23.08.12

Bilbao-Boss Urrutia

Der Mann, der die Millionen des FC Bayern ablehnt

Der FC Bayern will für Javier Martinez 40 Millionen Euro ausgeben, doch Athletic Bilbao hat wenig Interesse an dem vielen Geld. An der Sturheit von Präsident Urrutia findet selbst Uli Hoeneß Gefallen.

Foto: efe
Europa League - Finale - Atletico Madrid - Athletic Bilbao 3:0
Präsident Josu Urrutia ist bei Bilbao seit seit 2011 im Amt. Früher spielte er im Mittelfeld von Athletic

Es kommt nicht oft vor, dass die Bosse des FC Bayern an einem Transfer verzweifeln. Wenn Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge einen Spieler haben wollen, dann bekommen sie ihn in den allermeisten Fällen auch. Besonders dann, wenn sie bereit sind, richtig viel Geld auszugeben.

Das ist derzeit durchaus der Fall. Rummenigge und Hoeneß haben beschlossen, den Rekordtransfer ihres Vereins zu stemmen. 40 Millionen Euro für Javier Martinez. Ein Spieler, der weder bei einem Champions-League-Klub unter Vertrag steht, noch eine Stütze seiner Nationalmannschaft ist. Was einen denken lässt, dass der abgebende Verein den Mann auf Händen nach München bringen müsste. Dies ist aber nicht der Fall. Im Gegenteil: Athletic Bilbao wehrt sich vehement gegen den Transfer.

"Die Leute in Bilbao sind sehr stur"

"Das ist ein komplexes Thema, in Bilbao gehen die Uhren etwas anders", kommentiert Karl-Heinz Rummenigge die Situation, während Hoeneß das Problem beim Namen nennt: "Der Leute in Bilbao sind sehr, sehr stur. Wenn der Herr Präsident von Bilbao, der Kollege, bereit wäre, einen Transfervertrag zu machen, dann könnte er relativ schnell 40 Millionen bekommen."

Will er aber offenbar nicht. Wer ist dieser Mann, der die bayrischen Millionen ablehnt?

Josu Urrutia wurde in Bilbao geboren und hat die Stadt seither nicht verlassen. Der einstige Mittelfeldspieler wurde im Alter von 18 Jahren in die erste Mannschaft von Athletic berufen, ein Jahr später gab er sein erstes von 456 Ligaspielen – alle für einen Verein. Mit 35 Jahren trat er zurück.

Um seine Sturheit gegenüber dem FC Bayern zu verstehen, müssen zwei Dinge erläutert werden. Zum einen die Tradition des Klubs, zum anderen, die Art und Weise, wie Urrutia an die Macht kam.

Atlethic Bilbao hat sich seit jeher eine lokale Selbstverpflichtung auferlegt. Der Klub ist quasi ein Globalisierungsgegner, seine Farben dürfen nur Spieler baskischer Herkunft tragen. Ein gigantischer Wettbewerbsnachteil, auf den Klub, Fans und die nach Autonomie strebende Region aber beharren und durchaus stolz sind.

"Wir sind kein Verkaufsklub"

Dass Bilbao trotz dieses Umstandes meist eine gute Rolle in der Liga spielte, achtmal Meister wurde und auch oft im Europokal überzeugte, ist erstaunlich. Dafür nötig sind ein ausgefeiltes Scoutingsystem, stolze Spieler wie Urrutia, die den Klub für kein Geld der Welt verlassen würden und eine restriktive Transferpolitik.

"Ich kann allen Vereinen, die einen unserer Spieler unter Vertrag nehmen wollen, nochmals mitteilen, dass wir kein Verkaufsklub sind", sagte Urrutia erst vor kurzem, "wer einen Spieler kaufen will, der muss die vertraglich festgeschriebene Summe zahlen."

Diese liegt im Fall von Martinez bei 40 Millionen Euro, die Vereine streiten aber darüber, wer von beiden die Steuern für den Kauf abführen muss. Zudem fordert Bilbao laut Hoeneß offenbar, dass sich der Spieler selbst freikaufen muss: "Im Moment sagen sie, das Geld muss der Spieler selbst bezahlen. Da gibt es möglicherweise ein Problem, das wir sicherlich nicht eingehen können."

Wahlkampf mit Trainer Bielsa

Urrutia ist im Finanzthema versiert, nach seiner sportlichen Karriere schlug er eine Laufbahn als Unternehmensberater ein. Im vergangenen Jahr entschloss er sich, Präsident seines Klubs zu werden. Nach einem harten Wahlkampf beförderte er im Juli 2011 Fernando Garcia Macua mit knapper Mehrheit aus dem Präsidentenamt. Urrutias großes Plus im Werben um Stimmen war der argentinische Trainer Marcelo Bielsa, ein Fußballverrückter mit politisch linken Ansichten, der bestens zu den Basken passt. Bielsa führte den Klub in der Folge vergangene Saison bis ins Finale der Europa League. Er und Urrutia sind unumstritten.

Doch diese Stimmung kann sich schnell drehen, sollte Urrutia Stars wie Martinez oder Fernando Llorente (Juventus Turin hat Interesse) verkaufen. Zumindest muss er der Öffentlichkeit beweisen, um diese Spieler gekämpft zu haben. Die Spieler selbst sind längst zur Zielscheibe der schimpfenden Anhängerschaft geworden. Um sie zu schützen, wurden sie vorübergehend aus dem Aufgebot entfernt. Beide laufen am Donnerstag in der Europa League im Spiel gegen Helsinki nicht auf.

Hoeneß: "Mir gefallen Leute mit Prinzipien"

Sollten Martinez nicht zum FC Bayern wechseln, könnte Hoeneß damit übrigens auch leben. "Ich denke, dass unser Vorstand und der Sportdirektor bis zum letzten Tag alles versuchen werden, das zu realisieren", sagte er dem Fernsehsender Sport 1.

Er sei aber der Meinung, dass "wir so etwas nicht erzwingen sollten. Das ist nie gut". Hoeneß weiter: "Ich muss ehrlich sagen: Auf der einen Seite ärgert es mich, dass wir es nicht geschafft haben. Auf der anderen Seite gefallen mir Leute, die Prinzipien haben."

Leute wie Josu Urrutia.

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