15.08.12

Historisch

Erstes Rot für einen deutschen Nationaltorwart

Die Rote Karte für Ron-Robert Zieler ist der erste Platzverweis eines deutschen Torwarts in der Länderspielgeschichte. Ersatzmann Marc-André ter Stegen pariert einen Elfmeter von Superstar Messi.

Foto: AFP
Zieler Rot
Ron Robert Zieler (l.) geht mit dieser Rote Karten in die deutsche Länderspielgeschichte ein

Das Leben wirft einem ja manchmal schöne Möglichkeiten vor die Füße. Meist können wir dafür wenig, und oft bedeutet es auch, das einem anderen eine Chance genommen wird. Für den persönlichen Erfolg ist es dann allerdings entscheidend, diese Möglichkeiten eben auch zu nutzen.

Marc-André ter Stegen, der Torhüter von Borussia Mönchengladbach, ist es im Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Argentinien in Frankfurt ebenso ergangen. Als in der 30. Spielminute ein feiner Pass die deutsche Innenverteidung überraschte und der argentinische Offensivspieler und Ex-Bayer José Ernesto Sosa vor dem deutschen Torwart Ron-Robert Zieler auftauchte, brachte ihn der Hannoveraner zu Fall.

Die erste Rote Karte seit 104 Jahren

Elfmeter und zu allem Überfluss auch noch Rote Karte für Zieler. Kaum zu glauben: Es war die erste Rote Karte für einen deutschen Nationaltorhüter in der 104 Jahre langen Geschichte des Deutschen Fußballbundes (DFB). Seit der Einführung des Platzverweises zur Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko musste noch kein deutscher Schlussmann das Feld vorzeitig verlassen.

Da also tat sie sich auf, diese schöne Möglichkeit für ter Stegen. Bundestrainer Joachim Löw wechselte den Gladbacher Schlussmann ein, nahm dafür Thomas Müller vom Feld, und der 20-Jährige wusste, wie einer seine Chance nutzt. Er kam völlig ohne Erwärmung in die Partie und parierte den fälligen Elfmeter des Weltfußballers Lionel Messi, der diesen, zugegeben, auch ziemlich lustlos in die linke Torwartecke geschoben hatte.

"Für einen Torwart ist es immer schwer, in ein laufendes Spiel reinzukommen", sagte ter Stegen nach dem Spiel. "Ich bin einfach nur froh, dass ich den Elfmeter gehalten habe."

Von der Couch ins Rampenlicht

So ist das manchmal: Dem einen wird eine Chance genommen, ein anderer profitiert davon. Zieler fliegt vom Platz, und ter Stegen ärgert Messi. Dass es später in der Partie auch noch ein kleines Wortgefecht zwischen beiden gab, passte ins Bild.

Ursprünglich sollte er ja gar nicht dabei sein. Ter Stegen war nämlich von Löw überhaupt nicht vorgesehen für das Testspiel gegen Argentinien. Zwei Torhüter sollten genügen gegen die "Albiceleste". Und weil sich Löw zuvor gegen den Hoffenheimer Tim Wiese und für den Hannoveraner Ron-Robert Zieler entschied, hätte sich ter Stegen das Spiel von der Wohnzimmercouch anschauen sollen.

Dass es anders kam, ist trotz der 1:3 (0:1)-Niederlage der deutschen Elf ein Glücksfall für den talentierten Gladbacher.

Fünf Gegentore zum Debüt

Bei seinem ersten Auftritt in der Nationalmannschaft hatte der ehrgeizige ter Stegen noch eine unglückliche Figur gemacht. Beim Vorbereitungsspiel kurz vor der Europameisterschaft gegen die Schweiz (3:5), kassierte er gleich fünf Tore, sah mitunter überfordert aus, und der Bundestrainer strich ihn daraufhin aus dem EM-Kader.

Gegen Argentinien machte es ter Stegen bei seinem zweiten Länderspiel dann besser. Bei den beiden ersten Gegentreffern traf ihn keine Schuld. Beim Weitschuss zum zwischenzeitlichen 0:3 von Angel di Maria war ihm die Sicht versperrt. Auf der Linie wirkte ter Stegen aber durchaus sicher und hinderte Messi mit einem engagierten Herauslaufen an einem zweiten Treffer.

Nach der Ausbootung Tim Wieses aus der Nationalmannschaft sind nun einige Plätze hinter Manuel Neuer vakant. Marc-André ter Stegen hat sich mit einer guten Leistung gegen Argentinien und der Elfmeterparade gegen Messi vorerst in Stellung gebracht.

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