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12.06.10

WM 2010

Das Summen der Vuvuzelas geht vielen auf die Nerven

Ziel der Vuvuzela war es früher, den Feind in Angst und Schrecken zu versetzen. Dies scheint zu gelingen – bei Freund und Feind.

REUTERS

Die "National-Tröte" der Gastgeber klang in allen Ohren.

13 Bilder

Sind wir ehrlich: Die Dinger nerven. Tröööt, die ganze Zeit tröööt. Schon nach zwei Tagen können wir festhalten, dass der Soundtrack dieser Weltmeisterschaft aus dem ewigen Röhren der Vuvuzelas besteht. Diese Plastiktuten, die es in Südafrika an jeder Ecke für umgerechnet drei Euro gibt und die klingen, als stecke man seinen Kopf in ein Hornissennest.

Schön ist das nicht und soll es auch gar nicht sein. Schließlich wurde die Vuvuzela einst als Kriegs- oder Jagdtrompete verwendet. Als solche hatte sie vor allem eine Aufgabe. "Nicht Musizieren, sondern den Feind in Angst und Schrecken zu versetzen", sagt Gunter Ziegenhals, 56, Leiter des Instituts für Musikinstrumentenbau in Zwota (IFM). Pendants dazu seien hierzulande die historischen Blasinstrumente Lure sowie Carnyx.

Standardisierte Messungen am IFM haben ergeben, dass eine Vuvuzela die gleiche Schallleistung wie eine Trompete erreicht: rund 108 dB als mittlerer Wert ("Wenn der Bläser einen guten Tag hat, auch mehr"). Damit liegt sie im Vergleich zu klassischen Instrumenten im oberen Drittel.

Für den Bläser selber besteht dabei wenig Gefahr – wohl aber für den, den er ummittelbar antrötet. Fünf Meter Entfernung seien kein Problem, sagt Ziegenhals, "aber wenn Ihnen einer aus zehn Zentimetern ins Ohr bläst, tut es ihrem Ohr nicht gut". Und: "Blasen viele Leute, wird es richtig heftig. Wenn etwa 50.000 Menschen in einem Stadion so eine Vuvuzela gekauft haben und nur zehn Prozent blasen gleichzeitig, dann kommt man auf 140 dB Schallleistung. Das ist nahe an einem Düsenflugzeug."

Interessant ist eine Studie von Wissenschaftlern der Universitäten in Heidelberg und Köln. Demnach besteht ein Zusammenhang zwischen dem Lärm der Zuschauer im Stadion und der Anzahl der Gelben Karten. Vereinfacht gesagt: Je lauter es ist, desto mehr Verwarnungen gibt es für die Auswärtsmannschaft. Die Wissenschaftler, die allein 1530 Bundesligaspiele analysierten, kommen zu dem Schluss, dass Schiedsrichter – unbewusst – die Publikumsreaktion als Indiz für die Schwere eines Fouls nutzen.

In Südafrikas Stadien ist die sonore Geräuschkulisse von Abertausenden Vuvuzelas weitaus höher. Und auch in Deutschland sind Fußballfans beim Besuch von Public-Viewing-Orten Ohrstöpsel zu empfehlen. Zwischen vier und fünf Millionen Tröten dürften bis zum Ende dieser WM hierzulande verkauft sein, schätzt Thilo Kohn, Geschäftsführer von High Ten Media.

Als eine von mehreren Firmen vertreibt sie im Internet (vuvuzela-kaufen.com) das Original des südafrikanischen Herstellers Boogieblast, der die ursprünglich aus Tierhörnern und Bambusstäben hergestellte Vuvuzela seit 1986 aus Kunststoff produziert. Der Absatz seit Verkaufsstart im Juli 2009 sei enorm, "seit Anfang April hat sich die Nachfrage vervierfacht", sagt Kohn zufrieden.

Schon mit ein wenig Übung lässt sich so viel Lärm veranstalten, dass Hersteller Warnhinweise aufdrucken lassen. IFM-Experte Ziegenhals findet das gut, warnt aber vor Übertreibung: "Wenn hinter ihnen drei Mann auf eine Bass Drum schlagen, ist das auch nicht besser."

Bei der Trommel ist eine andere Gefahr hingegen ausgeschlossen. Eine Studie des Tropeninstituts London kam jüngst zu dem Schluss, dass Vuvuzuelas noch andere Gesundheitsprobleme verursachen können: "Durch sie können ansteckende Grippeviren in die Umgebung geblasen werden", sagte die Studienleiterin Ruth McNerney.

Ein Problem ist der Krach auch für die Fernsehsender, die viele Beschwerdeanrufe erhalten. "Nach den Erfahrungen beim Confed-Cup verwenden unsere Reporter bei der WM spezielle Lippenmikrofone, damit sich ihr Kommentar nicht zu sehr mit der Stadionatmosphäre vermischt", sagt ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz. Tontechniker könnten das Summen leiser drehen, doch das will Gruschwitz nicht: "Fußball ohne Atmosphäre wäre langweilig. Ein Problem haben vor allem die, die das Spiel nebenbei laufen lassen und sonst erst bei einem Aufschrei der Fans hinschauen."

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