04.07.12

FC Bayern

Nach Sammer kündigt Heynckes härtere Gangart an

Wie der neue Sportvorstand Matthias Sammer verlangt auch Münchens Trainer Jupp Heynckes von seinen Profis nach der titellosen Saison "mehr Hunger". Er selbst werfe sich nichts vor, sagte Heynckes.

Foto: DPA
Jupp Heynckes
Seit Sommer 2011 befehligt Trainer Jupp Heynckes den FC Bayern

Jupp Heynckes hat versucht, die Enttäuschung weg zu trainieren. Im Urlaub trieb der Trainer des FC Bayern München viel Sport, "ich war oft an der frischen Luft." Doch die Gedanken an die titellose Saison, das verlorene Finale der Champions League im eigenen Stadion, sie gingen nicht weg. "Ich habe lange damit zu tun gehabt", sagte der 67-Jährige am Mittwochmittag bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach dem Endspiel-Drama gegen den FC Chelsea.

In der neuen Spielzeit soll alles anders, besser werden. Seit Dienstag bereitet er die Mannschaft vor, am Mittwochvormittag ließ er sie einen Laktattest absolvieren und am Nachmittag erneut trainieren.

Die EM-Spieler kommen in den nächsten Wochen nach und nach dazu, darunter der neue Stürmer Mario Mandzukic. Er und Rückkehrer Claudio Pizarro machen Heynckes Hoffnung. "Wenn wir sie im Finale der Champions League auf der Bank gehabt hätten, dann hätten wir das Spiel noch gewinnen können", so der Trainer.

Härtere Gangart

Doch weder die Enttäuschung noch die körperliche Belastung der vergangenen Wochen sei ein Alibi für die Spieler. Wie der neue Sportvorstand Matthias Sammer kündigt auch Heynckes eine härtere Gangart an: "Wir müssen cleverer, robuster und erfolgsorientierter werden. Wir müssen alle wieder mehr Hunger entwickeln."

Er werde von den Spielern noch stärker ein professionelle Lebensweise und eine Fokussierung auf den Sport fordern. Und wer diesem Anspruch nicht gerecht wird, landet auf der Ersatzbank. Egal, wie groß der Name ist. "Wir haben jetzt Alternativen", sagt Heynckes mit Hinblick auf die neuen Stürmer Pizarro und Mandzukic sowie Mittelfeldzugang Xherdan Shaqiri und Verteidiger Dante.

"Werfe mir nichts vor"

Und was wird er anders machen? Was hat er in der vergangenen Saison falsch gemacht? "Ich werfe mir gar nichts vor", betont Heynckes. Das solle aber nicht heißen, dass er nicht selbstkritisch reflektiert hat. Am Mittwoch traf er sich mit seinem Trainerstab und erklärte, was er optimieren will.

"Wir müssen nicht nur selbstbewusst reden, wir müssen das auch umsetzen. Die Mannschaft muss wieder als geschlossenes Team auftreten." Er will, dass die Spieler nach vorn blicken und neue Ziele definieren. 1974 verpasste er als Nationalspieler wegen einer Verletzung das WM-Finale. Er sei sehr enttäuscht gewesen, aber: "Danach habe ich meine beste Saison gespielt."

Auf einer Wellenlänge mit Sammer

Heynckes wirkt nach seinem Urlaub sehr entschlossen. Und er liegt mit Sammer offenbar auf einer Wellenlinie. Für ihn sei es daher selbstverständlich, dass der neue Sportvorstand bei Spielen auf der Trainerbank sitzt. "Ich habe eineinhalb Stunden mit ihm zusammengesessen. Wir haben ähnliche Vorstellungen und werden konstruktiv zusammenarbeiten", so Heynckes.

Mit dem entlassenen Christian Nerlinger habe er dies auch getan, Heynckes will nicht, dass der Ex-Sportchef den Ruf des Sündenbocks erhält. "Verantwortlich dafür, dass wir die Ziele nicht erreicht haben, sind Trainer und Mannschaft." Dass Sammer ein Querdenker ist, sei doch nichts Negatives. Im Gegenteil. "Wir haben alle richtig Lust auf die neue Saison."

Möglicherweise wird es seine letzte sein, Heynckes` Vertrag läuft im nächsten Sommer aus. Mit den Spekulationen um seine Nachfolger gehe er gelassen um. Und wer sage schon, dass er im nächsten Jahr wirklich aufhört?

Besonderes Augenmerk auf Schweinsteiger

Heynckes will und muss sich in den nächsten Wochen mit dringenden Themen befassen. Zum Beispiel mit dem geknickten und angeschlagenen Bastian Schweinsteiger, der sich mit Sprunggelenksproblemen durch die EM gequält hat. Heynckes hat zuletzt mehrmals mit dem Nationalspieler telefoniert und will ihn in dessen letzter Urlaubswoche erneut anrufen. "Ich werde mich besonders um ihn kümmern", so der Trainer.

Auch den Präsidenten von Atletic Bilbao hat Heynckes angerufen. Es ging um Javi Martinez, den er gern für das Mittelfeld verpflichten möchte. Doch derzeit ruft Bilbao eine Ablöse auf, den die Münchner nicht zahlen wollen. "Ich bin nicht entscheidend. Entscheidend ist die Knete", so Heynckes.

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