Fouls und Fehler
Für Referee Webb war das WM-Finale "ein Höllenritt"
Das WM-Finale in Südafrika wird Howard Webb nie vergessen. "Das waren die schwersten Momente meiner Laufbahn", sagte der Schiedsrichter.
Der englische Schiedsrichter Howard Webb hat das WM-Finale zwischen Spanien und den Niederlanden mit einem Höllenritt verglichen. "Das waren die schwersten Momente meiner Laufbahn, die man am besten mit einem Höllenritt beschreiben kann, der zwei Stunden dauerte", sagte Webb der englischen Tageszeitung "Daily Mail".
Webb hatte in dem extrem hart geführten Endspiel insgesamt zwölf Gelbe Karten und einmal Gelb-Rot gegen den Niederländer John Heitinga gezückt. Bei Nigel de Jongs Kung-Fu-Tritt gegen Xabi Alonso lag der Unparteiische aber ebenso falsch wie bei der nicht geahndeten Tätlichkeit von Siegtorschütze Andrés Iniesta gegen Mark van Bommel.
Das niederländische Fußball-Idol Johan Cruyff hat sich derweil in der katalanischen Zeitung "El Periodico" negativ über das Spiel der Elftal im WM-Finale geäußert. "Das Spiel war hässlich, hart, grob und viel zu defensiv. Es war wenig Fußball dabei. Man spielt Anti-Fußball, wenn man glaubt, dass es die einzige Möglichkeit ist, um zu siegen", meinte der Vizeweltmeister von 1974, der das WM-Endspiel in seiner spanischen Wahlheimat Barcelona am Fernseher verfolgte.
"Die Niederlande waren 20 Minuten gut, und dann begannen sie zu schubsen und zu provozieren", fügte der ehemalige Barca-Coach hinzu. Lobende Worte fand er für den Torchützen Andres Iniesta. "Er steht für das Spiel von Barcelona, ein sehr geschickter und mutiger Fußballer", ergänzte Cruyff.
"Eine unnachahmliche Aneinanderreihung von Raritäten, Aufbäumen, Charakter, Widerstandskraft, Schwächen und manchmal auch niederträchtigem Spiel", hatte die niederländische Zeitung "de Volkskrant" ausgemacht. Vom Finale in Johannesburg aber wird vor allem Letzteres in Erinnerung bleiben.
So viele Gelbe Karten in einem WM-Finale gab es noch nie. Dabei hätten Mark van Bommel und besonders Nigel de Jong noch in der ersten Halbzeit nach üblen Tritten sogar Platzverweise verdient gehabt.
Dennoch sahen die Verlierer in Webb einen Schuldigen für ihr Scheitern. Wesley Sneijder sprach von einer "Schande für den Fußball" und meinte nicht etwa die Tritte des eigenen Teams, sondern einen nicht gegebenen Eckball für die Niederlande. Spaniens Andres Iniesta erzielte Sekunden später das entscheidende Tor (116.). De Jong, der sich zuvor nachhaltig als Darsteller in Kung-Fu-Filmen empfohlen hatte, sprach von "einer unglaublichen Schiedsrichter-Entscheidung".
Nach dem Spiel saß Trainer Bert van Marwijk mit verschränkten Armen in der Pressekonferenz. Er sei keiner, der die Schuld beim Schiedsrichter suche, aber, ja aber: "Er hat es nicht im Griff gehabt, das hatte einen Einfluss." Dann aber erwies er sich doch noch als fairer Verlierer: Spanien sei das beste Team gewesen, "sie verdienen den Titel".
Es sei nicht der Stil der Niederlande, "schreckliche" Fouls zu begehen, räumte van Marwijk ein: "Aber das ist ein Finale. Wir hätten gerne gewonnen, auch mit weniger schönem Fußball." Chancen dafür gab es: Besonders Bayern-Star Arjen Robben scheiterte gleich zweimal freistehend an Torwart Iker Casillar.
So aber reisten die Niederländer erneut als Vize-Weltmeister zurück in die Heimat. Am Dienstag empfing Königin Beatrix das Team im Palais Nooreinde in Den Haag. Und am Abend ehrt Amsterdam die Finalisten mit einem großen Fest. Das Land hat gelernt, auch ohne WM-Pokal zu feiern – so wie Deutschland.
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