04.07.12

FC Bayern

Sammers Ansage – Titel statt Selbstmitleid

Der neue Münchner Sportvorstand hat bei seiner Vorstellung gleich ordentlich durchgegriffen. Ausreden wolle er keine hören. "Sich bedauern, das kann woanders möglich sein. Aber nicht beim FC Bayern."

Von Julien Wolff
Foto: Getty
Uli Hoeneß und Matthias Sammer
Haben beim FC Bayern das Sagen: Präsident Uli Hoeneß und Sport-Vorstand Matthias Sammer (von links)

Da ist es. Ein paar Stunden ist er erst im Amt, und schon zeigt Matthias Sammer dieses berühmte Bayern-Gen. Mia san Mia, dafür hat er nicht mal einen Schnellkurs gebraucht, das hat er schon in sich. "Wir wollen, müssen und werden sofort erfolgreich sein", sagte der neue Sportvorstand des FC Bayern München auf seiner Vorstellung am Dienstagnachmittag.

Im schwarzen Anzug und dunkelroter Krawatte ist Sammer in den Pressesaal des Stadions gekommen. Ein Fußballbesessener mit weltmännischem Auftreten. Sammer ist der Hoffnungsträger des Rekordmeisters. Einen Tag nach seiner Verpflichtung und Vertragsauflösung als Sportdirektor beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) zeigt er mit wenigen Sätzen, warum.

"Ich sehe keinen Grund für Alibis"

"Unsere Nationalspieler haben drei Wochen Urlaub. Ich hatte als Spieler nie drei Wochen Urlaub", so der 44-Jährige. In dieser Zeit können sie sich wunderbar erholen, körperlich und mental. Chelsea-Trauma? Enttäuschende Europameisterschaft? Vize-Bayern?

Sammer will von dem Das-Verarbeiten-braucht-Zeit-Gerede nichts hören. Sammer will keine Ausreden. Er will Zielstrebigkeit, Optimismus, kurzum: Die Siegermentalität, die die Münchner stark macht. Ihnen zuletzt aber abhanden gekommen ist. "Ich sehe keinen Grund für irgendein Alibi. Sich bedauern, das kann woanders möglich sein. Aber nicht beim FC Bayern", so Sammer.

Er zieht die Zügel an. Einen Dreijahresvertrag hat er unterschrieben. Sein Ziel, seine Aufgabe: Meisterschaften und Pokale gewinnen. "Wir waren dreimal Zweiter. Wir wollen wieder Titel", sagte Klubchef Karl-Heinz Rummenigge.

Fokus auf den Nachwuchs

Am Vormittag hatten er und Sammer das der Mannschaft gesagt. Rund zehn Minuten sprachen die Verantwortlichen im Spielergebäude an der Säbener Straße, Trainer Jupp Heynckes stellte die neuen Spieler vor: Rückkehrer Claudio Pizarro, Dante, Xherdan Shaqiri, den zweite Torwart Tom Starke und Talent Mitchell Weiser, Sohn des ehemaligen Bundesligaprofis Patrick Weiser. Der FC Bayern hat den U-18-Nationalspieler vom 1. FC Köln abgeworben.

Die Münchner wollen künftig noch stärker auf den Nachwuchs setzen. Linksverteidiger David Alaba hat in der vergangenen Saison gezeigt, dass es sich lohnt. 15.17 Uhr starteten die Profis vor rund 500 Zuschauern in die Saisonvorbereitung. Der Dienstag war die erste Seite eines neuen Kapitels in der Vereinsgeschichte, es soll ein sehr erfolgreiches werden. Vorhang auf für den neuen FC Bayern! "Wir müssen eine Aufbruchstimmung erzeugen", sagte Sammer.

"FC Bayern ist etwas Besonderes"

Er gibt seinen Job als Experte des Fernsehsenders Sky auf und konzentriert sich ab sofort ausschließlich auf seinen Klub. Mit dem DFB hatte er mündlich vereinbart, dass ihm bei einem Angebot der Bayern keine Steine in den Weg gelegt werden. "Er hatte das offenbar immer im Hinterstübchen", sagte Hoeneß.

Der Präsident war bei der Verpflichtung des Europameisters von 1996 der entscheidende Mann. In der vergangenen Woche aß er mit Sammer und dessen Frau zu Abend, er führte fernab der Öffentlichkeit mehrere Gespräche mit ihm. Am vergangenen Wochenende zog er Rummenigge hinzu und sprach mit Heynckes.

Sammer bat um eine Nacht Bedenkzeit. Sollte er schlecht schlafen, würde er es sich noch einmal überlegen, hatte er sich gesagt. "Ich habe schlecht geschlafen, aber das hat nichts geändert", sagte Sammer und lacht. Die Entscheidung fühle sich jetzt sehr gut an.

"Wenn der FC Bayern ruft, ist das etwas Besonderes. Auch für mich ist das beeindruckend." Als Spieler habe er 1993/1994 schon einmal ein Angebot der Münchner vorliegen gehabt, damals aber schon bei Borussia Dortmund im Wort gestanden. Reiz ihn der Konkurrenzkampf mit den Westfalen auch deshalb besonders? "Der FC Bayern wird in erster Linie auf sich selbst schauen."

Sammer einziger Kandidat

Hoeneß, Rummenigge, Sammer – können drei Macher miteinander funktionieren? Sammer hat keine Bedenken. "Menschen beeinflussen große Marken. Ich komme zum FC Bayern, der geprägt ist von großen Persönlichkeiten. Ich will an ihrer Seite reifen, aber auch mein Selbstbewusstsein einbringen."

Den Ausschlag für Sammer habe dessen Kompetenz gegeben, so Hoeneß. Der Klub wolle einen Mann, "der im Nachwuchsbereich Zeichen setzt." Andere Kandidaten für die Nachfolge des ehemaligen Sportdirektors Christian Nerlinger habe es nicht gegeben. "Ich bezeichne den Part von Matthias Sammer als Herzstück des FC Bayern", sagte Rummenigge.

Die Vereinsführung wird in den nächsten Wochen viele Gespräche führen. Am Mittwoch trifft sich Sammer mit Heynckes. Sie werden auch besprechen, ob Sammer auf der Tribüne oder der Trainerbank sitzen wird.

Neues Personal?

Für Heynckes war es am Dienstag wohl der letzte Trainingsauftakt. Sein Vertrag endet nach der Saison. Wegen der Verpflichtung Sammers ist die Nachfolger-Diskussion um Kandidat Josep Guardiola zunächst in den Hintergrund geraten, laut Rummenigge wird sich der Klub "bis zum Weihnachtsfest" nicht mehr zum Trainer-Thema äußern. Die Spekulationen müsse und werde der Klub in Kauf nehmen, so der Vorstandsvorsitzende.

Auf Heynckes und Sammer warten viele Herausforderungen. Vor allem müssen sie Antwort auf die Frage finden: Für welche Position brauchen wir noch neues Personal?

Bislang hat der Rekordmeister für die neue Saison 30 Millionen Euro in neue Spieler investiert: Für Shaqiri waren knapp zwölf an den FC Basel fällig, für Dante rund fünf an Borussia Mönchengladbach, und für Mandzukic 13 an den VfL Wolfsburg.

Nils Petersen hat der Klub für ein Jahr an Werder Bremen verliehen, Ivica Olic ist nach Wolfsburg gewechselt, doch mit Gomez, Mandzukic und Pizarro stehen dennoch drei Stürmer bereit. Hoeneß hatte eine Bombe angekündigt, "einer, der immer spielen kann, in Barcelona oder in Manchester." Mandzukic hat bei der EM mit drei Toren in der Gruppenphase seine internationale Klasse bewiesen.

"Ich dachte, ich wäre der Transfer"

Kommt jetzt noch der ganz große Transfer? "Ich dachte, ich wäre der Transfer", so Sammer lachend. Der spanische Nationalspieler Javi Martinez von Athletic Bilbao ist ein Kandidat für das Mittelfeld. "Ich kenne ihn gut, und die Verantwortlichen schätzen ihn als sehr gut ein", sagte Sammer.

Die deutschen Nationalspieler und Franck Ribery wird er erst am 22. Juli sehen, sie verpassen das Trainingslager der Münchner am Gardasee (15. bis 20. Juli). Arjen Robben, Anatoli Timoschtschuk und der kroatische Zugang Mario Mandzukic beginnen am Gardasee mit dem Training. Zwei Tage nach der Rückkehr geht es schon weiter: Die Mannschaft fliegt für fünf Tage nach China und spielt dort unter anderem gegen den VfL Wolfsburg.

Heynckes wird sich in den nächsten Wochen nicht schnell zufrieden geben. Im Januar hatte er die Vorbereitung auf die Rückrunde als "beste meiner Karriere" bezeichnet, dies während der Schwächephase der Bayern einige Wochen später als Fehler bezeichnet. Sammer hat eine Aufgabe für die nächsten Wochen ausgemacht: "Eitelkeiten dürfen keine Rolle spielen. Wir müssen in aller Deutlichkeit eine Richtung vorgeben." Hat er bereits getan.


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