beim 1:0 zum Abschluss der EM-Vorrunde 2008 wurde der 52-Jährige wegen Reklamierens auf die Tribüne verbannt. "Die Spiele in Wien waren geprägt von heißer, teilweise hitziger Atmosphäre. Ganz Österreich fiebert dem Spiel entgegen. Sie versuchen schon lange, Deutschland in die Knie zu zwingen", sagte Löw.
BILANZ I
Das Aufeinandertreffen mit den Österreichern am Dienstag (20.45 Uhr/ARD und Die Welt) in Wien ist das 866. Länderspiel in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft. Seit der ersten Begegnung der DFB-Auswahl am 5. April 1908 (3:5 gegen die Schweiz in Basel) gab es 500 Siege, 174 Unentschieden und 191 Niederlagen. Das Torverhältnis aus allen 865 Länderspielen des deutschen Teams, in denen insgesamt 893 Nationalspieler eingesetzt wurden, lautet 1933:1031.
BILANZ II
Joachim Löw betreut das deutsche Team gegen die Färöer zum 86. Mal seit seinem Debüt als verantwortlicher Bundestrainer im August 2006. Seine Bilanz: 58 Siege, 13 Unentschieden und 14 Niederlagen bei einem Torverhältnis von 206:76. In diesen 85 Länderspielen setzte Joachim Löw 77 Spieler ein und verhalf 52 Neulingen zu ihrer Premiere im Trikot der DFB-Auswahl. Beim 3:5 gegen die Schweiz in Basel am 26. Mai 2012 gaben Marc-Andre ter Stegen und Julian Draxler als letzte Debütanten ihren Einstand.
BILANZ III
Die Länderspiel-Bilanz des DFB gegen Österreich ist positiv. In 37 Begegnungen gab es 23 Siege bei sechs Unentschieden und acht Niederlagen. Das Torverhältnis lautet 84:54.
REKORDSPIELER
Führender in dieser Statistik ist weiterhin Lothar Matthäus. Der ehemaliger Weltfußballer spielte zwischen 1980 und 2000 genau 150-mal für die DFB-Auswahl. Miroslav Klose liegt mit 123 Einsätzen auf dem zweiten Platz der Rangliste und ist somit auch der erfahrenste Akteur des aktuellen Kaders.
REKORDTORSCHÜTZEN
In der "ewigen" Torjägerliste des DFB liegt Klose mit 64 Toren ebenfalls auf Rang zwei und als bester aktiver Nationalspieler nur noch vier Treffer hinter Gerd Müller, der in 62 Länderspielen sagenhafte 68 Treffer für das deutsche Team erzielte.
SERIE
In den vergangenen 23 Länderspielen gelang der DFB-Elf immer mindestens ein Treffer. Eine ähnliche Tor-Serie gab es zuletzt zwischen Juni 2004 und August 2005 (18 Spiele).
Quelle: dpa/pk
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