Bundesliga
Dortmund leistet sich in Nürnberg den ersten Fehltritt
In Nürnberg kommt der BVB zu einem schmeichelhaften 1:1. Trainer Klopp ist entnervt - und sucht die Schuld beim Schiedsrichter.
Kurz vor Spielende musste der Pfosten den Dortmundern helfen, um wenigstens einen Punkt zu sichern. Robert Maks Schuss landete an der Torumrandung, so kam Borussia Dortmund beim 1. FC Nürnberg noch zu einem 1:1 (0:0). Nach den schweren Kontrahenten, die den Dortmundern am Donnerstag in der Champions League zugelost worden waren (Real Madrid, Manchester City, Ajax Amsterdam), war es eine weitere Ernüchterung.
Eine gute Stunde nach einem aus seiner Sicht nervtötenden Spiel hatte sich Jürgen Klopp immerhin wieder ganz gut im Griff. Da sagte er sehr diplomatisch, dass er mit dem Schiedsrichter "nicht zufrieden war", dass Tobias Welz aus Wiesbaden bei Situationen gepfiffen habe, "die pfeifst du halt nicht, wenn du mal Fußball gespielt hast". Und doch war dem Trainer von Borussia Dortmund noch immer anzusehen: Der eine Zähler beim 1. FC Nürnberg war ihm eigentlich zu wenig. Fast gequält sagte er: "Gut, wir haben einen Punkt mehr als vorher."
Schwächen bei Standards
Kurz nach dem Schlusspfiff war Klopp im Interview beim Privatsender Sky noch ein bisschen härter mit Welz ins Gericht gegangen. Der Meistertrainer fand, dass der Schiedsrichter zu kleinlich und außerdem zumeist dann gepfiffen habe, wenn ein Nürnberger zu Fall gekommen war. Richtig "an die Nieren" sei ihm die Leistung des Unparteiischen gegangen, schimpfte Klopp, "es ist halt schwer, wenn alles weggepfiffen wird", Fußball sei ja eine "Zweikampfsportart", er könne 40 strittige Szenen nennen. Welz, das empfahl Klopp, solle sich das bitte noch mal "in Ruhe anschauen".
In der Tat erregte sich Klopp wohl deshalb so sehr, weil nach einem Pfiff des Schiedsrichters eine Standardsituation folgt: Und da sei seine Mannschaft dann "noch nicht hundertprozentig" auf der Höhe des Geschehens, "wir sollten das Thema mal angehen". Das 1:0 für den Club durch Tomas Pekhart fiel übrigens nach einem Eckball (31.). Und Klopp merkte auch an, dass es ein "taktisches Mittel" sei, Freistöße zu provozieren: "Wenn ich das Gefühl habe, der Gegner hat Probleme bei Standards, lege ich mich halt auch ab und zu mal hin."
Die Dortmunder hatten aber auch Glück, dass Welz tatsächlich nicht immer pfiff, wenn ein Nürnberger am Boden lag. Zum Beispiel bei der Attacke von Lukasz Piszczek gegen Robert Mak im Strafraum (63). Zu diesem Zeitpunkt stand es 1:1 – Jakub Blaszczykowski hatte nach einem Lattentreffer von Ivan Perisic getroffen (40.). Und kurz vor Schluss traf Mak außerdem noch, wie eingangs erwähnt, den Pfosten des Dortmunder Tores (86.). "Dann kann das Spiel kippen", erkannte Klopp, betonte aber, dass das nun wirklich nicht gerechtfertigt gewesen wäre.
Vorgeschmack auf die Saison
Es war allerdings auch so, dass der Deutsche Meister, der nun seit 30 Bundesliga-Spielen ungeschlagen ist, einen Vorgeschmack auf das bekam, was ihm in dieser Saison blühen könnte. "Wir haben sie genervt, das hat man gemerkt", sagte Nürnbergs Trainer Dieter Hecking mit einem frechen Grinsen. "Fantastisch" habe seine Mannschaft die Räume zugelaufen, die Gegenspieler attackiert, sie habe wie schon vor einer Woche in Hamburg einfach "klasse gespielt". Der Coach war offensichtlich mit der disziplinierten und couragierten Vorstellung seines Teams hochzufrieden. Und er hatte auch allen Grund dazu. "Die haben ja fast über den gesamten Platz Mann gegen Mann verteidigt", glaubte Dortmunds Verteidiger Neven Subotic erkannt zu haben.
Dortmund war, wie es so schön heißt, optisch überlegen – aber auch Klopp hatte bemerkt, dass "der absolute und letzte Punch im letzten Drittel" gefehlt hatte. Nürnberg lief viel, Nürnberg stand gut, "und wir haben uns mit vielen Fehlern selbst das Leben schwer gemacht", sagte Mats Hummels. Das stellte den Doublesieger vor Probleme, für die er zunächst keine Lösungen hatte.
Reus blieb blass
Einzig durch Distanzschüsse ließ der BVB seine Torgefährlichkeit anfangs mal aufblitzen, letztlich blieben die Versuche von Kapitän Sebastian Kehl (18.) und des ehemaligen Nürnbergers Ilkay Gündogan (27./45.) aber erfolglos. Jürgen Klopp war sichtlich unzufrieden – und fiel mit seinen Reklamationen als häufiger Gast an der Seite des vierten Unparteiischen auf. Abwehrchef Hummels köpfte immerhin einmal zielgenau auf das Nürnberger Tor, auf der Linie aber köpfte Javier Pinola den Ball weg (63.). Es war eine der wenigen Chancen, die der Club vor 50.000 Zuschauern im ausverkauften "Stadion Nürnberg" zuließ.
So blieb auch Marco Reus am Ende blass, er wurde vorzeitig ausgewechselt. Der eingewechselte Mario Götze riss auch nichts. Es war mühsam, sehr mühsam gegen diese kampfstarken Nürnberger. Interessanterweise war Klopp nach dem Spiel der einzige, der den Hauptschuldigen so eindeutig identifizieren mochte. Auch Hummels wurde danach gefragt. Der Schiedsrichter, hat der den Borussen den Zahn gezogen? Nein, sagte der Nationalspieler, "er hat keine großen Fehlentscheidungen getroffen".
















